9.17 Angeborene Unterschiede in der Natur


9.17 Angeborene Unterschiede in der Natur

Nach der Bahá'í-Anschauung ist die Natur des Kindes nicht wie Wachs, das nach dem Willen des Lehrers unbekümmert um seine eigene Form gestaltet werden kann.

Nein, jedes einzelne der Kinder hat seine eigene, ihm von Gott verliehene Wesensart und Eigentümlichkeit, die nur in einer besonderen Weise zu seinem besten Wohle

entwickelt werden kann, und dieser Weg ist in jedem Fall einzig in seiner Art. Nicht zwei Menschen haben genau dieselben Fähigkeiten und Talente, und der wahre Erzieher

wird nie versuchen, zwei Naturen in eine und dieselbe Form zu zwingen. In der Tat, er wird nie den Versuch machen, irgendeine Natur in irgendeine Form zu pressen,

sondern er wird vielmehr die sich entwickelnden Kräfte des jungen Wesens ehrfurchtsvoll pflegen, sie ermutigen, beschützen und ihnen die nötige Nahrung und Hilfe

zukommen lassen. Seine Arbeit gleicht der eines Gärtners, der verschiedene Pflanzen pflegt. Eine Pflanze liebt den strahlenden Sonnenschein, die andere den kühlen

Schatten; die eine liebt das Bachufer, die andere die dürre Bergesspitze; die eine gedeiht am besten auf sandigem Boden, die andere in fettem Lehm. Jede muß die ihrer

Natur angemessene Pflege haben, andernfalls kann ihre Vollendung nicht völlig zum Ausdruck kommen. 'Abdu'l-Bahá sagt:

»Die Offenbarer bestätigen, daß die Erziehung eine große Wirkung auf die menschliche Rasse ausübt, aber sie erklären, daß Geist und Begriffsvermögen der Menschen

ursprünglich verschieden sind. Wir sehen, daß gewisse Kinder desselben Alters, derselben Heimat und derselben Rasse, ja derselben Familie, unter der Aufsicht desselben

Lehrers im Geist und in der Fassungskraft verschieden sind. Die Muschel mag beliebig lang poliert werden, eine glänzende Perle kann sie niemals werden. Der schwarze

Stein wird nicht zum weithin leuchtenden Edelstein. Der stachelige Kaktus kann durch Pflege und Entwicklung niemals zum gesegneten Baume werden. Das heißt, die

Erziehung verändert das Wesen der Natur des menschlichen Edelsteins nicht, aber sie bringt eine wunderbare Wirkung hervor. Durch diese gestaltende Kraft werden alle in

der menschlichen Wirklichkeit verborgenen Tugenden und Fähigkeiten ans Licht gebracht.«¹

¹ Abdu'l-Bahá, TAB III p.577