12.12 Das Zeitalter der Einheit


12.12 Das Zeitalter der Einheit

Alle Zeichen der Zeit zeigen uns, daß wir am Aufdämmern eines neuen Zeitalters in der Geschichte der Menschheit stehen. Bis heute klammerte sich der junge Adler der Menschheit an das alte Nest auf dem festen Felsen der Selbstsucht und des Materialismus. Seine Bemühungen, seine Flügel zu benützen, waren ängstlich und nur versuchsweise. Unablässig sehnte er sich nach noch Unerreichbarem. Mehr und mehr nahm er Anstoß an den Beschränkungen der alten Glaubenssätze und der alten Rechtgläubigkeit. Aber nun ist die Zeit der Beschränkung zu Ende, und er kann sich auf den Flügeln des Glaubens und der Vernunft zu den höheren Reichen geistiger Liebe und Wahrheit erheben. Er wird nicht länger erdgebunden sein, wie er es war, bevor ihm seine Schwingen wuchsen, sondern er wird sich nach seinem Willen emporschwingen zu den Regionen eines weiten Ausblicks und einer herrlichen Freiheit. Eines aber tut not, damit sein Flug sicher und gleichmäßig sei. Seine Schwingen müssen nicht nur stark sein, sondern sie müssen sich in vollkommener Harmonie und gegenseitigem Einordnen bewegen. 'Abdu'l-Bahá sagt hierzu (Paris S.113)

»Mit einem Flügel allein kann man unmöglich fliegen: Wenn jemand versuchen wollte, nur mit dem Flügel der Religion zu fliegen, so würde er rasch in den Sumpf des Aberglaubens stürzen, während er andererseits nur mit dem Flügel der Wissenschaft auch keinen Fortschritt machen, sondern in den hoffnungslosen Morast des Materialismus fallen würde.«

Vollkommener Einklang zwischen Wissenschaft und Religion ist die notwendige Voraussetzung für das höhere Leben der Menschheit. Wenn dieses Ziel erreicht ist und jedes Kind erzogen wird, nicht nur im Studium der Wissenschaften und Künste, sondern auch in der Liebe zur ganzen Menschheit und ebenso in der freudigen Ergebung in Gottes Willen, wie er sich offenbart im Fortschritt der Entwicklung und in den Lehren der Offenbarer, dann und nur dann wird das Reich Gottes kommen und sein Wille geschehen auf Erden wie im Himmel. Dann und nur dann wird der Größte Friede seine Segnungen über die Welt ergießen. 'Abdu'l-Bahá sagt (Paris S.116):

»Wenn die Religion, befreit von Aberglauben, Überlieferungen und unverständigen Dogmen, ihre Übereinstimmung mit der Wissenschaft dartut, so wird eine große einigende, reinigende Kraft in der Welt sein, die alle Kriege, Uneinigkeiten, Mißklänge und Streitigkeiten vor sich herkehrt, und dann wird die Menschheit in der Macht der Gottesliebe vereinigt werden.«