12.1 Streit kommt aus Irrtum


12.1 Streit kommt aus Irrtum

Es ist eine der grundlegenden Lehren von Bahá'u'lláh, daß wahre Wissenschaft und wahre Religion immer miteinander in Einklang stehen müssen. Die Wahrheit ist eine. Wenn aber ein Streit aufkommt, so rührt dieser nicht von der Wahrheit, sondern vom Irrtum her. Zwischen sogenannter Wissenschaft und sogenannter Religion gab es zu allen Zeiten heftige Streitigkeiten. Blickt man auf diese aber im Lichte wirklicher Wahrheit zurück, so können wir sie jederzeit auf Unwissenheit, Vorurteil, Eitelkeit, Gier, Engherzigkeit, Unduldsamkeit, Eigensinn und dergleichen zurückführen - alles dem wahren Geist sowohl der Religion als der Wissenschaft fremd, denn beider Geist ist einer. so sagt uns Huxley: »Die großen Taten der Philosophen waren nicht so sehr Früchte ihres Verstandes, als vielmehr der Leitung dieses Verstandes durch eine hervorragend religiöse Haltung des Geistes. Die Wahrheit trat mehr durch ihre Geduld, ihre Liebe, ihre Herzenseinfachheit und ihre Selbstverleugnung zu Tage als durch ihren logischen Scharfsinn.« Der Mathematiker Boole versichert uns, daß »geometrische Folgerung im wesentlichen ein Vorgang des Gebets ist, ein Ruf des endlichen Geistes an das Unendliche um Licht über endliche Begriffe«. Von den großen Propheten der Religion und der Wissenschaft klagte niemals einer den andern an. Es sind die unwürdigen Anhänger dieser großen Weltlehrer gewesen, Anbeter des Buchstabens und nicht des Geistes ihrer Lehre, welche immer die Verfolger der nachherigen Offenbarer und die bittersten Gegner des Fortschritts waren. Sie haben das Licht der besonderen Offenbarung, die sie heilig hielten, studiert, und haben ihre Eigentümlichkeiten und Besonderheiten, wie sie es mit ihrem begrenzten Gesicht sehen können, mit der äußersten Sorgfalt und Genauigkeit festgestellt. Dies bedeutet dann für sie das einzig wahre Licht. Wenn Gott in seiner unendlichen Güte ein vollkommeneres Licht aus einer andern Himmelsrichtung sendet, und die Fackel der Eingebung aus einem neuen Leuchter heller brennt als bisher, so werden sie ärgerlich und beunruhigt, anstatt das neue Licht zu bewillkommnen und den Vater alles Lichts in neuer Dankbarkeit anzubeten. Dieses neue Licht stimmt nicht mit ihren Begriffsbestimmungen überein. Es hat keine rechtgläubige Färbung und leuchtet nicht aus einem rechtgläubigen Ort. Deshalb muß es um jeden Preis ausgelöscht werden, damit es die Menschen nicht irreführe auf den Weg der Ketzerei! Viele Feinde der Propheten sind von solcher Art, blinde Führer der Blinden, welche sich der neuen und vollkommeneren Wahrheit widersetzen, im vermeintlichen Interesse dessen, was sie für die Wahrheit halten. Andere sind unedler und lassen sich von eigensüchtigen Vorurteilen verführen, gegen die Wahrheit zu kämpfen, oder sie verstellen durch ihre geistige Leblosigkeit und Trägheit den Weg zum Fortschritt.