11.1 Mönchsleben


11.1 Mönchsleben

Wie schon Muhammad, verbietet auch Bahá'u'lláh seinen Anhängern, ein Leben mönchischer Abgeschlossenheit zu führen.

Im Tablet an Napoleon III. lesen wir:

»O Schar der Mönche! Schließt euch nicht ab in Kirchen und Klöstern. Kommt mit Meiner Erlaubnis hervor und befaßt euch mit dem, was euren Seelen und den Seelen der Menschen nützen wird ... schließt die Ehe, damit nach euch ein anderer euren Platz ausfüllen möge. Wir haben euch treulose Taten verboten, nicht aber das, was Treue beweisen wird. Habt ihr euch an die Normen geklammert, die euer eigenes Selbst aufgestellt hat, und das Richtmaß Gottes von euch geworfen? Fürchtet Gott und gesellt euch nicht zu den Narren. Wenn nicht der Mensch, wer könnte Mich auf Meiner Erde erwähnen, und wie könnten Meine Merkmale und Mein Name geoffenbart worden sein? Denkt darüber nach und gehört nicht zu denen, die verhüllt sind und fest schlafen. Er, der nicht heiratete ( Jesus), fand keinen Platz, wo Er wohnen oder sein Haupt niederlegen konnte um dessentwillen, was die Hände der Verräter Ihm angetan haben. Seine Heiligkeit besteht nicht in dem, war ihr glaubt oder euch einbildet, sondern vielmehr in dem, was Wir besitzen. Bittet, auf daß ihr seine Stufe begreifen möget, die erhöht wurde über die Vorstellung aller, die auf Erden wohnen. Gesegnet sind, die dies verstehen ...«¹

Erscheint es nicht seltsam, daß christliche Sekten das Mönchsleben und das Zölibat für die Geistlichkeit eingeführt haben angesichts der Tatsache, daß Christus verheiratete Männer zu seinen Jüngern erwählte, und Er selbst und seine Apostel ein Leben tätigen Wohltuns lebten, in enger Verbindung und vertrautem Umgang mit den Menschen?

Im Qur'án von Muhammad lesen wir:

»Jesus, dem Sohne der Maria, gaben Wir das Evangelium, und Wir legten in die Herzen derer, die Ihm nachfolgten, Güte und Mitgefühl. Was aber das Mönchsleben anbelangt, das haben sie selbst erfunden. Den Wunsch, nur Gott wohlzugefallen, schrieben Wir ihnen vor, und den beachteten sie nicht, wie sie ihn hätten beachten sollen.«²

Welche Berechtigung für das Mönchsleben auch in alten Zeiten und vergangenen Verhältnissen bestanden haben mag. Bahá'u'lláh erklärt, daß solch eine Berechtigung nicht länger vorhanden ist. Und in der Tat, es ist unverkennbar, daß der Austritt einer großen Zahl der Frommsten und Gottesfürchtigsten der Bevölkerung aus der Gemeinschaft mit ihren Mitmenschen und ihr Zurückweichen vor den Pflichten und der Verantwortlichkeit der Elternschaft eine geistige Verarmung des Menschengeschlechts zur Folge hat.

¹ Die Verkündigung Bahá'u'lláhs, S.106F ² Qur'án 57:27