6.9 Bahá'í-Gebete


6.9 Bahá'í-Gebete

Bahá'u'lláh und 'Abdu'l-Bahá offenbarten für Ihre Anhänger unzählige Gebete, die sie zu verschiedenen Zeiten und für verschiedene Ziele gebrauchen sollen. Die

Gedankengröße und tiefgründige Geistigkeit, die sich in diesen Worten enthüllen, müssen einen nachhaltigen Eindruck auf jeden denkenden Sucher machen. Aber ihre

Bedeutung können wir erst dann richtig einschätzen und ihre Kraft, Gutes zu wirken, völlig uns klarmachen, wenn wir den Gebrauch dieser Gebete zu einem regelmäßigen

und wichtigen Teil unseres täglichen Lebens machen. Die Rücksicht auf den beschränkten Raum dieses Buches gestattet uns leider nicht, außer einigen kurzen Beispielen,

mehr von diesen Gebeten hier wiederzugeben. Wegen weiterer Gebete sei der Leser auf andere Bahá'í-Schriften verwiesen.

»O mein Herr! Mache Deine Schönheit zu meiner Speise, Deine Gegenwart zu meinem Trank, Dein Wohlgefallen zu meiner Hoffnung, Deinen Lobpreis zu meiner Tat, das

Gedenken Deiner zu meinem Gefährten und die Macht Deiner Herrschaft zu meinem Beistand, Deine Behausung zu meinem Heim und meinen Wohnort zum Sitz, den Du

geheiligt hast über die Grenzen, denen gesetzt, die wie durch einen Schleier von Dir getrennt sind.«

»Du bist wahrlich der Allmächtige, der Allherrliche, der Machtvollste.«¹

¹ Bahá'u'lláh, Gebete und Meditationen Nr.168

»Ich bezeuge, o mein Gott: Du hast mich erschaffen, Dich zu erkennen und Dich anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine Ohnmacht und Deine Macht, meine

Armut und Deinen Reichtum. Es gibt keinen anderen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.«¹

¹ Bahá'u'lláh, Gebete und Meditationen Nr.181

»O mein Gott! O mein Gott! Vereinige die Herzen Deiner Diener und offenbare ihnen Deine großen Absichten. Mögen sie Deine Gebote befolgen und Deinem Gesetze treu

bleiben. Hilf ihnen, o Gott, in ihrem Bemühen und verleihe ihnen Kraft, Dir zu dienen. O Gott, überlasse sie nicht sich selbst, sondern leite ihre Schritte durch das Licht der

Erkenntnis und erquicke ihre Herzen durch Deine Liebe. Wahrlich, Du bist ihr Helfer und ihr Herr.«¹

¹ Bahá'u'lláh, Bahá'í Prayers

»O du gütiger Herr! Du hast die ganze Menschheit aus dem gleichen Stamm erschaffen. Du hast bestimmt, daß alle dem gleichen Haushalt angehören sollen. In Deiner

heiligen Gegenwart sind sie alle Deine Diener, und die ganze Menschheit findet Schutz in Deiner Hütte. Alle haben sich um Deinen Gabentisch versammelt. Alle werden

erleuchtet durch das Licht Deiner Vorsehung.«

»O Gott! Du bist gütig zu allen, Du hast für alle gesorgt, Du beschützest alle, Du verleihst allen Leben, Du hast einen jeden und alle mit Gaben und Fähigkeiten

ausgestattet, und alle sind in das Meer Deiner Barmherzigkeit untergetaucht.«

»O Du gütiger Herr! Vereinige alle. Gib, daß die Religionen in Einklang kommen, und einige die Völker, so daß sie einander ansehen mögen wie eine Familie und die ganze

Erde wie ein Heim. Möchten sie doch alle in vollkommener Harmonie zusammenleben!«

»O Gott! Erhebe das Banner der Einheit der Menschheit.«

»O Gott! Errichte den Größten Frieden.«

»Schmiede Du, o Gott, die Herzen zusammen.«

»O Du gütiger Vater, Gott! Erfreue unsere Herzen durch den Duft Deiner Liebe. Mache unsere Augen strahlend durch das Licht Deiner Führung. Erquicke unsere Ohren mit

dem Wohlklang Deines Wortes und beschütze uns alle in der Feste Deiner Vorsehung.«

»Du bist der Mächtige und Kraftvolle, Du bist der Vergebende und Du bist Der, welcher die Mängel der ganzen Menschheit übersieht.«¹

¹ Abdu'l-Bahá, Bahá'í Prayers

»O Du Allmächtiger! Ich bin ein Sünder, Du aber bist der Vergebende. Ich bin voller Mängel, Du aber bist der Mitleidige. Ich bin in der Dunkelheit des Irrtums, Du aber bist

das Licht der Verzeihung.«

»Darum bitte ich Dich, o Du liebreicher Gott, vergib mir meine Sünden, gewähre mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, verleihe mir Schutz, versenke mich in den Quell

Deiner Geduld und heile mich von aller Krankheit und allem Leiden. Reinige und heilige mich. Gib mir einen Teil von der Ausgießung der Heiligkeit, so daß Sorgen und

Traurigkeit verschwinden, Freude und Glückseligkeit herabkommen, Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit verwandelt werden in Frohsinn und Zuversicht, und Mut an Stelle von

Furcht trete. Wahrlich, Du bist der Vergebende, der Mitleidige, und Du bist der Großmütige, der Geliebte!«¹

¹ Abdu'l-Bahá, Bahá'í Prayers

»O Du mitleidiger Gott! Verleihe mir ein Herz, das mit dem Lichte Deiner Liebe erleuchtet werde wie ein Spiegel, und gib mir Gedanken, welche die Welt durch geistige

Gnaden in einen Rosengarten verwandeln mögen.«

»Du bist der Mitleidige, der Barmherzige, der Gnadenreiche!«¹

¹ Abdu'l-Bahá, Bahá'í Prayers

Das Bahá'í-Gebet ist jedoch nicht beschränkt auf den Gebrauch vorgeschriebener Formen, wie wichtig diese auch sein mögen. Bahá'u'lláh lehrt, daß des Menschen ganzes

Leben ein Gebet sein sollte, daß die im rechten Geist verrichtete Arbeit Gottesdienst ist, daß jeder Gedanke, jedes Wort und jede Tat, die dem Ruhme Gottes und dem

Wohl unserer Mitmenschen dienen, im wahrsten Sinn des Wortes Gebet sind¹

¹ über Fürbitte siebe 11.Kapitel