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Schöpfung












Sophia
Wenig beachtet findet sich in der hebräischen Bibel (AT, Tenach) eine weitere Darstellung von Schöpfung. Die Weisheit (Sophia) berichtet dort:

Sprüche 8,22-31 Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war. Als die Meere noch nicht waren, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen. Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren, als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens. Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über den Fluten der Tiefe, als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe, als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte, da war ich als sein Liebling bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.
Der christliche Gott als Schöpfer
Die griechische Bibel (NT) nennt Jesus Christus den Sohn Gottes, der seinen Schöpfer als denjenigen würdigte, der die Menschen erschuf und sie männlich und weiblich machte. Der Apostel Paulus schreibt über Jesus, den Mitschöpfer, im Kolosserbrief (1,15-18) folgende Worte: »Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der erstgeborene Sohn des Vaters; er ist der Anfang der Schöpfung. Durch ihn ist alles geschaffen worden, was im Himmel und auf der Erde lebt, alles, was man sehen kann, und auch die unsichtbaren Mächte und Gewalten. Alles hat Gott durch ihn geschaffen, und in ihm findet alles sein letztes Ziel. Er war vor allem anderen da, und alle Dinge bestehen durch ihn. Er ist auch das Haupt des Leibes, und dieser Leib ist die Gemeinde. Er ist der Anfang der neuen Schöpfung, denn er ist der erste von allen Toten, der zu neuem Leben geboren wurde; in allem muß er der Erste sein.«
Philosophie
Die Frage der Schöpfung stellt aber auch ein philosophisches Grundproblem dar.

Wurde die Welt erschaffen, oder war sie schon immer da?
Ist der Schöpfer nur Ursprung (Deismus), oder begleitet er die Welt handelnd weiter (Theismus)?
Existierte vor der Schöpfung bereits so etwas wie Materie, die durch den Schöpfer geformt wurde, oder hat der Schöpfer alles (Materie, Form und Raum) erschaffen?
Ist die Schöpfung mit dem Schöpfer identisch (Pantheismus, Panentheismus)?
Wenn es eine Schöpfung gibt – was ist ihr Ziel?
Hier zeigt sich die enge Wechselwirkung zwischen philosophischen und theologischen Problemen.

Platon sieht in seiner Ideenlehre die Welt und ihre Bestandteile als Abbild göttlicher Ideen an. Aristoteles sieht den unbewegten Beweger als Anfangspunkt jeder Bewegung an.

Diese Gedanken finden sich auch in den sogenannten Gottesbeweisen der Antike und des frühen Mittelalters wieder.

Die traditionelle Rede vom "Geschaffensein der Welt aus dem Nichts" bedeutet, dass die Welt und alles in ihr ohne Gott nicht sein kann. Man begreift von Gott immer nur das von ihm Verschiedene, das auf ihn verweist, also die Welt in ihrer Geschöpflichkeit. Geschöpflichkeit ist "restloses Bezogensein auf... / in restloser Verschiedenheit von...". Der nicht unter Begriffe fallende Terminus dieser einzigartigen und die Welt als solche konstitierenden Beziehung nennen wir "Gott". Gott ist der "ohne den nichts ist" und daher in einem aktuellen Sinn allmächtig. Der Geschöpflichkeitsbegriff antwortet auf die Erklärungsbedürftigkeit der Welt: Die Welt und alles in ihr stellt einen Einheit von Gegensätzen dar (Sein und Nichtsein, Identität und Differenz, Notwendigkeit und Nichtnotwendigkeit). Will man dies anders als logisch widersprüchlich und damit falsch beschreiben, muss man nach zwei Hinsichten suchen, die das Ganze umfassen und sich dennoch nicht wieder ausschließen. Diese Hinsichten findet man nur im Geschöpflichkeitsbegriff: Sein als restloses Bezogensein auf... / Nichtsein als restloses Verschiedensein von... und umgekehrt. Auf Grund der Einseitigkeit der Geschöpflichkeitsrelation entsteht das Problem, wie dann überhaupt noch von "Offenbarung" oder "Gemeinschaft mit Gott" die Rede sein kann. Die christliche Botschaft antwortet auf dieses Problem, und erst hier beginnt der Glaube, mit ihrem trinitarisch-inkarnatorisch-pneumatologischem Gottesverständnis: Die Welt ist in die ungeschaffene und ewige Liebe Gottes zu Gott, des Vaters zum Sohn, die der Heilige Geist ist, von Anfang an hineingeschaffen. Weil die Liebe Gottes nicht an der Welt ihr Maß oder ihre Grenze findet, muss sie der Welt im "Wort Gottes" dazugesagt werden. Man kann dem "Wort Gottes" nur im Glauben gerecht werden, nämlich indem man es sich gesagt sein lässt. Ursprung dieses Wortes ist Jesus von Nazareth. An ihn als den Sohn Gottes glauben bedeutet, auf sein Wort hin sich und die ganze Welt von Gott nach seinem Maß und um seinetwillen geliebt zu wissen. Dieser Glaube befreit den Menschen von der in seiner Verwundbarkeit und Todesverfallenheit wurzelnden Angst um sich selbst, die sonst immer wieder der letzte Grund für alle Unmenschlichkeit ist. Darin, in dieser unverbrüchlichen Gemeinschaft mit Gott als dem in allem Mächtigen, besteht unsere Erlösung.
Buddhismus
Buddha verneinte die Schöpfung von Welt und auch die Schöpfung einer Seele, durch eine äußere Wesenheit oder ein göttliches Prinzip. Er sprach in Abgrenzung zu hinduistisch-theistischen Vorstellungen ausdrücklich von, wörtlich übersetzt, Nicht-Seele, sanskrit: Anatman. Nach buddhistischer Auffassung entsteht die Welt aus einer fehlgeleiteten Wahrnehmung der fühlenden Wesen. Letztlich sind alle Phänomene, Welt und auch der eigene Körper, leer von einem ihnen innewohnenden Sein (Shunyata). Der buddhistische Gelehrte Longchenpa (1308-63) drückt das Aufkommen der Phänomene wie folgt aus: Die Welt und alle Dinge, sind bloße Erscheinungen im grundlegenden Raum der Phänomene. Sie entstehen als energetisches Spiel im Kontinuum des Geistes, sind aber weder Geist selbst noch von wahrer Existenz. Daher wird die Wahrnehmung von Welt und Phänomenen als relative Wirklichkeit, oder anders ausgedrückt Wirklichkeit in der Wahrnehmung fühlender Wesen bezeichnet, im Gegensatz zur Wahrnehmung eines erleuchteten Wesen, das alle Phänomene rein, unverschleiert ohne Aufspaltung in Subjekt und Objekt als Ausdruck des energetischen Spiels im grundlegenden Raum erkennt. Diese erleuchtete Wahrnehmung wird auch als Erfahrung absoluter Wirklichkeit bezeichnet. Die Vorstellung einer wie auch immer gearteten Schöpfung und die eines Schöpfers, sei es nun eine göttliche Wesenheit oder ein abstraktes Prinzip, wird im Buddhismus letztlich überwunden.
Physik
Zwar kann man mit Methoden der Naturwissenschaft nicht in die »Zeit vor aller Zeit« vordringen, doch geben einige Ergebnisse der Astronomie interessante Hinweise.

Schon Johannes Kepler dachte über die Frage nach, ob das Universum unendlich sei, und zu Ende des 18. Jahrhunderts konnte Wilhelm Olbers (Entdecker des 2. und 4. Asteroiden) diese Frage durch sein berühmtes Paradoxon verneinen. Sein Argument ist allerdings wegen der allgemeinen Relativitätstheorie nicht mehr stichhaltig.

Die Entdeckung der kosmischen Hintergrundstrahlung gab um 1970 den Anstoß zur Entwicklung der Urknall-Theorie. Für die Forscher hat es etwas Faszinierendes und gleichzeitig Seltsames, an diese absolute Grenze der Wissenschaft zu stoßen, und viele sehen sie als Moment der Schöpfung. Die seither entwickelten Verfeinerungen des Urknall-Modells zeigen jedenfalls keine Widersprüche – im Gegensatz zur Steady-State-Theorie, nach der das Weltall im Wesentlichen immer dieselbe Struktur hätte.
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