10.7 Universales Völkerbündnis


10.7 Universales Völkerbündnis

Ein anderer Plan, den Bahá'u'lláh oft machtvoll vertrat, lautete, daß zur Erhaltung des Weltfriedens ein allumfassender Völkerbund gebildet werden soll. In einem Brief an die Königin Viktoria, geschrieben noch zur Zeit seiner Gefangenschaft in der Festung 'Akká (168-1870), sagt Er:

»O Herrscher der Erde! Versöhnt euch miteinander, so daß ihr nicht mehr Kriegsrüstungen benötigt, als dem Schutze eurer Gebiete und Länder angemessen ist. Hütet euch, den Rat des Allwissenden, des Glaubwürdigen zu mißachten. Seid einig, o Könige der Erde, denn dadurch wird der Sturm des Haders gestillt und eure Völker finden Ruhe - wenn ihr doch unter denen wäret, die das verstehen! Sollte einer unter euch gegen einen anderen die Waffen ergreifen, so erhebt euch alle gegen ihn, denn dies ist nichts als offenbare Gerechtigkeit.«¹

Im Jahr 1875 gab 'Abdu'l-Bahá einen Hinweis auf die Errichtung eines allumfassenden Völkerbundes, was besonders in der jetzigen Zeit, angesichts der eifrigen Versuche, einen solchen Völkerbund zu gründen (1919/20), von besonderem Interesse ist.

Er schrieb damals:

»Wahre Kultur wird ihr Banner mitten im Herzen der Welt entfalten, sobald eine gewisse Zahl ihrer vorzüglichen, hochgesinnten Herrscher - leuchtende Vorbilder der Ergebenheit und Entschiedenheit - mit festem Entschluß und klarem Blick daran geht, den Weltfrieden zu stiften. Sie müssen die Friedensfrage zum Gegenstand allgemeiner Beratung machen und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln versuchen, einen Weltvölkerbund zu schaffen. Sie müssen einen verbindlichen Vertrag und einen Bund schließen, dessen Verfügungen vernünftig, unverletzlich und bestimmt sind. Diesen Vertrag müssen sie der ganzen Welt bekannt geben und die Bestätigung der gesamten Menschenrasse für ihn erlangen. Ein derart erhabenes und edles Unternehmen - der wahre Quell des Friedens und Wohlergehens für die ganze Welt - sollte allen, die auf Erden wohnen, heilig sein. Alle Kräfte der Menschheit müssen frei gemacht werden, um die Dauer und Beständigkeit dieses größten aller Bündnisse zu sichern. In diesem allumfassenden Vertrag sollten die Grenzen jedes einzelnen Landes deutlich festgelegt, die Grundsätze, die den Beziehungen der Regierungen untereinander zugrunde liegen, klar verzeichnet und alle internationalen Vereinbarungen und Verpflichtungen bekräftigt werden. In gleicher Weise sollte der Umfang der Rüstungen für jede Regierung genauestens umgrenzt werden, denn wenn die Zunahme der Kriegsvorbereitungen und Truppenstärken in irgendeinem Land gestattet wäre, so würde dadurch das Mißtrauen anderer geweckt. Die Hauptgrundlage dieses feierlichen Vertrages sollte so verankert werden, daß bei einer späteren Verletzung irgendeiner Bestimmung durch irgendeine Regierung sich alle Regierungen der Erde erheben, um jene wieder zu voller Unterwerfung unter den Vertrag zu bringen, nein, die Menschheit als Ganzes sollte sich entschließen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln jene Regierung zu vernichten. Sollte dieses größte aller Heilmittel auf den kranken Körper der Welt angewandt werden, so wird er sich gewiß wieder von seinen Leiden erholen und dauernd bewahrt und heil bleiben.«²

Die Bahá'í erkennen schwerwiegende Mängel im Gefüge des Völkerbundes³, das in seiner Art weit hinter der von Bahá'u'lláh als wesentlich für die Errichtung des Weltfriedens bezeichneten Einrichtung zurückbleibt. Am 17. Dezember 1919 erklärte 'Abdu'l-Bahá (An die Zentralorganisation für einen dauerhaften Frieden):

»Gegenwärtig ist der Weltfriede eine Sache von großer Bedeutung, aber Einheit des Bewußtseins ist wesentlich, so daß die Grundlage dieser Sache sicher, ihre Begründung fest und ihr Gebäude stark werde ... Obwohl der Völkerbund zustande gebracht worden ist, so ist er doch unfähig, den Weltfrieden zu errichten. Aber der höchste Gerichtshof, den seine Heiligkeit Bahá'u'lláh beschrieben hat, wird diese geheiligte Aufgabe mit größter Macht und Kraft erfüllen.«

¹ Bahá'u'lláh, Die Verkündigung Bahá'u'lláhs S.26
² Abdu'l-Bahá, Das Geheimnis göttlicher Kultur
³ Die gleichen Betrachtungen gelten für die Organisation der Vereinten Nationen.