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Glaube
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zwei Bedeutungsebenen im Alltagsgebrauch
Glauben als >meinen<
Glaube beschreibt im Alltagssprachgebrauch die im Rahmen von Unsicherheit festgestellte Erwartung bezüglich irgendwelcher Tatsachen oder Zusammenhänge. Etwa: "Ich glaube, dass morgen die Sonne scheinen wird". "Ich glaube, es geht hier entlang und nicht dort."
In solchem Glauben drückt sich die Meinung aus: "Vielleicht ist es wahr bzw. wird es wahr, vielleicht auch nicht; niemand kann es genau wissen." Dann bedeutet glauben "meinen, vermuten".
Glauben als >vertrauen< und Definition dieses Begriffs
>Glauben< findet sich im alltäglichen Sprachgebrauch aber auch in einer ganz anderen Bedeutung als >meinen<, >vermuten<, beispielsweise in folgenden Sätzen: "Ich glaube dir." "Ich glaube an die Liebe zwischen uns." "Ich glaube an den Erfolg meines Engagements."
Ein solches Glauben ist nicht so sehr ein Vermuten über Sachverhalte, sondern primär eine personale Beziehung, in der sich eine Person vom Geglaubten her bestimmen lässt. Und dann bedeutet dieses Glauben "vertrauen".
»Glaube« in diesem rein menschlichen Sinn bezeichnet den Bewusstseins-Akt des Vertrauens (Vertrauensglaube) mit dem dazugehörenden vertrauenden Handlungs-Akt (Tatglaube), dass das Geglaubte eine Möglichkeit ist, die Realität werden kann, oder eine noch nicht erfahrbare Realität ist, so dass so gehandelt wird, dass das Geglaubte Realität werden kann oder als ob das Geglaubte schon erfahrbare Realität sei, denn andernfalls wäre der Glaube nur ein Pseudo-Glaube bzw. das Vertrauen nur ein Pseudo-Vertrauen.
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Drei Bedeutungen im christlich-religiösen Gebrauch
Religiös christlich unterscheidet man drei Qualitäten des Glaubens:
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(Credere deum:) Fürwahrhalten, dass Gott existiert
Dieses Glauben bedeutet die weltanschauliche Vermutung, dass es ein höheres Wesen gibt. Ein solches Vermuten ist fast so lebensirrelevant wie die physikalische Überzeugung, dass die letzten materiellen Elemente keine Atomkerne sind, sondern Quarks. Dieses Glaubens-Vermuten wirkt sich nicht auf das Handlungsbewusstseins des Glaubenden aus.
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(Credere deo:) Fürwahrhalten der christichen Glaubenslehren
Dieses Glauben bedeutet die sogenannte Sonntagsgläubigkeit, also bloße Lippenbekenntnisse über den christlichen Glauben, ein toter Glaube. Bei diesem Glauben ist nicht erfasst, dass es sich beim christlichen Glauben in erster Linie um ein neues Handlungsbewusstsein handelt, das sich in der Liebe zum Nächsten und zum Feind ausdrückt und ein bedingungsloses Verzeihen und eine grenzenlose Güte beinhaltet, die aus dem Verstehen und dem Sich-In-Gott-Geborgenwissen resultieren.
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(Credere in deum:) So vom Geborgensein in Gott her leben, dass Liebe sich ereignet
Dieses Glauben beinhaltet ein neues Selbstverständnis (Handlungsbewusstsein, neues Menschsein), bei dem der Mensch nicht mehr aus Angst um sich selbst handelt, weil er sich absolut in Gott geborgen weiß. Dieser Glaube ist ein von der Liebe durchformter Glaube, also ein Glauben, das sich im Handeln als Liebe ausdrückt, ein lebendiger Glaube.
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