10.4 Rassische und vaterländische Vorurteile


10.4 Rassische und vaterländische Vorurteile

Die Bahá'í-Lehre von der Einheit der Menschheit rührt an die Wurzel einer anderen Kriegsursache, nämlich an die des Rassenvorurteils. Gewisse Rassen haben sich angemaßt, anderen überlegen zu sein, und sie haben diesen Anspruch mit dem Grundsatz des `Überleben des Gewandteren` gestützt; die Überlegenheit gäbe ihnen das Recht, die schwächeren Rassen zu ihrem eigenen Vorteil auszubeuten oder sie gar auszurotten. Viele der dunkelsten Seiten der Weltgeschichte sind Beispiele der unbarmherzigen Anwendung dieses Grundsatzes. Nach der Bahá'í-Anschauung sind die Menschen jeder Rasse vor den Augen Gottes gleichwertig. Sie alle haben wunderbare, angeborene Fähigkeiten, die zu ihrer Entwicklung nur eine angemessene Erziehung benötigen, alsdann vermag jeder eine Rolle zu spielen, und anstatt das Leben ärmer zu machen, werden sie das Leben aller andern Glieder des Körpers der Menschheit bereichern und vervollständigen.

'Abdu'l-Bahá sagt (Paris S.118):

»Was das Rassenvorurteil anbetrifft, so ist es eine Täuschung, reiner, bloßer Aberglaube, hat Gott doch uns alle aus einer Rasse erschaffen ... Es gab also im Anfang keine Schranken und Grenzen zwischen den verschiedenen Ländern. Kein Teil der Erde gehörte dem einen Volke mehr als dem anderen. Im Angesicht Gottes ist kein Unterschied zwischen den verschiedenen Rassen. Warum sollte der Mensch ein solches Vorurteil erfinden? Wie können wir einen Krieg unterstützen, dessen Ursache eine Einbildung war?«

»Gott hat die Menschen nicht erschaffen, damit sie einander vernichten. Alle Rassen, Stämme, Sekten und Klassen haben gleichen Anteil an der Güte ihres himmlischen Vaters. Der einzige Unterschied liegt im Ausmaß ihrer Treue, ihres Gehorsams gegenüber den Gesetzen Gottes. Einige sind wie brennende Fackeln, andere wie Steine, die am Himmel der Menschheit leuchten. Die Freunde der Menschheit sind die hochstehenden Menschen, gleichviel welcher Nation, welchem Bekenntnis und welcher Farbe sie angehören mögen.«

Genauso unheilvoll wie das Rassenvorurteil ist das politische oder vaterländische Vorurteil. Die Zeit ist nun gekommen, da die enge nationale Vaterlandsliebe in der erweiterten Vaterlandsliebe, deren Land die Welt ist, eingebettet werden sollte.

Bahá'u'lláh spricht:

»Einst wurde geoffenbart: `Die Liebe zum Vaterland ist ein Grundbestandteil des Glaubens Gottes`. Die Zunge der Größe hat indessen am Tage ihrer Offenbarung verkündet: `Es rühme sich nicht der, welcher sein Vaterland liebt, sondern der, welcher die Menschheit liebt`. Durch die Kraft, die durch diese erhabenen Worte frei wurde, hat Er den Vögeln der Menschenherzen frischen Schwung und neue Richtung verliehen und jede Spur von Beschränkung und Begrenzung aus Gottes Heiligem Buche getilgt.«¹

¹ Bahá'u'lláh, Lawh-i-Dunya