12.9 Die Entwicklung der Menschen


12.9 Die Entwicklung der Menschen

Bahá'u'lláh bestätigt auch den Biologen, der für den menschlichen Körper eine Geschichte entdeckt, die Jahrmillionen in der Entwicklung der Arten zurückreicht. Ausgehend von einer ganz einfachen, augenscheinlich unbedeutenden Form, wird der menschliche Körper beschrieben, wie er im Verlauf von ungezählten Generationen sich Stufe für Stufe empor entwickelt, wie er immer vielgestaltiger wird, sich besser und besser organisiert, bis der Mensch des heutigen Tages erreicht ist. Jeder einzelne menschliche Körper entwickelt sich durch solch eine Reihe von Stufen, vom winzigen Keim aus gallertartiger Masse bis zum voll entwickelten Menschen. Wenn dies auf das Einzelwesen zutrifft, was niemand leugnet, warum nimmt man dann an, daß es unter der menschlichen Würde sei, eine ähnliche Entwicklung seiner Art zuzugestehen? Dies ist doch sehr verschieden von der Behauptung, daß der Mensch vom Affen abstamme. Der menschliche Embryo mag in einem gewissen Stadium einem Fisch mit Kiemen und Zensur ähnlich sehen und ist dennoch kein Fisch. Er ist ein menschlicher Embryo. So mag die menschliche Art¹ in den verschiedenen Stufen ihrer langen Entwicklung äußerlich dem Auge wie verschiedene Arten von niederem Getier erschienen sein, und doch war es immer die menschliche Art, im Besitz der geheimnisvoll verborgenen Kraft der Entwicklung zum Menschen, wie wir ihn heute sehen, mehr noch, der künftigen Entwicklung zu noch weit Höherem, wie wir fest vertrauen.

'Abdu'l-Bahá sagt (BF Kap.47 S.182f):

»Diese Erdkugel aber, das ist klar, hat ihre jetzige Gestalt nicht auf einmal angenommen, sondern dieses umfassende Dasein hat allmählich verschiedene Phasen durchwandert, bis es die heutige Vollendung erreicht hat ... Der Mensch zu Beginn seines Daseins und im Schoß der Erde - ähnlich dem Embryo im Mutterschoß - wuchs (allmählich) und entwickelte (sich), (schritt) von einer Form zur anderen, bis er in höchster Schönheit und Vollendung erschien. Es ist gewiß, daß er im Anfang nicht diese Anmut, Lieblichkeit und Feinheit hatte, sondern nur schrittweise diese Gestalt, diese Form, diese Schönheit und Anmut erlangte ... Ebenso währt das menschliche Dasein auf dieser Erde von Anbeginn, bis es die heutige Verfassung, Gestalt und Stufe erreicht, notwendigerweise eine lange Zeit und schreitet durch viele Seinsweisen, bis es diese Erscheinungsform erreicht. Aber von allem Anfang seines Daseins an ist der Mensch eine besondere Art ... Wenn wir auch zugeben, daß Spuren verschwundener Organe wirklich vorhanden sind, so ist dies noch kein Beweis gegen die Beständigkeit und Ursprünglichkeit der Arten. Es beweist höchstens, daß Form, Gestalt und Organe des Menschen Fortschritte gemacht haben. Der Mensch war immer eine besondere Art, kein Tier, sondern ein Mensch.«

Über die Geschichte von Adam und Eva sagt Er (BF Kap.30 S.124):

»Wenn wir diese Geschichte nach der äußeren Bedeutung ihrer Worte nehmen, wie es allgemein üblich ist, klingt sie höchst seltsam. Der Verstand kann sie nicht annehmen, bestätigen oder sich vorstellen; denn solche Geschehnisse, Einzelheiten, Gespräche und Vorwürfe stehen vernünftigen Menschen fern, um wieviel mehr Gott, der dieses unendliche Weltall in der vollkommensten Gestalt und seine unzähligen Bewohner mit unübertrefflicher Ordnung, Kraft und Vollendung eingerichtet hat ... Diese Geschichte von Adam und Eva, die vom Baum der Erkenntnis aßen, und von ihrer Vertreibung aus dem Paradies, muß deshalb einfach als Gleichnis verstanden werden. Sie enthält göttliche Geheimnisse und umfassende Bedeutungen und steht wunderbaren Erklärungen offen.«

¹ Das Wort »Art« (engl. species) soll hier den Unterschied zum Ausdruck bringen, der immer zwischen Mensch und Tier bestand, ungeachtet der äußeren Erscheinung. Es darf hier nicht in seiner gewöhnlichen Bedeutung als biologischer Fachausdruck aufgefaßt werden.