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Unfehlbarkeit












Konzilien
Konzilien besitzen gemäß katholischer Lehre dann die Unfehlbarkeit, wenn sie eine Lehre als endgültig und verbindlich bezeichnen und wenn der Papst dem jeweiligen Dokument zustimmt. Allerdings bezieht sich die Unfehlbarkeit nicht auf alle Konzilstexte, sondern lediglich auf die hinreichend als unfehlbar gekennzeichneten Passagen. Auch in diesem Fall wird die Unfehlbarkeit durch die Mitwirkung des Papstes sichergestellt. Interessant ist, dass der Papst ohne Zustimmung eines Konzils, das Konzil jedoch nur in Einheit mit dem Papst Glaubenssätze dogmatisieren kann; somit ist die Zustimmung eines Konzils irrelevant; allerdings wird der Papst nicht gegen die Ansicht des Kollegiums der Bischöfe entscheiden können, ohne selbst den Boden des katholischen Glaubens zu verlassen.

Konzilstexte im allgemeinen werden nicht als unfehlbar angesehen. Darüber hinaus wird es bei der großen Menge veröffentlichter Konzilstexte als vermessen angesehen, alle Texte wären vollkommen fehlerfrei. Die Dogmatisierung umfangreicher Abhandlungen würde eher zu Glaubensunsicherheit denn zu einer Präzisierung des Glaubens führen, insbesondere wenn der jeweilige Text mehr als eine Interpretation zulässt. Im Gegenzug wurde in vielen Konzilsdokumenten (beispielsweise in der Dogmatischen Konstitution über die Kirche Christi des ersten vatikanischen Konzils) genau festgelegt, welche Absätze unfehlbar sind. Außerdem werden die als dogmatisch verkündeten Glaubensinhalte besonders prägnant formuliert, um den Interpretationsspielraum zu reduzieren.

Ein besonderes Beispiel ist das Zweite Vatikanische Konzil, es verzichtete vollkommen darauf, neue Glaubenssätze zu verkünden und als dogmatisch, endgültig oder verbindlich einzustufen. Formulierungen wie "wir erklären feierlich", "wir lehren endgültig" fehlen. Papst Johannes XXIII brachte dies zum Ausdruck, indem er das Konzil als pastoral (im Gegensatz zu dogmatisch) einberief. Da den Konzilsvätern andererseits die einschlägigen theologischen Argumente und Formfragen zur Unfehlbarkeit bekannt waren, wird davon ausgegangen, dass sie absichtlich auf die Dogmatisierung einzelner Aussagen verzichteten.
Allgemeines Glaubensgut und Tradition
Allgemein nimmt die katholische Kirche an, dass das gesamte, von Gott geoffenbarte Glaubensgut (auch Depositum fidei) seit der Urkirche vorhanden ist, soweit es für die Kirche notwendig ist. Sie nimmt ferner an, dass die an sich fehlerfreie, göttliche Offenbarung zwar örtlich und zeitlich begrenzt von Häretikern verfälscht wurde, aber von der kirchlichen Tradition im allgemeinen korrekt weitergegeben wurde. Glaubenssätze dürfen folglich nicht dem widersprechen, was "immer und überall" von der Kirche geglaubt worden ist. Dies bedeutet, dass der betreffende Glaubenssatz bereits vor seiner Dogmatisierung wahr war, dass nur lediglich die Kirche kein Urteil darüber abgegeben hatte.

Hierbei werden gelegentlich die Unfehlbarkeit dieser göttlichen Offenbarung mit der päpstlichen Unfehlbarkeit verwechselt oder gleichgesetzt. Hierbei bezieht sich jedoch die päpstliche Unfehlbarkeit auf das päpstliche Urteil, welche Glaubensinhalte nun der göttlichen Offenbarung entstammen, und welche Aussagen Verfälschungen darstellen.
Orthodoxe Kirche
Die Orthodoxe Kirche kennt nur die Unfehlbarkeit der Kirche. Dieser Glaube besagt, der Heilige Geist werde nicht zulassen, dass die gesamte Kirche sich in Irrlehren verliert, sondern werde einen Weg schaffen, dies zu verhindern. Jedoch ist keine einzelne Person oder Institution unfehlbar - auch nicht ein Ökumenisches Konzil, ein Kirchenlehrer oder gar der Patriarch von Konstantinopel.
Altkatholische Kirche
Die altkatholische Kirche entstand aus einer innerkatholischen Widerstandsbewegung, die das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes nicht akzeptierte. Sie kennt daher keine unfehlbare Instanz in der Kirche, steht aber dem oben genannten Glauben der orthodoxen Kirche über die Unfehlbarkeit der Kirche nahe.

Evangelische Kirchen
Die Evangelischen Kirchen lehnen die Lehre von der wie auch immer gearteten Unfehlbarkeit vergangener oder heute lebender Personen (außer Jesus Christus) ab. Manche Evangelischen Kirchen – insbesondere im protestantischen Fundamentalismus und einigen Gruppen in der evangelikalen oder Pfingstbewegung – betrachten jedoch die Bibel als unfehlbar, wobei diese Unfehlbarkeit unterschiedlich definiert bzw. verstanden wird
Baha'i

Bei den Baha'i gibt es die Unfehlbarkeit der Beschlüsse des international gewählten Universalen Hauses der Gerechtigkeit.
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