10.8 Internationaler Schiedsspruch


10.8 Internationaler Schiedsspruch

Bahá'u'lláh trat auch für die Errichtung eines internationalen Schiedsgerichtshofs ein, damit Meinungsverschiedenheiten zwischen den Nationen anstatt durch Anruf des Gottesurteils der Schlacht, durch Gerechtigkeit und Vernunft beigelegt werden. In einem Brief an den Sekretär der Mohonk-Konferenz für internationale Schlichtung schrieb 'Abdu'l-Bahá im August 1911:

»Vor mehr als fünfzig Jahren befahl Bahá'u'lláh der Menschheit im Buch Aqdas den Weltfrieden aufzurichten, und rief alle Nationen zum göttlichen Fest eines internationalen Schiedsspruchs, damit die Fragen der Grenzen, nationaler Ehre, nationalen Eigentums und zwischenstaatlicher Lebensinteressen durch einen Schiedsgerichtshof geregelt werden können, und daß keine Nation es wagen würde, sich zu weigern, die auf diese Weise erlangte Entscheidung anzunehmen. Wenn sich ein Streit zwischen zwei Nationen erhebt, so muß dieser vor den internationalen Gerichtshof gebracht und von diesem geschlichtet und entschieden werden, gleichwie zwischen zwei Personen vom Richter das Urteil gefällt wird. Wenn eine Nation es jemals wagen sollte, eine solche Entscheidung zu übertreten, müßten sich alle anderen Nationen erheben und diese Auflehnung niederschlagen.«

In einer seiner Pariser Reden von 1911 sagte 'Abdu'l-Bahá ferner (Paris S.124):

»Ein höchster Gerichtshof muß durch die Völker und Regierungen aller Staaten errichtet werden und aus gewählten Mitgliedern aller Länder und Regierungen bestehen. Die Mitglieder dieses großen Rates müssen in Einigkeit tagen. Alle Streitigkeiten internationalen Charakters sind diesem Gerichtshof zu unterbreiten, dessen Sache es ist, durch Schiedsspruch alles zu schlichten, was sonst zur Ursache des Krieges würde. Die Aufgabe dieses Gerichtshofes wäre, den Krieg zu verhindern.«

Während des Vierteljahrhunderts, das der Errichtung eines Völkerbundes vorausging, wurde im Haag (1900) ein ständiger Schiedsgerichtshof errichtet, in dem manche schiedsrichterlichen Verträge unterzeichnet wurden. Aber die meisten dieser Verträge waren noch weit entfernt von den umfassenden Vorschlägen von Bahá'u'lláh. Es wurde kein schiedsgerichtlicher Vertrag zwischen zwei Großmächten geschlossen, der alle Streitfragen enthalten hätte. Streitfragen, die »Lebensinteressen«, die »Ehre« und »Unabhängigkeit« betreffend, waren ausdrücklich ausgeschlossen. Aber nicht nur dies, sondern auch wirkliche Garantien fehlten, daß sich die Nationen an die Bestimmungen der Verträge, denen sie sich unterworfen haben, halten würden. In dem Bahá'í-Plan sind aber Fragen der Grenzgebiete, Fragen über nationale Ehre und Lebensinteressen ausdrücklich eingeschlossen, und diese Abkommen werden die beste Gewähr für den hinter ihnen stehenden Weltbund der Nationen bieten. Nur wenn diese Vorschläge vollständig durchgeführt werden, wird ein internationaler Schiedsspruch völligen Spielraum für seine segensreichen Möglichkeiten haben, und der Fluch des Krieges wird endlich von der Welt genommen werden.