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8.5 Die Frage der Autorität und Machtvollkommenheit
Die verschiedenen Religionsgemeinschaften waren in der Vergangenheit nicht imstande, sich zu vereinigen, weil die Anhänger einer jeden den Gründer ihrer eigenen
Gemeinschaft als die einzige und höchste Autorität ansahen und sein Gesetz allein für göttlich hielten. Jeder Offenbarer, der eine andere, von der ihrigen verschiedene
Botschaft verkündigte, wurde daher als ein Feind der Wahrheit betrachtet. Die verschiedenen Sekten einer jeden Religionsgemeinschaft haben sich aus ähnlichen Gründen
abgetrennt. Die Anhänger einer jeden Sekte nahmen irgendeine untergeordnete Autorität an und betrachteten irgendeine besondere Auffassung oder Auslegung ihres
Gründers als den einen wahren Glauben und jeden andern als falsch. Es ist klar, daß, solange dieser Zustand herrscht, keine wahre Einigkeit möglich ist.
Bahá'u'lláh aber lehrt, daß alle Offenbarer die Träger echter Botschaften Gottes waren, daß jeder an Seinem Tag die höchsten Lehren erteilte, welche die Menschen zu ihrer
Zeit aufnehmen konnten, und daß Er die Menschen dazu erzog, daß sie fähig waren, weitere Lehren von Seinen Nachfolgern¹ aufzunehmen. Er ruft die Anhänger jeder
Religion auf, nicht nur die göttliche Eingebung ihrer eigenen Offenbarer nicht zu leugnen, sondern auch die göttliche Eingebung aller andern Manifestationen anzuerkennen,
um so einzusehen, daß die Lehren aller ihrem Wesen nach in Einklang sind und daß sie Teile eines großen Planes zur Erziehung und Vereinigung der Menschheit bilden.
Er ruft die Angehörigen aller Bekenntnisse auf, die Verehrung ihrer Offenbarer dadurch zu beweisen, daß sie ihr Leben der Verwirklichung jener Einheit widmen, für die alle
Manifestationen wirkten und litten. In Seinem Brief an die Königin Viktoria von England vergleicht Bahá'u'lláh die Welt mit einem kranken Menschen, dessen Krankheit
dadurch verschlimmert wurde, daß er in die Hände ungeschickter Ärzte fiel, und kündet an, wie das Heilmittel wirksam werde:
»Was der Herr als höchstes Mittel und mächtigstes Werkzeug für die Heilung der ganzen Welt bestimmt hat, ist die Vereinigung aller ihrer Völker in einer allumfassenden
Sache, einem gemeinsamen Glauben. Das kann nicht anders erreicht werden, als durch die Kraft eines erfahrenen, allgewaltigen und erleuchteten Arztes. Wahrlich, das ist
die Wahrheit und alles andere nichts als Irrtum.«²
¹ d h. späteren Manifestationen
² Bahá'u'lláh, ÄL Kap.CXX
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