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Sekte
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Eine Sekte (v. lat.: sequi = folgen; (Nach-)Folge, Richtung, Denkweise, Partei, Schule) bezeichnet im wissenschaftlichen Sprachgebrauch häufig eine religiöse Organisation, die durch ein Schisma oder die Abspaltung von einer etablierten Religion entstanden ist.
Im Alltagssprachgebrauch sind Sekten meist mit Hinblick auf ein tatsächliches oder vermeintliches Konfliktpotential mit ihrer Umgebung hin definiert.
Neue religiöse Gruppen oder Abspaltungen von bestehenden Religionen sind über die gesamte Menschheitsgeschichte entstanden - viele gingen unter, einige überleben in Nischen, manche haben sich gar als Weltreligion - wie z.B. das Christentum, eine jüdische Sekte - oder als Staatsreligion etabliert.
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Etymologie
Bei der Vorstellung, das Wort Sekte sei eine Ableitung von lateinisch secare (trennen, abschneiden), bezeichne also eine Gruppe, die sich wegen einer besonderen Lehrmeinung von einer anderen Religion abgespalten habe, handelt es sich um eine (verbreitete) Volksetymologie. Im Gegensatz zu Sektor oder Insekt, welche sich von secare ableiten, leitet sich das lateinische secta (Lebensweise) vom lateinischen Verb sequi (folgen, nachfolgen) ab und war die Übersetzung des griechischen αίρεσις („hairesis“ - Wahl, Denkweise).
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Geschichte
Die nichtchristliche Antike bezeichnete bestimmte philosophische oder religiöse Gruppierungen wertfrei als Sekten. Auch die ersten Christen wurden in diesem neutralen Sinne als „Sekte der Nazarener“, eine Richtung des Judentums bezeichnet.
Paulus verwendet das Wort αίρεσις „hairesis“ in seinen Briefen für Spaltungen innerhalb der Gemeinde (z. B. 1 Ko 1,10). Diese Spaltungen als solche werden von ihm negativ bewertet, ohne dass er dabei einer bestimmten Richtung unter ihnen den Vorzug gibt.
In der Alten Kirche wurde der Begriff hairesis dann immer mehr für Abweichungen von der gemeinsamen Lehre der mit einander in Kommunion stehenden christlichen Gemeinden verwendet und im vierten Jahrhundert hatte er dann kirchlich die Bedeutung Irrlehre.
Dieser Begriff wurde dann von der lateinischen Kirche des Mittelalters als secta, Sekte, übernommen. So wurden die Protestanten als secta lutherana bezeichnet und auch im deutschen Sprachgebrauch redete die katholische Kirche noch bis ins 20. Jahrhundert in manchen Texten von Sekten, wenn sie die evangelischen Kirchen meinte.
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Heutiger Gebrauch des Wortes Sekte
umgangssprachlich
Im landläufigen Sprachgebrauch wird mit Sekte oft eine religiöse Gruppe gemeint, die vom Sprecher in irgendeiner Weise als gefährlich oder problematisch angesehen wird. Unter die Bezeichnung fallen sowohl ältere christliche Gruppen, die sich in der Lehre und/oder Praxis vom Herkömmlichen unterscheiden (Zeugen Jehovas, Christliche Wissenschaft, Adventisten) als auch einige Gruppen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden sind und die auch als Jugendsekten bezeichnet werden, da sie anfänglich viele junge Mitglieder hatten (Scientology, Vereinigungskirche, Universelles Leben). Aber auch Gruppen innerhalb der großen Kirchen wie z.B. Opus Dei werden oft als Sekten bezeichnet.
In den letzten Jahrzehnten wird diese umgangssprachliche Bezeichnung jedoch von seriösen Quellen mehr und mehr als nicht korrekt gesehen. Meyers Enzyklopädisches Lexikon von 1977 schreibt: „Mit dem Wort „Sekte“ wird heute weitgehend die Vorstellung von etwas Abartigem, Gefährlichem, Widersetzlichem signalisiert.“ und die Frankfurter Allgemeine Zeitung 1994 „Der Begriff ‚Sekte‘ hat heute einen negativen Beigeschmack und wird als ‚Kampfbegriff‘ gebraucht.“
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wissenschaftlich
Im rechtlichen, soziologischen und religionswissenschaftlichen Kontext wird das Wort heute kaum mehr verwendet. Das Münchner Rechtslexikon schreibt zum Beispiel, der Begriff „Sekte“ habe in staatsrechtlicher Hinsicht seine Bedeutung verloren, da er eine negative theologische Beurteilung enthalte. Der Begriff wurde daher weitgehend durch neutralere Umschreibungen wie Neue religiöse Bewegung, religiöse Sondergemeinschaft, neureligiöse Gemeinschaft oder konfliktträchtiger Anbieter am Lebenshilfemarkt ersetzt.
Max Weber definiert in seiner Untersuchung über die Protestantische Ethik Sekten als voluntaristische Gemeinschaften, in die man aufgrund einer persönlichen Entscheidung und nur nach eingehender Prüfung durch die Sekte aufgenommen wird. Im Gegensatz dazu sind Kirchen für ihn „Anstalten“, in die man hineingeboren wird. Die Zugehörigkeit zu einer Kirche ist folglich obligatorisch.
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