9.11 Keine industrielle Versklavung


9.11 Keine industrielle Versklavung

Im Buch Aqdas verbietet Bahá'u'lláh die Sklaverei, und 'Abdu'l-Bahá erklärte, daß nicht nur die Sklaverei im allgemeinen, sondern auch die industrielle Versklavung dem

Gesetz Gottes zuwider ist. Als Er im Jahre 1912 in den Vereinigten Staaten weilte, sagte Er zu den Amerikanern:

»In den Jahren 1860 bis 1865 habt ihr ein wunderbares Werk verrichtet; ihr habt die Sklaverei abgeschafft. Heute aber müßt ihr noch etwas Bedeutenderes tun: ihr müßt die

industrielle Versklavung abschaffen ...«¹

»Die Lösung wirtschaftlicher Fragen wird nicht dadurch geschaffen, daß das Kapital der Arbeit und die Arbeit dem Kapital in Streit und Kampf gegenüber stehen, sondern

beiderseits durch eine freiwillige Einstellung auf guten Willen. Dann wird eine wirkliche und dauernde Richtigstellung der Zustände gesichert sein ...«¹

»Unter den Bahá'í gibt es keine erpresserische, käufliche und ungerechte Handlungsweise, keine rebellischen Forderungen, keine revolutionären Aufstände gegen

vorhandene Regierungen ...«¹

»Es wird in Zukunft für die Menschen nicht möglich sein, sich durch die Arbeit anderer große Reichtümer anzuhäufen. Die Reichen werden willig teilen. Sie werden

allmählich, auf natürlichem Wege und durch ihren eigenen freien Willen dazu kommen. Dies wird niemals durch Krieg und Blutvergießen erreicht werden.«

Nur durch freundschaftliche Beratung und Zusammenarbeit, durch gerechte Teilhaberschaft und Gewinnbeteiligung wird den Interessen sowohl des Kapitals als auch der

Arbeit am besten gedient. Die schroffen Waffen des Streiks und der Aussperrung sind schädlich, und zwar nicht nur für den unmittelbar davon betroffenen Handel, sondern

für die Gemeinschaft als Ganzes. Es ist daher Aufgabe der Regierung, Wege zu ersinnen, um zu verhindern, daß man seine Zuflucht zu solch barbarischen Mitteln der

Beilegung des Streites nimmt. 'Abdu'l-Bahá sagte in Dublin, New Hampshire, 1912:

»Nun möchte ich über das Gesetz Gottes sprechen. Nach dem göttlichen Gesetz sollte die Arbeit nicht nur mit Lohn bezahlt werden. Nein, die Arbeiter sollten vielmehr

Teilhaber des Unternehmens sein. Die Frage der Sozialisierung ist sehr schwierig. Sie wird nicht durch Lohnstreiks gelöst. Alle Regierungen der Welt müssen sich

vereinigen und einen Rat bilden, dessen Mitglieder aus den Volksvertretungen und den edelsten Menschen der Nationen zu wählen sind. Diese müssen mit Weisheit und

Kraft einen wirkungsvollen Plan ausarbeiten, nach dem weder die Kapitalisten sehr große Verluste erleiden, noch die Arbeiter in Not geraten. Mit größter Mäßigung sollen

sie das Gesetz entwerfen und dann öffentlich bekannt machen, daß die Rechte des arbeitenden Volkes wirkungsvoll gewahrt werden müssen. Auch die Rechte der

Arbeitgeber sind zu schützen. Wenn ein solches allgemeines Gesetz durch beiderseitigen Willen angenommen ist und dennoch ein Streik ausbricht, so müssen einem

solchen alle Regierungen der Welt gemeinsam entgegentreten. Geschieht dies nicht, so wird die Arbeiterfrage, besonders in Europa, zu großen Zerstörungen führen.

Schreckliche Dinge werden sich dann ereignen. Eine der verschiedenen Ursachen eines allgemeinen europäischen Krieges wird diese Frage sein. Die Guts-, Bergwerk- und

Fabrikbesitzer sollten ihr Einkommen mit ihren Arbeitern teilen und ihnen einen angemessenen Prozentsatz zukommen lassen, damit dem Arbeiter neben seinem Lohn

auch ein Anteil an dem allgemeinen Gewinn des Unternehmens zufällt, wodurch er sich auch mit seiner Seele für die Arbeit einsetzt.«²

¹ Abdu'l-Bahá, Star of the West VII Nr.15 p.147
² Abdu'l-Bahá, Star of the West VIII Nr.1 p.7