10.5 Ländergier


10.5 Ländergier

Viele Kriege wurden eines Stückchen Landes wegen ausgefochten, dessen Besitz von zwei oder mehreren eifersüchtigen Nationen begehrt wurde. Die Gier nach Besitz war von jeher eine Ursache des Streites zwischen den Völkern und den einzelnen. Nach der Bahá'í-Anschauung gehört das Land von rechtswegen weder dem einzelnen Menschen noch einzelnen Nationen, sondern der Menschheit als einem Ganzen. Ja noch mehr, es gehört Gott allein, und alle Menschen sind nur Pächter.

Anläßlich der Schlacht bei Benghazi¹ sagte 'Abdu'l-Bahá (Paris S.17-19):

»Die Nachricht von der Schlacht bei Benghazi bekümmert mein Herz. Ich wundere mich über die menschliche Grausamkeit, die noch in der Welt ist. Wie können Menschen von morgens bis abends kämpfen, einander töten und das Blut ihrer Mitmenschen vergießen? Und wofür? Nur, um die Herrschaft über ein Stück Erde zu gewinnen! Selbst die Tiere haben beim Kampf einen unmittelbaren und vernünftigeren Anlaß für den Angriff! Wie schrecklich ist es, daß sich Menschen, die dem höheren Reiche angehören, so erniedrigen, daß sie ihre Mitgeschöpfe um den Besitz eines Landstriches erschlagen und mit Elend überziehen!«

»Das höchste der erschaffenen Wesen kämpft um die niederste Form des Stoffes: Erde. Das Land gehört nicht einem Volke, sondern allen. Diese Erde ist nicht des Menschen Heim, sondern sein Grab.«

»Wie groß auch der Eroberer sein mag, wie viele Länder er auch versklavt, er kann von diesen verwüsteten Ländern nichts behalten als ein winziges Stück: sein Grab. Wenn zur Verbesserung der Zustände eines Volkes, zur Verbreitung der Zivilisation ... mehr Land benötigt wird, so müßte es gewiß auch möglich sein, die erforderliche Gebietserweiterung auf friedlichem Wege zu erreichen.«

»Aber der Krieg wird gemacht, um den menschlichen Ehrgeiz zu befriedigen. Um des weltlichen Gewinnes einiger weniger willen wird schreckliches Elend über ungezählte Heime gebracht und das Herz von Hunderten von Männern und Frauen gebrochen!«

»Ich heiße euch alle und jeden von euch, alles, was ihr im Herzen habt, auf Liebe und Einigkeit zu richten. Wenn ein Kriegsgedanke kommt, so widersteht ihm mit einem stärkeren Gedanken des Friedens. Ein Haßgedanke muß durch einen mächtigeren Gedanken der Liebe vernichtet werden. Wenn Soldaten der Welt den Säbel ziehen, um zu töten, so schütteln die Soldaten Gottes einander die Hände. So mag durch die Gnade Gottes, die sich durch die reinen Herzen und aufrichtigen Seelen auswirkt, alle menschliche Wildheit schwinden. Haltet den Frieden der Welt nicht für ein unerreichbares Idealbild!«

»Nichts ist für Gottes Güte unmöglich. Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.«

¹ Ein Gefecht im Krieg zwischen Italien und der Türkei, am 29. September 1911