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Seltsame Träume












Hallo,

ich habe vor längerer Zeit zwei seltsame Träume gehabt. Es war das erste Mal, dass ich mir die Träume sogar aufgeschrieben habe. Ich hatte es noch auf dem PC und möchte gerne mit Euch darüber sprechen, wie Ihr das seht, was Ihr davon haltet und freue mich auf eine spannende Diskussion.

Seltsame Träume


Vorweg meine eigenen Gedanken und Gefühle die ich seit einigen Tagen mit mir herumschleppe:

- ich versuche mit Gott im Gebet zu kommunizieren, aber mir fehlen die Worte
- ich befasse mich mit der Bibel und Büchern von Anselm Grün, beispielsweise über die Bergpredigt Jesu
- an dem Tag bevor ich den 1. Traum hatte, habe ich die Passage Anselm Grüns über den Satz Jesu in der Bergpredigt „Selig sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden!“ gelesen
- an dem Tag bevor mir der 2. Traum erschien, habe ich die Passage Anselm Grüns über den Satz Jesu in der Bergpredigt „Selig sind die um der Gerechtigkeit Willen Verfolgten, denn ihnen gehört das Himmelreich!“ gelesen.

Meine Träume verliefen folgendermaßen:

1. Traum, 11.06.08

Ich saß in meinem Heimatdorf bei meiner Oma im Garten. Es war ein herrliches Wetter. Ich ging ins Haus und meine Oma erzählte mir –sie hatte noch das Telefon in der Hand- das meine Mutter gestorben sei. Nun ist es in Wirklichkeit so, dass ich meiner Mutter gegenüber ein zwiespältiges Verhältnis habe. Im Traum jedenfalls war ich vor Trauer ergriffen und meine Oma weinte. Ich weinte mit ihr. All die anderen die im Traum vorkamen, ich kann mich nicht mehr an alle erinnern, schien es gleichgültig zu sein. Ich kann mich an meinen Bruder und an den Mann meiner Mutter erinnern, Sie schienen nicht berührt von der Todesnachricht, im Gegenteil, sie zuckten nur mit den Schultern und überlegten was sie am Wochenende machen würden als sei nichts geschehen. Ich weiß noch, dass meine Oma und ich uns noch einige Zeit gegenseitig Trost spendeten. Der Lebensgefährte meiner Oma stand teilnahmslos, aber nicht gleichgültig außerhalb der Szene. Er wirkte gleichzeitig etwas hilflos, aber auch gütig und strahlte eine innere Ruhe und Zufriedenheit aus, so als sei er ein unbewusster Gegenpol zur gerade stattfindenden Realität. Ich weiß nicht mehr ob ich danach noch weiter träumte oder wach wurde.

2. Traum, 12.06.08

Ich ging durch meinen Heimatort, etwa in Höhe der Schützenhalle die Straße entlang, als ich am Horizont hinter mir eine gewaltige Explosion vernahm. Ich drehte mich um und sah einen unheilvollen grünen Himmel. Am fernen Horizont schossen nebeneinander zwei Atompilze in die Höhe, die sich gespenstisch ineinander verwirbelten. Daraufhin versuchte ich mich an das Buch FwDV 2.2 zu erinnern (war damals Grundausbildung bei der freiwilligen Feuerwehr), wonach man unmittelbar nach einer Atomexplosion Deckung suchen solle. Doch dies gelang mir nicht. Ich lief von einer Straßenseite zur anderen, aber Deckung habe ich nicht gefunden. Daraufhin drehte ich mich wieder zum Horizont und sah, wie die beiden Atompilze sich ineinander verwirbelten. Vor Angst warf ich mich auf den Boden und wartete die Druck- und die Sogwelle ab, welche ich auch im Traum intensiv spürte. Nachdem die Welle vorüber war, sprang ich auf und lief zum Haus meiner Oma. Ich war nicht verletzt und es ging mir rein körperlich gut. Sofort schaltete ich die Nachrichten ein und gleich auf welchem Kanal ich schaute, überall ging es um eine Kernexplosion in Erwitte-Anröchte (nähe Paderborn und Soest) {im Traum in der Nähe von Dortmund, Schwerte und Wuppertal}. Die Bevölkerung wurde gewarnt, die Explosion hätte einen „strahlenden Nebel“ zur Folge. Man war nicht sicher, ob es sich um einen Angriff, oder einen Unfall in einer US-Kaserne handelte. Ich war ob diesen Nachrichten und meinem Erleben sehr schockiert.
Meine Frau kam aus der Mittagspause zu Besuch vorbei und fragte mich warum ich so aufgeregt sei, ich erzählte ihr von der Explosion und ob sie denn nichts gesehen hätte. Sie lachte nur, weil sie dachte ich mache einen Witz. Es war kein verächtliches Lachen, jedenfalls hatte ich nicht den Eindruck. Sie dachte einfach, ich wolle sie auf den Arm nehmen. Zur gleichen Zeit vernahm ich durch das Wohnzimmer ein gespenstisches weißes Glühen. Es war der Nebel der vorausgesagt wurde. Obgleich ich von dem Anblick beunruhigt war, war ich nicht in der Lage die anderen auf dieses grausame Schauspiel hinzuweisen. Das weiße Glühen umwaberte die Häuser, die in ein diffuses grünes Licht getaucht waren. Dort draußen, das spürte ich ganz genau, war das pure Böse am Werk. Ich lief in das Schlafzimmer meiner Oma weil ich irgendwas suchte, ich weiß nicht mehr was, ich glaube es war ein Fernglas. Früher war im Nachtschränkchen meines Opas tatsächlich ein Fernglas. Ich hörte ein Knistern und wusste sofort was es war: ein Geigerzähler, der den Maximalwert anzeigte und fasst verrückt spielte, also musste Strahlung vorhanden sein. Ich habe den Geigerzähler im Traum kurz gesehen und habe auch danach gesucht, aber ihn nicht gefunden. Ich wusste es einfach. Mein Gedanke war: Ich fühle mich zwar sicher hier in der vertrauten Umgebung, aber ich weiß dass das Böse hier drin ist. Ich kann mich davor nicht verstecken. Meine Frau wollte mir immer noch nicht glauben, also schaltete ich abermals den Fernseher ein, weil vorhin noch die Nachrichten voll davon waren. Aber überall lief nur ein normales Programm; und das obwohl bei den Anschlägen vom 11. September 2001 doch auch überall Sondersendungen liefen!
Ich war fassungslos und vermutete eine Nachrichtensperre, die von der Regierung verhängt wurde um die Bevölkerung nicht weiter zu verunsichern. Also lief ich die Treppe rauf zu meiner Tante, weil sie einen Computer mit Internetanschluss hatten. Dort saßen sie zusammen am Schreibtisch, meine Tante und meine Cousine. Es war ein gemütliches Licht und eine wohlige Atmosphäre. Sie wussten anscheinend von nichts und ich musste meine Cousine überreden mich an den Computer zu lassen. Meine Tante lachte als ich ihr berichtete. Es war auch kein verächtliches Lachen, sondern eher ein ungläubiges, mitleidiges Lachen. Nun waren alle gespannt, doch welche Internetadresse ich auch eingab, überall stand auf englisch: Die Website ist überlastet. Ich versuchte die Adressen von Suchmaschinen einzugeben, doch es gelang mir nicht, denn dauernd vertippte ich mich und es dauerte unendlich lange, bis ich schaffte „google“ einzugeben. Als erster Treffer erschien mir ganz groß ein animiertes Bild: „Der Drop-Down von Anröchte!“ Wie der genaue Text lautete weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall ging es darum, diese Angelegenheit als „urban-legend“ und Verschwörungstheorie abzustempeln und alle die daran glaubten seien Spinner und Ignoranten. Ich fühlte mich so hilflos und einsam, denn ich habe den Schrecken doch selbst erlebt. Im Traum glaubte ich nicht, die Explosion gesehen zu haben, ich wusste ich hatte sie gesehen. Und dazu noch die Sogwelle gespürt. Während des ganzen Traumes hatte ich Angst, aber auch wieder nicht richtig. Ich hatte eine große spürbare und ehrliche Unruhe in mir, aber ich war doch noch nicht einer Panik nahe. Die größte Sorge war, der Ursache der Explosion auf den Grund zu kommen und meinen Angehörigen von der Wahrheit zu überzeugen. Dann wurde ich wach.

Was haben diese Träume gemeinsam?

- sie „spielten“ in meinem Heimatort, in dem Haus meiner Oma, die mich mehr oder weniger großgezogen hat.
- in beiden Träumen geschahen schreckliche Dinge
- in beiden Träumen haben nicht alle die Dinge sehen können, außer ich und im ersten Traum meine Oma (im 2. Traum kam sie gar nicht vor)
- ich hegte keinen Groll gegen die Anderen, obwohl sie mich nicht verstanden

Was ist die Erklärung?

Soll ich an der Wahrheit festhalten wenn ich sie spüre?
Soll ich versuchen die Anderen aufzuklären?
Bin ich bekloppt?
Habe ich Zukunftsängste?
Bin ich der Einzige, der bestimmte Dinge wahrnimmt?
Bilde ich mir vieles einfach nur ein?
Stehe ich neben mir und neben der Realität?


Vielleicht mache ich mir auch nur einfach zuviele Gedanken über alles mögliche. Leider ist es meine Eigenart, solange über Glaubens- und Gewissensdinge nachzugrübeln dass ich fast wahnsinnig werde. Für einen ehrlichen und gutgemeinten Rat wäre ich dankbar.

Viele Grüße
Mulsarius
Hallo Mulsarius,
Herzlich willkommen erstmal.

Ja, Träume können wirklich spannende Geschichten erzählen. Träume von jemand anderen zu deuten ist in soweit schwierig, weil man nicht über die gleichen Assoziationen verfügt.
Ich schreibe dir jetzt einfach mal auf, was mir bei der Schilderung deines ersten Traumes durch den Kopf ging:

Ich saß in meinem Heimatdorf bei meiner Oma im Garten. Es war ein herrliches Wetter. Ich ging ins Haus und meine Oma erzählte mir –sie hatte noch das Telefon in der Hand- das meine Mutter gestorben sei. Nun ist es in Wirklichkeit so, dass ich meiner Mutter gegenüber ein zwiespältiges Verhältnis habe. Im Traum jedenfalls war ich vor Trauer ergriffen und meine Oma weinte. Ich weinte mit ihr.
Eine Idylle, in die plötzlich Unheil hereinbricht. Das Unheil scheint aber in erster Linie nicht dich zu betreffen, sondern deine Oma.
Du schreibst, du weintest mit ihr. Trauerst du, weil deine Oma traurig ist, oder trauerst du wirklich um deine Mutter? Zerreißt es dir das Herz, daß deine Mutter nicht mehr da ist, oder zerreißt es dir daß Herz bei dem Gedanken, daß deine Oma ihr eigenes Kind begraben muß? Ist deine Trauer mehr Mitgefühl für deine Oma?

All die anderen die im Traum vorkamen, ich kann mich nicht mehr an alle erinnern, schien es gleichgültig zu sein. Ich kann mich an meinen Bruder und an den Mann meiner Mutter erinnern, Sie schienen nicht berührt von der Todesnachricht, im Gegenteil, sie zuckten nur mit den Schultern und überlegten was sie am Wochenende machen würden als sei nichts geschehen.
Du schreibst nicht, was deine Gefühle zu dieser surrealen Situation waren. Warst du irritiert? Oder ärgerlich?
Ich weiß noch, dass meine Oma und ich uns noch einige Zeit gegenseitig Trost spendeten. Der Lebensgefährte meiner Oma stand teilnahmslos, aber nicht gleichgültig außerhalb der Szene.
Es scheint nicht dein Opa zu sein. Also auch nicht verwandt mit deiner Mutter. Das "nicht gleichgültig" bezieht sich auf eure Trauer, nicht auf dem Umstand des Todes deiner Mutter?
Er wirkte gleichzeitig etwas hilflos, aber auch gütig und strahlte eine innere Ruhe und Zufriedenheit aus, so als sei er ein unbewusster Gegenpol zur gerade stattfindenden Realität.
Kannst du das noch in andere Worte fassen? Was war es? Mitleid? Verständnis? Teilnahme an etwas, was ihn nicht direkt betrifft?

Was mir ins Auge sticht, ist, daß die Emotionen irgendwie alle durcheinander und falsch zugeordnet sind. Du hast ein zwiespältiges Gefühl für deine Mutter, trotzdem trauerst du. Dein Bruder und dein Stiefvater hingegen nicht, obwohl man es da doch erwarten sollte.
Was dich beschäftigt, ist meiner Meinung nach, daß du Empfindsamkeit bei anderen Menschen vermisst - sie eigentlich erwartest und dich..hm...auch ein bißchen moralisch überlegen fühlst? Deine Trauer ist anscheinend "unechter" als die deiner Oma, die aufrichtig trauert.
Ein anderer Aspekt ist vielleicht der, daß die Personen im Traum gleichzeitig auch ein Stück von dir repräsentieren. Ein Stück von Vater und Mutter, Bruder und Oma steht praktisch für ein Teil des eigenen Wesens. Auffällig, daß die Männer nicht trauern. Die männliche Seite ist mehr dem Verstand zugeordnet und emotional "kalt" und ohne Mitgefühl.
Irritiert dich sowas auch im wirklichen Leben, daß die reine geistige Beschäftigung mit vielleicht auch religiösen Themen irgendwie blutleer und kalt wirkt und dir das "Involviertsein" zu kurz kommt?

So, das war es erst mal in Kürze
Den anderen Traum habe ich mir noch nicht durchgelesen...

Astrella
Hallo Astrella,

Erstmal vielen vielen Dank für Deine Lösungsansätze. Das hilft mir, einiges auch aus anderen Blickwinkeln zu sehen. Aber erstmal zu Deinen Fragen:

Trauerst du, weil deine Oma traurig ist, oder trauerst du wirklich um deine Mutter? Zerreißt es dir das Herz, daß deine Mutter nicht mehr da ist, oder zerreißt es dir daß Herz bei dem Gedanken, daß deine Oma ihr eigenes Kind begraben muß?
Nein, soweit ich mich erinnerte trauerte ich um meine Mutter. Natürlich zerreißt es mir auch das Herz wenn ich meine Oma trauern sehe, aber in dem Traum damals habe ich selbst aufrichtig um meine Mutter getrauert.

Du schreibst nicht, was deine Gefühle zu dieser surrealen Situation waren. Warst du irritiert? Oder ärgerlich?
Ich war nicht verärgert, ich war perplex. Ich wollte sagen: Hey habt Ihr nicht die Nachricht gehört? Aber es blieb mir im Halse stecken.

Es scheint nicht dein Opa zu sein. Also auch nicht verwandt mit deiner Mutter. Das "nicht gleichgültig" bezieht sich auf eure Trauer, nicht auf dem Umstand des Todes deiner Mutter?
Er betrachtete die ganze Sezenerie, er wendete sich nicht bewusst an eine Person. Er stand daneben und sagte nichts, ich erkannte nur seinen Gesichtsaudruck, dass es ihm nicht so gleichgültig wie meinem Bruder und meinem Stiefvater

Kannst du das noch in andere Worte fassen? Was war es? Mitleid? Verständnis? Teilnahme an etwas, was ihn nicht direkt betrifft?
Mitleid und Verständnis trifft es leider nicht. Es war wirklich das Gefühl von stiller Güte, diesem beruhigenden Gefühl welches ich zum Beispiel habe wenn ich große Heiligenfiguren oder Engelsgestalten in den Kirchen sehe. Er gehört ja trotzdem seit vielen Jahren zur Familie, aber in dieser Situation stand er Abseits

Zur moralischen Überlegenheit, ja dieses Gefühl besticht mich irgendwie, aber ich habe ein schlechtes Gefühl dabei, da ich nicht hochmütig sein möchte.
Ob jeder Teilnehmer im Traum ein Stück von mir charakterisiert? Ja vielleicht, ich habe viele Seiten, und einige davon sind nicht die besten. Aber was fehlt wäre dann meine Mutter, und von der habe ich auch vieles abbekommen (leider)
Irritiert dich sowas auch im wirklichen Leben, daß die reine geistige Beschäftigung mit vielleicht auch religiösen Themen irgendwie blutleer und kalt wirkt und dir das "Involviertsein" zu kurz kommt?
Ja, definitv! Ich bin auf der Suche nach Glauben, aber dass ist eine längere Geschichte. Ich versuche mit Gott zu kommunizieren aber ich schaffe es nicht mehr, früher konnte ich stundenlang mit ihm reden bzw. mich an ihn wenden.

Danke schonmal für Deine Ideen und Deine Mühen, Astrella!

Mulsarius
Forum -> Träume und Traumdeutung


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