10.10 Kein Widerstand


10.10 Kein Widerstand

Als eine religiöse Körperschaft haben die Bahá'í den ausdrücklichen Befehl von Bahá'u'lláh, sich in eigenem Interesse jeden Gebrauchs von Waffen, selbst zu reinen Verteidigungszwecken, zu enthalten. In Persien haben viele Tausende von Bábí und Bahá'í ihres Glaubens wegen grausamen Tod erduldet. In den frühesten Tagen dieser Religion verteidigten die Bábí bei verschiedenen Gelegenheiten sich selbst und ihre Familien mit dem Schwert, mit großem Mut und großer Tapferkeit. Bahá'u'lláh jedoch verbot dies. 'Abdu'l-Bahá schreibt:

»Als Bahá'u'lláh auftrat, erklärte Er, daß die Verbreitung der Wahrheit durch solche Mittel keinesfalls erlaubt sei, auch nicht zum Zweck der Selbstverteidigung. Er schaffte die Herrschaft des Schwertes ab und hob die Verordnung des `Heiligen Krieges` auf. Er sprach: `Erschlagen zu werden ist besser für euch als zu erschlagen. Es ist die Festigkeit und Standhaftigkeit der Gläubigen, durch die die Sache des Herrn verbreitet werden muß. Wenn sich die Gläubigen furchtlos und unerschrocken und mit unbedingter Loslösung erheben, um das Wort Gottes hochzuhalten, wenn sie sich mit Augen, die von den Dingen dieser Welt abgekehrt sind, in den Dienst der Sache des Herrn stellen, dann werden sie durch seine Macht das Wort der Wahrheit den Sieg davontragen lassen. Diese gesegneten Seelen bekennen sich mit ihrem Lebensblut zu der Wahrheit der Sache, und sie bezeugen sie durch die Aufrichtigkeit ihres Glaubens, durch ihre Hingabe und Standhaftigkeit. Der Herr kann helfen, seine Sache zu verbreiten und die Eigensinnigen zu besiegen. Wir wünschen keinen anderen Verteidiger als Ihn, und mit unserem Leben in der Hand bieten wir den Feinden die Stirne und heißen das Märtyrertum willkommen.`«¹

Bahá'u'lláh schrieb an einen der Verfolger seiner Sache (Wolf S.75):

»Gnädiger Gott! Dieses Volk braucht keine Vernichtungswaffen, denn es rüstet sich, die Welt neu zu gestalten. Seine Heerscharen sind gute Taten, seine Waffen aufrechtes Betragen, und sein Befehlshaber ist die Gottesfurcht. Gesegnet ist, wer gerecht urteilt. Bei der Gerechtigkeit Gottes! Geduld, Friedfertigkeit, Ergebenheit und Zufriedenheit dieser Menschen waren so groß, daß sie zu Vorbildern der Gerechtigkeit wurden, und ihre Nachsicht war so umfassend, daß sie sich lieber töten ließen als selbst zu töten, und dies, obwohl sie, von aller Welt unterdrückt, Leiden ertragen mußten, wie sie die Geschichte nicht verzeichnete noch die Augen irgendeines Volkes jemals schauten. Was kann sie dazu geführt haben, sich in so schwere Prüfungen zu finden und es abzulehnen, eine Hand zur Abwehr zu erheben? Was kann solche Ergebenheit und Gelassenheit bewirkt haben? Die wahre Ursache liegt in dem Verbot, das die Feder der Herrlichkeit Tag und Nacht aussprach, und darin, daß Wir die Zügel der Autorität ergriffen, vermöge der Kraft und Macht des Herrn der ganzen Menschheit.«

Das Gesunde der Politik der Widerstandslosigkeit von Bahá'u'lláh hat sich schon durch Erfolge bewiesen: Für jeden Gläubigen, der in Persien den Märtyrertod erlitt, haben sich dem Bahá'í-Glauben hundert neue Gläubige zugesellt. Und die Freudigkeit und Unerschrockenheit, mit der diese Märtyrer die Krone ihres Lebens zu Füßen ihres Herrn legten, lieferte der Welt den klarsten Beweis, daß sie ein neues Leben gefunden haben, für das der Tod keine Schrecken hat, ein Leben von unaussprechlicher Fülle und Freude, mit der verglichen die Freuden der Erde wie Staub in der Waagschale sind und die teuflischsten körperlichen Foltern wie spielendes Licht, wie Luft.

¹ von 'Abdu'l-Bahá für dieses Buch beigetragen