|
|
|
Erbsünde
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Die Lehre von der Erbsünde (lat. peccatum originalis, eigentlich "Ursprungssünde") ist eines der grundlegenden Elemente christlicher Theologie. Das deutsche Wort Erbsünde soll zum Ausdruck bringen, dass diese Sünde nicht durch spezielle Handlungen erworben wird, sondern allen Menschen von Geburt an gegeben ist; eine Vererbung dieser Sünde, etwa von den Eltern auf ihre Kinder, ist damit nicht gemeint.
|
|
|
|
Traditionelle Christliche Lehre
Der Begriff wird in der orthodoxen, römisch-katholischen und den verschiedenen evangelischen Traditionen unterschiedlich aufgefasst.
Gemeinsam ist allen christlichen Traditionen die Lehre, dass der Mensch durch die Erbsünde von der Gemeinschaft mit Gott getrennt ist, dass er aus eigener Kraft diese Gemeinschaft nicht wieder herstellen kann, und dass diese Trennung durch Jesus Christus überwunden ist. Über die genaue Art dieser Erlösung und den Weg dorthin gibt es innerhalb der verschiedenen christlichen Konfessionen unterschiedliche Auffassungen (s. Rechtfertigung (Theologie)).
|
|
|
|
Entwicklung nach Paulus
Der jüdische Apostel Paulus von Tarsus entwickelt eine Theologie der Sünde und damit zusammenhängende Anthropologie, die als Grundlage der späteren Erbsündenlehre gelten kann. Paulus parallelisiert darin den für die ganze Menschheit stehenden ersten Menschen, Adam, mit dem für die neue Menschheit stehenden zweiten Adam, Christus. So wie aufgrund der Sünde des ersten die Menschheit dem Tod ausgeliefert war, wird sie aufgrund der Erlösungstat des Zweiten aus diesem Tod errettet: Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod, und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil(*) alle sündigten. ... Ist durch die Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft gekommen, durch diesen einen, so werden erst recht alle, denen die Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit reichlich zuteil wurde, leben und herrschen durch den einen, Jesus Christus. (Röm 5,12.17)
(*)griechisch eph' hô. In der lateinischen Bibelüberstezung, Vulgata, wurde dieses fälschlicherweise als in quo wiedergegeben, also : "In ihm (Adam) haben alle gesündigt". Diese Übersetzung führte Augustinus von Hippo, der als Vater der ausdrücklichen Erbsündenlehre angesehen werden kann, zu seiner Auffassung der Vererbbarkeit der Sünde. Das eph' hô kann auch als "deshalb (also wegen des Todes) haben alle gesündigt" verstanden werden (Orthodoxe Kirche).
Der zentrale Punkt wird im ersten Brief an die Korinther des Paulus nochmals betont:
Denn wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden (1. Kor 15,22)
|
|
|
|
Die Lehre in den Kirchen
Der Mensch ist durch den Sündenfall Adams aus katholischer Sicht vom Beginn seines Lebens im Mutterleib, also von seiner Empfängnis an, im Zustand der Erbsünde, welche eine Unordnung der menschlichen Natur darstellt, indem sie den Menschen seiner heiligmachenden Gnade beraubt und dazu führt, dass der Mensch zum Tun von Bösem neigt. Den Ausweg aus der Erbsünde sieht die Kirche im Kreuzestod Jesus Christus, der es dem Menschen ermöglicht, in den Zustand der Erlösung einzutreten und mit Gott versöhnt zu sein.
Nach Auffassung Luthers - die hier im Gegensatz zur katholischen Lehre steht - ist der Mensch aber vom Beginn seines Lebens an böse (im "Zustand der Sünde") und ist dadurch von Gott getrennt. Dabei ist es unerheblich, ob der Einzelne gut oder schlecht handelt. Selbst das passive neugeborene Kind ist nach diesem Verständnis schlecht.
Die von Augustinus von Hippo begründete Lehre von der Erbsünde ist zentral für das westliche Christentum. Ohne die Erbsünde könnte der Mensch sich zum Guten oder Bösen entscheiden (wie es etwa in den verwandten Religionen des Judentums oder des Islam gelehrt wird). Da der Mensch, anders als die gefallenen Engel, deren Auflehnung gegen Gott unwiderruflich ist, an die Zeit gebunden ist, ist Vergebung und Reue möglich. Aus der Erbsünde ergibt sich daher die Notwendigkeit der Erlösung des Menschen, die durch die Menschwerdung (Inkarnation), Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi ermöglicht wurde. Aus diesem Grund spricht der Apostel Paulus von Christus als dem neuen Adam. Diese Erlösung findet der Mensch in der Wiedergeburt (eigentlich wohl Neugeburt), deren äußeres Bild die Taufe ist. Der Christ unterliegt danach nicht mehr der Erbsünde, sondern ist in den Zustand der Gotteskindschaft emporgehoben.
Nach Ansicht der Orthodoxen Kirche wird nicht die Sünde Adams selbst auf seine Nachkommen vererbt, sondern nur die Folge dieser Sünde, der Tod. Dieser wird jedoch nicht nur an die Nachkommen Adams vererbt, sondern erfasst und versklavt die gesamte Schöpfung, wobei die Angst vor dem Tod in einem Teufelskreis zur Hauptursache weiterer Sünden wird. Die Orthodoxe Kirche geht davon aus, dass die Menschen auch nach dem Sündenfall noch ihren freien Willen haben und immer noch fähig zu guten Taten sind. Der Sündenfall hat jedoch eine Welt hinterlassen, in der Sünde bequem, einfach, angenehm und naheliegend erscheint, Tugend dagegen anstrengend, schwierig, abgehoben, und langweilig. So hat er eine Barriere zwischen den Menschen und Gott aufgestellt, die der Mensch von sich aus nicht niederbrechen kann. Da der Mensch nach dem Sündenfall nicht mehr zu Gott kommen kann, kam Gott in Christus zu den Menschen und versöhnt die Menschen so wieder mit sich. Es wird betont, dass nicht etwa Gott mit dem Menschen versöhnt wird, wozu kein Anlass besteht da Gott dem Menschen in keiner Weise feindlich gesonnen ist, sondern der Mensch mit Gott.
|
|
|
|
Kurz gefasst
Zusammenfassend ist nach christlicher Auffassung der Mensch als von Gott nach seinem Abbild geschaffenes Wesen ursprünglich gut, da Gott als der Gute schlechthin nur Gutes schaffen kann. Aufgrund der dem Menschen gegebenen Freiheit konnte sich dieser in Person Adam und Evas im Sündenfall von Gott abwenden. Alle Nachkommen Adams und Evas erben diese auch Sünde genannte Abwendung. Vom Zeitpunkt des Sündenfalls an wird der Mensch (protestantisch) als seinem ganzen Wesen nach böse und verdorben angesehen, bzw. (katholisch) als nicht mehr im Vollbesitz seiner Freiheit betrachtet, so dass er relativ leicht zum Bösen verführt werden kann. Durch die Erlösungstat Jesu Christi ist es dem Menschen möglich, erneut mit Gott in Gemeinschaft zu leben, die erbsündige Situation ist damit grundsätzlich überwunden, wenngleich ihre Folgen (leichte Verführbarkeit) bestehen bleiben.
|
|
|