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Des menschlichen Lebens Zeit ist ein Augenblick,
sein Wesen dem fliessenden Wasser ähnlich;
die Empfindung ist dunkel,
des ganzen Körpers Gewebe zum Verwesen geneigt,
die Seele ein Kreisel, ihr Schicksal ein Rätsel,
des Menschen Nachrede verworren;
kurzum, was zum Leib gehört, ein Strom,
was zur Seele gehört, Traum und Rauch;
das Leben ein Kampf und eine Reise im fremden Land,
der Nachruhm Vergessenheit.
Was gibt es nun, das uns da leiten kann?
Einzig und allein die Philosophie.
Diese aber besteht darin,
den Genius in seinem Inneren vor übermütiger Schädigung zu bewahren,
der Lust und dem Schmerz überlegen zu sein,
nichts dem Zufall zu überlassen,
nie zur Lüge und Heuchelei zu greifen,
unabhängig zu bleiben vom Tun und Lassen der anderen,
alle Begegnisse und Schicksale als von daher kommend hinzunehmen, woher wir selbst kommen,
bei allem aber den Tod mit heiterem Sinn zu erwarten als nichts anderes denn die Trennung der Elemente, aus denen jedes lebende Wesen zusammengesetzt ist.
Wenn aber für die Elemente selbst nichts Schreckliches darin liegt, dass jedes von ihnen fortwährend in ein anderes umgewandelt wird, warum sollte man die Umwandlung und Auflösung aller zusammen mit betrübtem Auge betrachten?
Auch sie geschieht ja der Natur gemäss, und was der Natur gemäss geschieht, ist kein Übel.
Geschrieben in Carnuntum.
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Marc Aurel
Selbstbetrachtungen
insel Taschenbuch 3396
Aus dem Griechischen von Otto Kiefer
ISBN 978-3-458-35096-5
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Als ein lebendes Wesen
mit einer Substanz
und mit einer Seele
musst Du Dir die Welt beständig vorstellen;
Betrachte, wie alles zur einen Empfindung dieses Wesens gelangt,
wie es aus einer inneren Kraft alles wirkt,
wie alles bei allem Geschehenden mitwirkende Ursache ist
und
von welcher Art die Verwebung und Verknüpfung ist.
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