11.11 Mashriqu'l-Adhkár


11.11 Mashriqu'l-Adhkár

Bahá'u'lláh hinterließ Anweisungen, daß Tempel zur Gottesverehrung von seinen Anhängern in jedem Land und in jeder Stadt gebaut werden sollten. Diesen Tempeln gab er den Namen »Mashriqu'l-Adhkár«, was »Dämmerungsort von Gottes Lobpreis« bedeutet. Der Mashriqu'l-Adhkár soll ein neunseitiger Bau sein, überragt von einer Kuppel, und so herrlich wie möglich in Entwurf und Ausführung. Er soll in einem großen Garten stehen, der geschmückt ist mit Brunnen, Bäumen und Blumen, und umgeben sein von einer Anzahl ergänzender Bauten, die erzieherischen, wohltätigen und sozialen Zwecke dienen, damit die Anbetung Gottes im Tempel immer innig verbunden sein möge mit andächtiger Freude an den Schönheiten der Natur und der Kunst und mit praktischer Arbeit für die Verbesserung der sozialen Zustände.¹

In Persien war den Bahá'í bisher der Bau von Tempeln zur Öffentlichen Andacht verwehrt, und so wurde der erste große Mashriqu'l-Adhkár in 'Ishqábád², Rußland (Turkmenistan), gebaut. Zum zweiten Bahá'í-Haus der Andacht legte 'Abdu'l-Bahá während seines Besuches in Amerika 1912 den Grundstein am Michigansee, wenige Meilen nördlich von Chicago.³

In verschiedenen Tablets schreibt 'Abdu'l-Bahá bezüglich dieses »Muttertempels« des Westens folgendes:

»Preis sei Gott, daß augenblicklich aus jedem Land der Welt im Verhältnis zu den unterschiedlichen Mitteln unausgesetzt Beiträge gesandt werden zum Baufonds des Mashriqu'l-Adhkár in Amerika ... seit den Tagen Adams bis heute ist so etwas unter den Menschen nicht vorgekommen, daß vom fernsten Lande Asiens Beiträge nach Amerika gehen. Dies geschieht durch die Macht des Bündnisses Gottes. Wahrlich, für die Menschen, die nachdenken, ist dies eine staunenswerte Sache. Hoffentlich zeigen die Gläubigen Gottes Großherzigkeit und bringen eine große Summe für den Bau auf ... Ich wünsche, daß es jedermann überlassen bleibe, frei zu handeln, wie er will. Wenn jemand sein Geld zu anderen Zwecken verwenden will, so laßt ihn dies tun. Mengt euch nicht in irgendeiner Weise darein, aber seid versichert, daß das Wichtigste in dieser Zeit der Bau des Mashriq'l-Adhkár ist.«

»Das Mysterium des Baus ist groß und kann jetzt noch nicht enthüllt werden, aber seine Errichtung ist das wichtigste Werk dieses Tages. Der Mashriqu'l-Adhkár hat wichtige Ergänzungsgebäude, welche bei der Gründung schon mit in Rechnung gezogen werden. Dies sind: ein Waisenhaus, ein Krankenhaus und eine Apotheke für die Armen, ein Heim für die Arbeitsunfähigen, eine Hochschule für höhere wissenschaftliche Bildung und ein Fremdenheim. In jeder Stadt muß nach diesem Befehl ein großer Mashriqu'l-Adhkár gegründet werden. Im Mashriqu'l-Adhkár werden jeden Morgen Gottesdienste gehalten. Eine Orgel wird im Mashriqu'l-Adhkár nicht sein. In den Nebenbauten werden Feste, Gottesdienste, Zusammenkünfte, öffentliche Versammlungen und geistige Versammlungen gehalten werden, aber im Tempel werden Lied und Gesang unbegleitet sein. Öffnet die Tore des Tempels allen Menschen.«

»Wenn diese Einrichtungen, Hochschule, Hospital, Fremdenheim und Krankenhaus für Unheilbare, Universität zum Studium höherer Wissenschaften und zur Fortbildung und andere der Menschheit dienende Bauten, erstellt sein werden, so werden die Tore allen Nationen und Religionen offen stehen. Es wird durchaus keine Trennungslinie gezogen werden. Ihre Wohltaten werden ungeachtet der Farbe oder Rasse erwiesen werden. Ihre Tore werden dem Menschengeschlecht weit offen stehen. Vorurteile gegen niemanden, Liebe für alle. Der Hauptbau wird Gebet und Andacht geweiht sein. Auf diese Weise ... wird Religion mit Wissenschaft in Einklang gebracht und die Wissenschaft zur Dienerin der Religion werden, und beide werden ihre materiellen und geistigen Gaben auf die ganze Menschheit strömen lassen.«

¹ In Verbindung mit dem Mashriqu'l-Adhkár ist es von Interesse, sich Tennysons Zeilen ins Gedächtnis zurückzurufen: »Ich träumte, daß Stein um Stein ich türmte zu einem heiligen Bau: ein Tempel nicht Pagode, nicht Moschee noch Kirche, aber erhabener, einfacher zugänglich allem Odem des Himmels. Und Wahrheit und Friede und Liebe und Gerechtigkeit kamen und wohnten darin.« (Akbars Traum, 1892)

² Dieses erste Haus der Andacht wurde 1948 durch ein Erdbeben schwer beschädigt und mußte wenige Jahre darauf abgerissen werden.

³ Dieser Tempel war 1953 vollendet. Seither wurden weitere Bahá'i-Tempel in Kampala (Uganda, Afrika), Sydney (Australien), Langenhain bei Frankfurt (Deutschland) und in der Nähe von Panama City (Mittelamerika) errichtet. Für fünfzig weitere wurde da Baugelände erworben.