Foren-Übersicht
Login | Registrieren | Forum | Suche | Impressum

Fundamentalismus












In Deutschland wird im aktuellen Verfassungsschutzbericht berichtet, dass es derzeit 24 aktive islamistische Organisationen im Bundesgebiet gibt. Sie hatten im Jahr 2003 nach Schätzungen der Behörden insgesamt 30 950 Mitglieder. Davon sind 27 300 türkischer und 3300 arabischer Herkunft. Insgesamt entspricht dies nur einem Prozent der über drei Millionen hier lebenden Muslime. Deutschland gilt vor allem als "Ruheraum" für potenzielle islamische Terroristen.

Die wichtigsten islamistischen Gruppierungen in Deutschland im Überblick:

Die türkische "Islamische Gemeinschaft Milli Görüs e.V." (IGMG) ist mit rund 26 500 Mitgliedern die größte islamistische Organisation in Deutschland. Der 1985 in Köln gegründete Verein steht islamistischen Parteien in der Türkei nahe, z.B. der "Partei der Glückseligkeit" (SP). Bundesweit unterhält die Vereinigung mehr als 300 Einrichtungen. Sie fördert laut Verfassungsschutz "die Entstehung und Ausbreitung islamistischer Milieus in Deutschland".
Extrem gewaltbereit sind die 200 Mitglieder der Islamisten-Partei "Hisb el Tahrir el Islami" (Partei der islamischen Befreiung). Die straff organisierte Gruppe strebt eine Vereinigung aller Moslems in einem Gottesstaat an. Hauptfeind ist Israel. 2003 wurde die Organisation in Deutschland verboten.
Die 800 Mitglieder starke libanesische "Hisbollah" und die 300 Anhänger der palästinensischen "Islamische Widerstandsbewegung" (Hamas) sind gewaltbereit und unterstützen von Deutschland aus den Terror im Libanon und in Palästina.
Die rund 800 Anhänger des Ende 2001 verbotenen "Kalifatstaats" von Metin Kaplan bekämpfen die freiheitlich demokratische Grundordnung und streben die weltweite Herrschaft des Islam an.
Jüdischer Fundamentalismus
Auch im Judentum ist zwischen liberalen, konservativen, orthodoxen und fundamentalistischen Richtungen zu unterscheiden (letztere werden oft auch als ultra-orthodox bezeichnet), die das gesamte Spektrum von engerer oder weiterer Auslegung des Religionsgesetzes, des so genannten "Zauns um die Tora" abdecken.

In der Beziehung zum Staat Israel gibt es unter den ultra-orthodoxen Juden zwei diametral Media:entgegengesetzte Sichtweisen:

Gewisse chassidische Strömungen lehnen den Zionismus als Ketzerei ab und nehmen eine militant feindselige Haltung zum Staat Israel und zu allen sich mit Israel identifizierenden Juden ein, da die Existenz Israels die Ankunft des Messias verhindere. Auch die Neuhebräische Sprache lehnen sie strikt ab und sprechen stattdessen weiter Jiddisch.
Der religiöse Zionismus hingegen, mit dem geistigen Vater Abraham Isaak Kook (1865-1935), sieht im Staat Israel den Anbruch der messianischen Zeit und interpretiert Ereignisse wie den Sechs-Tage-Krieg als Zeichen der Bestätigung. Politisch bedeutsam ist der von jüdischen Fundamentalisten, beispielsweise der Bewegung Gush Emunim (Block der Gläubigen), vertretene göttliche Anspruch der Juden auf Eretz Israel, das heilige Land. Territoriale Zugeständnisse werten sie als Sakrileg, was 1995 zur Ermordung Jitzhak Rabins führte.
Hinduistischer Fundamentalismus
Grundlegendste gemeinschaftsbildende Element des hinduistischer Fundamentalismus ist der Glaube an die Einzigartigkeit die indischen Erde.

Indien, dazu zählen die heutigen Staaten Indien, Pakistan, Bangladesh, Nepal, Sri Lanka, Bhutan und große Teile Burmas, wird als "heiliges Land" mit hervorgehobener Bedeutung für die Weltgeschichte betrachtet. Dieser geographische Raum ist im eigentlichen als Beginn der menschlichen Schöpfung anzusehen. Die Götterwelt hat daher in Indien ihr zu Hause.

Hinduistischer Fundamentalismus sieht das Leben „als integriertes Ganzes”. Indien und die Welt befänden sich im Zuge der Moderne in einem Zustand des Chaos und der Richtungslosigkeit. Dies mache die Rückbesinnung auf die eigene Kultur notwendig, die durch das religiöse Konzept des ‚Dharma‘ gestützt würde. Dieses Dharma war als außerweltliche, auch göttliche Ordnung, die der einzelne Mensch nicht beeinflussen könne und das Handeln des Menschen von ihr abhängig machte, zu verstehen. Der Hinduismus hat durch dieses ordnende Prinzip des Dharmas auch eine für die gesamte Erde zukunftsweisende Bedeutung. Ein Hindu ist ein ein 'vertrauensvoller, den Traditionen verpflichteter, recht handelnder Mensch’.

Zu den Verhaltensregeln eines Hindus zählen die vom Vishwa Hindu Parishad vorgeschriebene und sanktionierte Teilnahme an gewissen Feiern und Zeremonien usw. Unabdingbar ist das Engagement, für den Bau eines Tempels an der angeblichen Geburtsstätte von Gott Rama in Ayodhya am Ort der am 6. Dezember 1992 von Freiwilligen des VHP zerstörten Babri-Moschee zu wirken.

Der Hinduistische Fundamentalismus wirkt organisatorisch mit der politischen Partei Bharatiya Janata Party (BJP) und der ideologischen Kader- und Freiwilligenorganisation Rastriya Svayamsevak Sangh(RSS) zusammen. Die nationalistische Bharatiya-Janata-Partei oder die militante Vishwa Hindu Parishad sind Beispiele für Fundamentalismus im Hinduismus. Der Hindu-Fundamentalismus versucht vor allem alle vermeintlichen ehemaligen hinduistischen Inder (Muslime, Christen, Sikhs) wieder zum Hinduismus "zurückzubekehren", Hindi zur alleinigen Sprache all jener Hindus zu machen, die eine dem Hindi verwandte Sprache sprechen (beispielsweise Nepali, Pandschabi) und ein Groß-Indien, vor allem unter Einschluss ganz Kaschmirs aber auch Teilen anderer angrenzender Länder, zu schaffen. Außerdem tritt der Hindu-Fundamentalismus dafür ein, die Republik Indien von einem laizistischen Staat zu einem Staat mit hinduistischer Staatsreligion zu machen.
Buddhistischer Fundamentalismus
Das geistige Klima des Buddhismus neigt gewöhnlich nicht zu Fundamentalismen: auch wenn es eine starke Tendenz zur Zersplitterung gibt, bleibt man gegenseitig gewöhnlich versöhnlich eingestellt. Auch hier sind Fundamentalisten unter westlichen Konvertiten zu finden. Am ehesten als einheimische Fundamentalisten bezeichnen kann man gewisse Teile der japanischen Nichiren-Schule, beispielsweise die Nichiren Shoshu und die Soka Gakkai-Bewegung. Auch der mittelalterliche Schulgründer Nichiren selbst kann mit gewisser Berechtigung als Fundamentalist bezeichnet werden. Eine gewaltbereite Variante des buddhistischen Fundamentalismus ist die japanische Aum-Sekte.
Politischer Fundamentalismus
Im späten 20. Jahrhundert erlangten einige fundamentalistische Bewegungen -- teilweise radikale Marxisten verschiedener Couleur, teilweise mit (oft nur nominell) religiösen Motiven -- vor allem wegen ihrer Verbindung mit Gewalt und Terrorismus weltweite Aufmerksamkeit. Der sich gewaltsam äußernde Fundamentalismus wird deshalb von einigen als eines der größten weltpolitischen Probleme des 21. Jahrhunderts gesehen (siehe auch Huntingtons Theorie vom Kampf der Kulturen). Gewalttätige politische fundamentalistische Gruppen sind beispielsweise die deutsche RAF, der griechische 17. November, Al-Qaida, die libanesische Hisbollah (Hizb Allah "Partei Allahs"), der peruanische Sendero Luminoso ("Leuchtender Pfad") und die amerikanischen Ku Klux Klan und Jewish Defense League.
Forum -> Forums-Lexikon

Zurück  
1, 2, 3  Weiter
Ähnliche Themen
Islamismus/ islamischer Fundamentalismus
Der tiefe Graben - Fundamentalismus
Mit Gott gegen alle - Fundamentalismus in den Religionen
Islamischer Fundamentalismus und Jihadismus
Fundamentalismus und Aufklärung in der Anthroposophie
Der Fundamentalismus in den Religionen
Fundamentalismus
Wahrheit, Freiheit und Fundamentalismus
Fundamentalismus und Fundamentalist
Fundamentalismus ist mir ein Greuel, egal welche Religion