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Freier Wille












Konsequenzen der Willensfreiheit

Moralische Verantwortlichkeit

Da der freie Wille, und damit auch jede frei gewollte Handlung, auf das Subjekt selbst zurückgeht, wird das Konzept des freien Willens häufig mit dem Konzept der moralischen Verantwortlichkeit verknüpft. Daher sei ein Mensch für jede seiner "freien Handlung" zur Rechenschaft ziehbar, bzw. zu ziehen und entsprechend mit positiven oder negativen Reaktionen zu konfrontieren. Entsprechend gehen mit Kontroversen über die Willensfreiheit auch Kontroversen über die Frage einher, ob, bzw. in welchem Sinne man für die eigenen Handlungen moralisch verantwortlich sei. Inwiefern aus derartigen Diskussionen tatsächliche Konsequenzen - z.B. im Strafrecht - zu ziehen sind, ist jedoch eine andere Debatte.

Inkompatibilisten tendieren dazu, Determinismus und moralische Verantwortlichkeit für unverträglich zu halten. Wie kann man jemanden verantwortlich machen für eine Tat, die vom Beginn aller Zeiten an vorbestimmt war?

Harte Deterministen verwerfen daher das Konzept der moralischen Verantwortlichkeit – Clarence Darrow gebrauchte dieses Argument in seiner berühmten Verteidigung der Mörder Leopold und Loeb – während Libertarianer den Determinismus verwerfen. Diese Thematik scheint der Kern der Auseinandersetzung zwischen harten Deterministen und Kompatibilisten zu sein.

Harte Determinsten müssen zugeben, dass wir oft im kompatibilistischen Sinn "freien Willen" haben, leugnen aber, dass dies die Bedeutung von freiem Willen ist, die wirklich zählt in dem Sinn, dass sie als Begründung moralischer Verantwortlichkeit dienen kann: Die Tatsache, dass die Entscheidungen eines Handelnden nicht unter Zwang entstehen, ändert nichts an der Tatsache, dass der Determinismus den Handelnden von der Verantwortlichkeit entbindet.

Kompatibilisten argumentieren dagegen oft so, dass der Determinismus gerade eine Vorbedingung für moralische Verantwortlichkeit ist: man kann niemanden für etwas verantwortlich machen, es sei denn, seine Handlungen wurden durch irgendetwas bestimmt (dieses Argument geht auf David Hume zurück).

Schließlich gilt, dass im Falle des Indeterminismus diejenigen Ereignisse, die nicht determiniert sind, rein zufällig sind. Wie kann man jemanden loben oder tadeln für etwas, das rein zufällig seinen nervösen Erregungen entsprang? Stattdessen wird argumentiert, dass man, um eine Person für etwas verantwortlich zu machen, zeigen müsse, wie die Handlung durch die Wünsche und Präferenzen der Person begründet wurden – durch den Charakter der Person.

Libertarianer entgegnen darauf, dass undeterminierte Handlungen nicht ganz zufällig sind, sondern aus einem substantiellen Willen entspringen, dessen Entscheidungen undeterminiert sind. Dieser Ansatz wird weithin als nicht zufriedenstellend angesehen, da er das Problem nur einen Schritt weiter zurück verlagert und außerdem eine sehr mysteriöse Metaphysik benötigt.
Willensfreiheit und Theologie
Die theologische Lehre von der göttlichen Vorherbestimmung wird oft in Widerspruch zur menschlichen Freiheit gesehen. Denn wie kann meine Wahl frei sein, wenn sie durch Gott vorbestimmt ist? Gottes schon-wahres oder zeitlos-wahres Wissen über unsere Entscheidungen scheint unsere Freiheit einzuschränken. Dieses Problem hängt mit dem aristotelischen Problem der Seeschlacht zusammen: Morgen wird eine Seeschlacht sein oder sie wird nicht sein. Wenn morgen eine gewesen sein wird, dann war es in der Vergangenheit wahr, dass eine sein wird. Wenn morgen keine gewesen sein wird, dann war es nach ähnlicher Schlussfolgerung notwendig, dass keine sein wird. Das heißt, dass die Zukunft vollständig bestimmt ist durch vergangene Wahrheiten – wahre Aussagen über die Zukunft.

In der christlichen Theologie wird Gott nicht nur als allwissend, sondern auch als allmächtig beschrieben. Dies könnte implizieren, dass Gott nicht nur stets weiß, welche Entscheidungen man morgen treffen wird, sondern auch, dass er auswählte, was man wählen wird. Das heißt, auf Grund seines Vorherwissens weiß er, welche Faktoren meine Entscheidungen beeinflussen werden, und auf Grund seiner Allmacht könnte er diese Faktoren steuern. Dies ist insbesondere wichtig für die Lehre von der Erlösung. Die meisten Christen vermeiden den Schluss, dass Gott vorherbestimmt, wer erlöst und wer verdammt wird, die Calvinisten jedoch sehen es genau so.

Eine echte Lösung des Problems ist jedoch nur möglich, wenn zwischen Vorherwissen und Vorherbestimmen unterschieden wird. Unter anderem weil Gott über der Zeit steht, ist er allwissend. Trotz seiner Allmacht bestimmt er jedoch nicht alles, insbesondere zwingt er niemanden zum Bösen, was seinem Wesen widersprechen würde. Die freie Entscheidung und das Vorherwissen Gottes sind also zugleich möglich.

Manche Philosophen sind der Meinung, dass der freie Wille mit der Seele zusammenfällt, genau genommen geht er jedoch auf den Geist zurück. Aus diesem Grund wird den Tieren (da nur mit Seele und nicht mit Geist ausgestattet) von christlichen Philosophen ein freier Wille im engen Sinne abgesprochen.
Zitate
Das Verlangen nach “Freiheit des Willens,” in jenem metaphysischen Superlativ-Verstande, wie er leider noch immer in den Köpfen der Halb-Unterrichteten herrscht, das Verlangen, die ganze und letzte Verantwortlichkeit für seine Handlungen selbst zu tragen und Gott, Welt, Vorfahren, Zufall, Gesellschaft davon zu entlasten, ist nämlich nichts Geringeres, als eben jene causa sui zu sein und, mit einer mehr als Münchhausen’schen Verwegenheit, sich selbst aus dem Sumpf des Nichts an den Haaren in’s Dasein zu ziehn. (Friedrich Nietzsche)

Ich lache eures freien Willens und auch eures unfreien: Wahn ist mir das, was ihr Willen heißt, es giebt keinen Willen. (Friedrich Nietzsche: Nachlass, Sommer 1883, 13 [1-36], Zarathustras heilige Gelächter)

Die Daumenschraube eines jeden finden: Dies ist die Kunst, den Willen Anderer in Bewegung zu setzen. Es gehört mehr Geschick als Festigkeit dazu. Man muss wissen, wo einem Jeden beizukommen sei. Es gibt keinen Willen, der nicht einen eigentümlichen Hang hätte, welcher, nach der Mannigfaltigkeit des Geschmacks, verschieden ist. Alle sind Götzendiener, Einige der Ehre, Andere des Interesses, die meisten des Vergnügens. Der Kunstgriff besteht darin, dass man diesen Götzen eines Jeden kenne, um mittels desselben ihn zu bestimmen. Weiß man, welches für jeden der wirksame Anstoß sei, so ist es, als hätte man den Schlüssel zu seinem Willen. Man muß nun auf die allererste Springfeder oder das primum mobile in ihm zurückgehen, welches aber nicht etwa das Höchste seiner Natur, sondern meistens das Niedrigste ist: denn es gibt mehr schlecht- als wohlgeordnete Gemüter in dieser Welt. Jetzt muss man zuvörderst sein Gemüt bearbeiten, denn ihm durch ein Wort den Anstoß geben, endlich mit seiner Lieblingsneigung den Hauptangriff machen; so wird unfehlbar sein freier Wille schachmatt. (Baltasar Gracián: Handorakel und Kunst der Weltklugheit, 1647, Übersetzung: Arthur Schopenhauer)

Ich weiß ehrlich nicht, was die Leute meinen, wenn sie von der Freiheit des menschlichen Willens sprechen. Ich habe zum Beispiel das Gefühl, dass ich irgend etwas will; aber was das mit Freiheit zu tun hat, kann ich überhaupt nicht verstehen. Ich spüre, dass ich meine Pfeife anzünden will und tue das auch; aber wie kann ich das mit der Idee der Freiheit verbinden? Was liegt hinter dem Willensakt, dass ich meine Pfeife anzünden will? Ein anderer Willensakt? Schopenhauer hat einmal gesagt: "Der Mensch kann tun was er will; er kann aber nicht wollen was er will." (Albert Einstein)
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