Teufel


Teufel
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Der Teufel (v. griech.: Diàbolos Διαβολος = Verleumder, Durcheinanderwerfer, Verwirrer, latein: Diábolus) oder Satan (v. hebr.: Satan שטן = Widersacher, oder genauer Ankläger ( im Sinne von Ankläger des Christentums ) latein: Sátanas) wird in verschiedenen Religionen als eigenständiges Geistwesen angesehen.

Der außerdem auch oft verwendete Begriff Luzifer ist nichtchristlichen Ursprungs: In der Antike war Luzifer der Name für den Planeten Venus; im antiken Babylon wurde die Venus als „Tagesstern, Sohn der Morgendämmerung” oder auch "Morgenstern" bezeichnet. Die römische Mythologie kennt Luzifer als Sohn der Aurora, der Göttin der Morgenröte, in der griechischen Mythologie Eosphorus. Da in Jesaja 14:12 ein aus den Himmeln hinabstürzender „Engel (eigentlich Cherubim, s.u.) der Morgenröte” Erwähnung findet, konstruierten die Kirchenväter eine Parallele und gaben diesem ebenfalls den Namen Luzifer. Im 14. Jahrhundert gab es gnostische Gruppen, die sich Luziferianer nannten. Diese Gruppen verehrten Luzifer und meinten, dass er der Bruder Gottes sei, der fälschlicherweise aus dem Himmel verstoßen wurde. Die ersten Luziferianer gab es in Österreich. Ihr Kult verbreitete sich rasch in Brandenburg, Böhmen, der Schweiz und Savoyen.
Der Teufel in verschiedenen Religionen

Judentum/Christentum: Altes Testament

Der Teufel ist in der hebräischen Bibel der von Gott beauftragte, kontrollierte Versucher der Menschen. Die hebräische Bezeichnung (satan: שטן, Schin-Teth-Nun, soviel wie »Widerstandleistender« oder "der Ankläger") wird sowohl auf verschiedene Menschen als auch auf einen Engel angewendet.

Im Judentum erscheint Satan als Engel, der von Gott beauftragt ist, die Verfehlungen der Menschen zu beobachten und vor Gott anzuklagen. Er gilt nicht als Prinzip des Bösen an sich, sondern prüft die Menschen. Da er in seinen Anklagen aber oft keine Gerechtigkeit walten läßt und unverhältnismäßig ist, wird er gefürchtet und als böse betrachtet.

Die ausführlichste Darstellung des Satan findet sich im Buch Ijob (Hiob) der hebräischen Bibel, wo Gott aufgrund dessen Einwandes, es sei kein Wunder, dass der fromme Ijob Gott die Treue halte, weil Gott um ihn herum kein Unglück zulasse, Gott gestattet, Ijobs Glauben auf die Probe zu stellen. Diese Gelegenheit lässt sich der Satan nicht entgehen, aber seine Rechnung geht nicht auf. Trotz der Unglücke, die den nichtsahnenden Ijob in Form der sprichwörtlich gewordenen Hiobsbotschaften ereilen und der bösartigen Krankheit, mit der Satan ihn peinigt, akzeptiert Ijob sein trauriges Los und flucht seinem Gott nicht, was eine Niederlage für den Satan bedeutet, der anzweifelte, dass es Menschen gäbe, die Gott in jeder Situation treu bleiben würden.

In zwei weiteren Fällen tritt der Satan auf, als Versucher (1. Buch der Chronik 21,1) oder Ankläger (Sacharja 3,1) des sündigen Menschen im Gegensatz zur späteren Deutung als Widersacher des Menschen.

Teilweise werden aber auch Menschen in der hebräischen Bibel allgemein als Widersacher bezeichnet. Das hebräische Wort wird dann im Allgemeinen ohne den bestimmten Artikel benutzt.

Bei Jesaja 14 findet sich ein Spottlied auf den König von Babel, von dem eine Stelle später auf den Satan bezogen wurde, ursprünglich aber eine Anspielung auf die Gestalt Helel des babylonischen Mythos ist, das Gegenstück zum griechischen Helios.

Der Bezug auf den König wird schon anfänglich klargemacht:

(4) da wirst du dieses Spottlied anstimmen über den König von Babel und sagen: Wie hat aufgehört der Unterdrücker, aufgehört das Anstürmen!
Die Stelle selbst lautet:

(12) Wie bist du vom Himmel gefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte! Wie bist du zu Boden geschmettert, Überwältiger der Nationen!
(13) Und du, du sagtest in deinem Herzen: »Zum Himmel will ich hinaufsteigen, hoch über den Sternen Gottes meinen Thron aufrichten und mich niedersetzen auf den Versammlungsberg im äußersten Norden.
(14) Ich will hinaufsteigen auf Wolkenhöhen, dem Höchsten mich gleichmachen.« -
(15) Doch in den Scheol wirst du hinabgestürzt, in die tiefste Grube.
(Zitiert nach revidierter Elberfelder Übersetzung)

Die christlichen Kirchenväter sahen in dem zuletzt zititerten Text eine Parallele auf den in Lukas 10, 18 (»Ich sah Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz«) beschriebenen Ortswechsel Satans. Eine theologische Begründung lautet, dass die Stadt Babylon in der Offenbarung mit dem Teufel am jüngsten Tag gemeinsam von Gott vernichtet werde, weswegen einige von einer Gleichsetzung ausgehen. Andere wenden dagegen ein, dass eine gleichzeitige Vernichtung keine Gleichsetzung sei.

Auf ähnliche Weise wurden auch Teile von Ezechiel 28 auf den Fall des Satans bezogen. Dort spricht der Prophet vom Ende des Königs von Tyrus, der wegen seines Hochmuts, in dem er sich für einen Gott hält, angeklagt wird. In den Versen 14 und 15 heißt es dann gerichtet an den König: "Du warst ein mit ausgebreiteten [Flügeln] schirmender Cherub, und ich hatte dich [dazu] gemacht; du warst auf Gottes heiligem Berg, mitten unter feurigen Steinen gingst du einher. Vollkommen warst du in deinen Wegen von dem Tag an, als du geschaffen wurdest, bis sich Unrecht an dir fand." (Zitiert wieder nach der revidierten Elberfelder Übersetzung. Modernere Übersetzungen sprechen aber nur davon, dass der König einem Cherub beigesellt wurde.)
Christentum: Neues Testament
Im Neuen Testament wird Satan als "Der große Drache, die uralte Schlange, die Widerwirker und Satan heißt" (Offb. 12:7) und "Fürst des Vollmachtsgebiets der Luft" (Eph. 2:2) vorgestellt. Nirgends im Neuen Testament ist davon die Rede, dass Satan ein gefallener Engel gewesen wäre. Einige Textstellen des Neuen Testaments scheinen dieser Vorstellung sogar direkt zu widersprechen. So heißt es: "der Widerwirker sündigte von Anfang an" (1. Joh. 3:. Und außerdem war er "ein Menschentöter von Anfang an und hat nicht in der Wahrheit gestanden, weil keine Wahrheit in ihm ist" (Joh. 8:44). Allerdings ließe sich die Idee von Satan als eines gefallenen Engels noch damit verteidigen, dass der Engel erst durch seine Auflehnung zum Teufel wurde. Daher hätte er als Teufel von Anfang an gesündigt.

Vor dem Tausendjährigen Reich gibt es (nach der Offenbarung des Johannes) einen Kampf zwischen den Kräften des Guten (Michael und seine Engel) und Satan, der damit endet, dass der Teufel und seine Anhänger auf die Erde geworfen werden (Offb. 12). Für die Dauer des 1000-jährigen Reichs wird er aber wieder gefesselt (Offb. 20:1-3), um danach wieder kurz freigelassen zu werden (Offb. 20:7). Er verführt dann für eine gewisse Zeit Menschen, ehe er in einem Feuersee landet (Offb. 20:11).

Der Ursprung dieser Entwicklung im Christentum aus dem Judentum ist umstritten. Die Literatur der Zeitwende im jüdisch-hellenistischen Umfeld enthält viele apokalyptische Wahrsagungen, in denen ein Weltende im Kampf zwischen Gut und Böse projiziert wird. Elemente dieser Vorstellungen finden sich auch im persischen Zoroastrismus, mit dem das Judentum in Babylonien in Berührung geriet.

In der Frühen Neuzeit, genauer etwa seit dem Ende des 15. Jahrhunderts bis weit ins 18. Jahrhundert hinein, trug der christliche Glaube an die Existenz des Teufels wesentlich zur damaligen Hexenverfolgung bei. Der Hauptvorwurf, der den Hexen bzw. Hexenmeistern damals gemacht wurde, war, dass sie einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hätten und darüber hinaus mit ihm Geschlechtsverkehr (die so genannte Teufelsbuhlschaft) betreiben würden.
Islam
Im Islam ist Schaitan (oder Iblis) (arabisch) der Widersacher der Menschen. Nach islamischer Lehre ist Schaitan nicht nur ein Geschöpf Allahs, sondern auch äußerst gottesfürchtig. Denn er fürchtet Allah, jedoch versucht er die Menschen. Es gehört zu den Prüfungen der Menschen, sich zu entscheiden, d.h. für Allah oder für Schaitan. Somit ist Schaitan, ob er es will oder nicht, Gottesdiener, weil auch er nur Werkzeug des Planes von Allah ist, dem er sich nicht entziehen kann. Und am Tag des Gerichts wird er seine Strafe bekommen. Dem Islam ist die Vorstellung, dass Schaitan Widersacher Gottes oder eine Art Kräfte-Gegenpol ist, fremd. Das Prinzip Gut gegen Böse als Gegenkräfte ist hier nicht anwendbar. Denn nur Allah ist der absolut Mächtige, Schaitan ist dagegen lediglich Versucher der Menschen, dem Allah eine Frist gesetzt hat. Schaitan ist nicht allmächtig - aber gefährlich für die Menschen, solange sie wanken und sich Allah nicht völlig ergeben.
Jesidentum
Im Jesidentum existiert nicht die Gestalt des Bösen. Die jesidische Vorstellung ist, dass Gott allmächtig ist und neben Gott auch keine zweite Kraft existieren kann, die ohne seine Fürsprache, ohne sein Dazutun etwas Böses verrichten kann. Die Jesiden sprechen auch nicht das Wort des Bösen aus, weil allein der Ausspruch dieses Wortes die Anzweiflung der Einzigartigkeit Gottes ist. Nach Jesidischer Vorstellung wäre Gott schwach, wenn er noch eine zweite Kraft neben sich existieren lassen würde. Diese Vorstellung wäre mit der Allmacht Gottes nicht vereinbar.
Zarathustrismus
Die Religion Zarathustras, der Zarathustrismus, ist dualistisch geprägt: »Und im Anbeginn waren diese beiden Geister, die Zwillinge, die nach ihrem eigenen Worte das Gute und das Böse im Denken, Reden und Tun heißen. Zwischen ihnen haben die Guthandelnden richtig gewählt.« Speziell die Begriffe Himmel und Hölle sind vorher im Judentum nicht bekannt. Gerald Messadié sieht den Wandel Satans vom Ankläger in Gottes Rat zum Gegenspieler Gottes als Übernahme des Ahriman aus dem Zoroastrismus an; dort sind der böse Welterschaffer und der gute Gott Ormuzd in der Tat Gegenspieler.

Im Zoroastrismus gelangen die Seelen nach dem Tod über die Činvat-Brücke. Hier wird Gericht gehalten, für den rechtschaffenen Menschen ist die Brücke breit wie ein Pfad, für den anderen schmal wie eine Messerspitze. Die Guten gelangen in die seligen Gefilde des Paradieses Garodemäna (später Garotman), des »Orts der Lobgesänge«; die Seele des Bösen aber kommt an den »schlechtesten Ort«, d. h. in die Hölle. Die Dämonen des Zoroastrismus werden Daeva, Drudsch und Pairikas (Peri) genannt und teils als Unholdinnen gedacht, die mit bösen Menschen in fleischlichem Verkehr stehen und die guten zu verführen trachten, teils als tückische Dämonen, welche Trockenheit, Missernten, Seuchen und andere Plagen über die Welt verhängen. Die Schöpfungsgeschichte des Zarathustrismus besagt, das Ahura Mazdā (Gott) in den ersten 3000 Jahren durch einen langherrschenden Windhauch zuerst den eiförmigen Himmel und daraufhin die Erde und die Pflanzen erschuf. Im zweiten Zyklus von 3000 Jahren entstanden die Urstiere und danach der Urmensch. Danach erfolgte der Einbruch des Anramainyu (der "Teufel"), welcher den Urmenschen und den Urstier tötet und eine Periode des Kampfes eröffnet, die ihr Ende erst mit der Geburt des Zarathustra erreicht. Dieses Ereignis fällt in das 31. Jahr der Regierung des Königs Vistaspa. Und von da an werden wieder 3000 Jahre vergehen, bis der Heiland Saoschjant geboren wird, welcher die bösen Geister vernichten und eine neue, unvergängliche Welt herbeiführen wird; auch die Toten sollen dann auferstehen. Statt des einen Messias werden an anderen Stellen deren drei genannt, wodurch sich also diese Lehre von der entsprechenden des Alten Testaments unterscheidet. Dagegen stimmt die Lehre von der Auferstehung sogar in Details mit der christlichen überein, so dass die Annahme einer Entlehnung der letzteren aus der Religion der den Hebräern benachbarten Zarathustristen eine nicht unbedeutende Wahrscheinlichkeit für sich hat.
Darstellung im Volksglauben, Heidentum
Die volkstümliche Darstellung des Teufels leitet sich oft auf ursprünglich heidnische Götter zurück, möglicherweise den alten gehörnten Waldgott. Er wird meist schwarz und behaart, mit Bocks- oder Pferdefüßen, Krallen, Hörnern, einem Kuhschwanz, hässlichem Gesicht und langer Habichtsnase dargestellt. Bei seinem Verschwinden hinterlässt er demnach einen argen Gestank. Der angebliche Wohnort des oder der Teufel ist die Hölle.

Manchmal wird er auch gedeutet als der Archetypus des lüsternen und potenten Mannes sowie ein Symbol für die inneren Triebe und Kräfte, die in den Menschen ruhen.
Atheismus
Die Existenz eines Teufels wird, wie die Gottes, von Atheisten und den sogenannten Brights abgelehnt und als mit den Naturwissenschaften nicht vereinbar angesehen. Da Atheisten nicht an Gott glauben, warum sollte es dann wohl den Teufel geben? Um die Rolle des Teufels im Christentum und Islam zu erklären, wird zum Teil ideologiekritisch ausgeführt, der Teufel sei in diesen Religionen als Gegenspieler notwendig, um eine Polarisierung zwischen Gott und dem Bösen aufrechtzuerhalten. Erst diese Polarisierung mache es möglich, das Bild eines durchweg guten Gottes aufrechtzuerhalten.
Andere Bezeichnungen für den Teufel
Angat, Bezeichnung des Teufels in Madagaskar
Antichrist (vgl. Christus)
Asael (hebr.: Fürst der Teufel, auch Samiel, Sammael)
Beelzebub (von 'Baal Sebul', Fürst Baal. Weil den Baalstatuen auch im Sommer geopfert wurde, lockte das Opferblut die Fliegen an. Polemisch wird der Teufel deshalb, von der Bibel her, mit »Herr der Fliegen« übersetzt. Durch versch. Lesarten wurde aus Baal Sebul später Beelsebul, woraus volksethymologisch Beelzebub wurde.)
Beliar (von Baal, auch Bheliar, Belial)
Das Böse
Chutriel (hebräische Mythologie: er ist dazu bestimmt, die Verdammten in der Hölle zu geisseln)
Diabolus
Luzifer
Mephistopheles (kurz. Mephisto) (literarische Figur in Goethes Drama Faust - Urfaust, Faust I, Faust II)
Satan
Voland
Umschreibungen
Der gefallene Engel
Der Herr der Finsternis
Herr der Fliegen
Der Leibhaftige
Der Lügenknecht (Zarathustra)
Die Idee des absoluten Egoismus (Immanuel Kant)
Dunkelfürst (vgl. Friedefürst)
Entzweier, Zwietrachtsäer
Verleumder
Widersacher
Gott-sei-bei-uns (Den Teufel nennen ohne seinen Namen auszusprechen)
diabolisch, teuflisch, (Adjektiv, Adverb)
Der Teufel in Film und Fernsehen
Viele bekannte Schauspieler haben im Laufe der Zeit den Teufel verkörpert, wobei unterschiedlichste Ansätze, von sehr humoristisch bis ausgesprochen ernsthaft und böse, gewählt wurden:

Jack Nicholson - 1987 in Die Hexen von Eastwick
Viggo Mortensen - 1995 in God's Army
Robert de Niro - 1987 in Angel Heart
Al Pacino - 1997 in Im Auftrag des Teufels
Elizabeth Hurley - 2000 in Teuflisch
Gabriel Byrne - 1999 in End of Days
Peter Stormare - 2005 in Constantine
Viele weitere Filme beschäftigen sich mit dem Teufel, ohne dass er physisch direkt in Erscheinung tritt:

Rosemaries Baby (1968)
Das Omen (1976)
Die Neun Pforten (1999)
Der Exorzist (1973)
In der US-Serie Southpark wird der Teufel als ein von Gefühlsschwankungen geplagter Muskelprotz dargestellt, der ein Verhältnis mit Saddam Hussein hat.