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Fundamentalismus












Fundamentalismus
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Der Begriff Fundamentalismus bezeichnet eine religiöse oder weltanschauliche Strömung, deren Ziel eine Rückbesinnung auf die Wurzeln der Religion oder Ideologie ist.

Text und Bilder dieses Beitrages basieren auf dem Artikel Fundamentalismus aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Sprachgebrauch
In seiner ursprünglichen Bedeutung geht der Begriff Fundamentalismus auf die Protestbewegung gegen "modernistische" Tendenzen innerhalb des US-amerikanischen Protestantismus zurück und wurde in diesem Zusammenhang tatsächlich in der Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals verwandt. Christen (siehe Christlicher Fundamentalismus).

Der Begriff Fundamentalismus entstand durch die Schriftreihe "the Fundamentals of Truth", welche Anfang des 19. Jhd in den Vereingten Staaten erschien und sich gegen moderne Theologie richtete!

Im populären Sprachgebrauch werden unter dem Begriff Fundamentalismus zuweilen unterschiedslos konservative religiöse Gruppen, gewalttätige Mitglieder einiger Volksgruppen mit mehr oder weniger religiöser Motivation oder Terroristen zusammengefasst, was diesen Begriff heute problematisch macht.

Während es unbestreitbar unter diesen Gruppentypen Überschneidungen gibt, lassen sie sich nicht prinzipiell gleichsetzen. Fundamentalisten sind dadurch charakterisiert, dass sie kompromisslos auf den ursprünglichen Grundlagen (oder dem, was sie darunter verstehen) ihrer Religion oder Partei bestehen und darüber keine Diskussion zulassen.

Konservative oder orthodoxe Richtungen von Religionen oder Ideologien dagegen stehen gegenwärtigen Entwicklungen kritisch oder ablehnend gegenüber, nehmen dabei aber eine moderate oder differenzierte Haltung ein; ein wesentlicher Unterschied zum Fundamentalismus ist die Bereitschaft zu Dialog und Zusammenarbeit. Konservative und Orthodoxe wollen auch eher die real existierenden Traditionen ihrer unmittelbaren Vorfahren fortsetzen, während Fundamentalisten zu einem angenommenen "Urzustand" längst vergangener Zeiten zurückkehren wollen. Es wird insbesondere dem religiösen Fundamentalismus manchmal der Vorwurf gemacht, auf dem Boden einer rückwärts gewandten Weltsicht intolerante Missionierungsabsichten zu hegen.

Das wesentliche Charakteristikum totalitärer religiöser Gruppen ist eine vollständige Einbindung der Mitglieder bezüglich aller Lebensbereiche, die nicht einmal für kritische Gedanken Freiraum gibt - solche Gruppen können theologisch Fundamentalisten sein, aber sie kommen ebenso unter neuen religiösen Bewegungen vor. (siehe auch: Totalitarismus)

Terroristische Gruppen üben Gewalt undifferenziert gegen Unbeteiligte aus, um ihre, gewöhnlich politischen, Ziele zu erreichen. Die Motivation kann ganz oder teilweise aus einer religiösen oder ideologischen Überzeugung stammen; diese ist aber nicht notwendigerweise fundamentalistisch.
Allgemeines
Fundamentalismus, der als eine grundsätzliche Gegenbewegung gegen die Moderne gesehen werden kann, sieht die grundlegenden Prinzipien einer Religion durch Relativismus, sexuelle Freizügigkeit, Pluralismus, Historismus, Toleranz und das Fehlen von Autorität gefährdet. Er propagiert die Rückkehr zu traditionellen Werten, striktes Festhalten an religiösen Dogmen. Ein Mittel dazu sieht er in der Instrumentalisierung der Politik. Er geht so weit, dass er die in westlichen Ländern übliche Trennung von Kirche und Staat aufgibt, um seine Ziele auch mit politischen Mitteln durchsetzen zu können.

Eine einleitende Auflistung findet sich unter Liste fundamentalistischer Bewegungen Die fundamentalistische Weltanschauung ist in der Regel durch ein dualistisches Konzept des Niedergangs, nach dem die Anhänger des Wahren und Guten im Kampf gegen die Schlechten, das "Böse", anders Denkenden und anders Gläubigen begriffen sind, geprägt. Dem könne in der Konsequenz nur mit der Errichtung einer Theokratie entgegengewirkt werden. Fundamentalistische Bewegungen existieren in allen großen Weltreligionen, wenn auch die genaue Einordnung einer Bewegung als fundamentalistisch oft problematisch ist. Charakteristisch für den Fundamentalismus sind die unkritische Rezeption heiliger Texte und die Ablehnung kritischer, wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit religiösen Texten (siehe Verbalinspiration).

Religionssoziologisch bilden die Fundamentalisten eine kleinere Gruppe innerhalb einer großen Religion, die sich von der Mehrheit absetzt, weil diese die grundlegenden Prinzipien der Religion verraten habe. Versteht man Fundamentalismus als eine Bewegung zurück zu den Quellen der Religion, so waren die Reformatoren in vergröberter Sicht ebenfalls eine Art Fundamentalisten.

Religiöser Fundamentalismus ist ein historisches Phänomen, das durch ein besonderes Zusammenwirken von Politik und Religion charakterisiert ist. Er ist als Ideologie und somit als ein, auch in sich geschlossenes, System von Anschauungen und Verhaltensnormen zu verstehen, das ein allgemeines Interesse reklamiert, und so des weiteren attraktiv für Herrschaft sein kann. In Regionen und Staaten erfährt es vielseitige Erfahrungen.

Islamwissenschaftler wie zum Beispiel Oliver Roy unterschieden im Islamismus unter anderem einen militanten Islamismus (oder islamistischen Terrorismus) und einen Neofundamentalismus.
Christlicher Fundamentalismus
Der christliche Fundamentalismus versteht sich als das wirkliche Christentum in Abgrenzung zu allen übrigen Christen. Christliche Fundamentalisten sehen oft Christen, die ihre spezifische Richtung nicht teilen, als gefährlicheren Feind als den Säkularismus, von dem sie sich distanzieren.

Christlichen Fundamentalismus gibt es vor allem in protestantischer, katholischer und orthodoxer Ausprägung, daneben auch bei einigen weiteren Konfessionen, z.B. im Mormonismus. Diese unterscheiden sich durch ihre Entstehungsgeschichte und geographische Verteilung ebenso wie durch ihr Ideal vom Christentum und durch die Lehren, die sie als unverzichtbar ansehen. Mehr Informationen finden sich in einem eigenen Artikel Christlicher Fundamentalismus.

Der protestantische Fundamentalismus entstand in Amerika und bezieht sich auf eine zehnbändige Buchreihe mit dem Titel The Fundamentals. Sie wurde zwischen 1910 und 1915 privat von zwei Brüdern und Geschäftsleuten veröffentlicht, um heilige Texte zu sammeln, die um die Wende zum 20. Jahrhundert von konservativen evangelikalen Theologen herausgegeben wurden.

In der katholischen Kirche ist Fundamentalismus auch ein Kampfbegriff der liberalen und modernistischen Kräfte gegen konservative und integralistische Gruppierungen geworden. Ursache ist die sog. Verketzerung, die die jeweilige Gesinnung, ob zu Recht oder zu Unrecht als die "reine Lehre" erscheinen läßt. Dabei ist zu beachten, dass Fundamentalismus im Gegensatz zum sog. Modernismus, in päpstlichen Verlautbarungen nie als Irrlehre bezeichnet wurde.
Islamischer Fundamentalismus
Der islamische Fundamentalismus, oft auch als Islamismus bezeichnet, versteht sich als ein kritisches Moment am vermeintlichen Niedergang des Islam in der islamischen Welt und der Diaspora.

Sowohl im Glaubenssystem wie auch in den Handlungsanweisungen stellt er Abweichung von den wörtlich verstandenen Texten aus Koran und Hadith fest, und macht als ideen- und sozialkritische Bewegung für Unmoral, Korruption und andere politische Übel der islamischen Länder ihre "Verwestlichung" verantwortlich. Sayed Qutb (1906 - 1966), Mitglied und Vordenker der Muslimbruderschaft, später von den Gedanken der Muslimbruderschaft abgewichen, propagierte einen islamischen Staat als Garant sozialer Gerechtigkeit. Hierbei unterscheiden sich Fundamentalisten von "Konservativen" in der Verwerfung der historischen, bis an die Gegenwart gewachsenen islamischen Traditionen als "degeneriert".

Der islamische Fundamentalismus ist eine Reaktion auf den Identitätsverlust, den viele arabische Länder durch die Kolonisierung erlebten, und auf eine durch den Westen dominierte Globalisierung, die westliche Werte wie Individualismus oder Säkularismus absolut setze und traditionelle orientalische Werte, wie Gemeinschaftssinn und Familie, verdrängen wolle.

Im Islam bildeten sich fundamentalistische Bewegungen im engeren Sinne in den 1930er Jahren, gleichwohl hatte es in der Geschichte des Islam immer wieder radikale religiöse Bewegungen gegeben, so beispielsweise die Wahhabiten im 18. Jahrhundert, die später den heutigen Staat Saudi-Arabien prägten. Ein wichtiger "geistiger Ahne" ist der Damaszener Rechtsgelehrte Ibn Taimiya (1263-1328). Bis heute maßgeblich ist zum einen die 1928 vom Lehrer Hasan al-Banna (1906-1949) in Ägypten gegründete Muslimbruderschaft (Al-Ikhwan al-muslimun). Der zweite wichtige Vordenker ist der in Indien und (ab 1947) in Pakistan wirkende Sayyid Abu l-A'la Maududi (1903-1979) mit seiner 1941 gegründeten Kaderpartei Jama'at-e islami. In Iran entstand eine von der schiitischen Imamatslehre geprägte Sonderform des islamischen Fundamentalismus. Unter der Führung des Ayatollah Ruhollah Musawi Khomeini (1906-1989) errang sie in der islamischen Revolution 1979 nach dem Sturz des Schahs die Macht.

Die islamischen Fundamentalisten opponieren dem säkularen Staatsmodell und fordern die Einführung des islamischen Rechts, da in ihrem Verständnis die Einheit von Religion, Gesellschaft, Familie, und Staat integral zum Islam gehört. Die Parallelen ihres Staatsmodells zu totalitären Systemen säkularer Prägung sind offensichtlich. Verschwörungstheorien sind ein zentrales Element der islamisch-fundamentalistischen Ideologie.

Besonderen Zustrom findet der islamische Fundamentalismus durch die soziale Situation: wegen der Landflucht gibt es in den Slums der Riesenstädte von Kairo und Ghaza-Stadt, Jakarta und Islamabad entwurzelte Massen, die beim Islamismus nicht nur einen geistigen Halt sondern auch soziale Hilfe finden. Islamistische Organisationen predigen nicht nur in den Moscheen, sie führen auch Spitäler und Schulen, die den Ärmsten offen stehen - ein wichtiger Faktor in Ländern mit hoher Analphabetenrate. Die Stärke des islamischen Fundamentalismus in Saudi-Arabien und den wohlhabenden Golfstaaten zeigt jedoch, dass die Entstehung des islamischen Fundamentalismus nicht einseitig durch sozio-ökonomische Faktoren erklärt werden kann.

Fundamentalistische Gruppen des Islams werden nicht durch eine hierarchische Organisation zusammengehalten, sondern sie treten quer durch die islamische Welt in einzelnen, hierarchisch strukturierten Gruppen auf. Viele davon erhalten finanzielle Unterstützung vom Staat Saudi-Arabien beziehungsweise Iran.
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