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Engel
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Der Engel (vom griechischen άγγελος, ángelos - Bote, Botschafter über lateinisch angelus als Übersetzung des hebräischen mal'ach - Bote) ist in vielen Religionen ein Wesen, das Gott oder den Göttern zur Seite steht, aber von ihnen unterschieden wird.
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Engel in der Bibel
Die Bibel kennt in weiten Teilen Engel als eigene Wesen, die Gottes Bereich angehören. Von Engeln ist in beiden Schöpfungserzählungen (Gen 1 und 2) keine Rede, es wird aber in der ganzen Bibel darauf hingewiesen, dass Engel vor der Entstehung der Welt existierten und Gott dienen.
Es wird schon früh von Engeln berichtet, welche auch im Paradies als Wächter mit dem Flammenschwert (1. Mose 3, 24) zu beobachten sind. Bezeichnend ist aber auch hier, dass Engel letztlich den Menschen unterstellt sind und Menschen später über Engel richten werden (1.Kor 6, 3). Satan ist ein gefallener Engel, was bedeutet, das er ein Diener Gottes war, der sich von Gott gelöst hat und ein eigenes Kontingent an Engeln unter sich hat. Engel, so lesen wir in der Bibel, sind hierarchisch strukturiert, und es gibt verschiedene Arten von Engeln. "Der Engel des Herrn", Cherubime, Serafine.
In Gen. 6, 2-4 tauchen dann so genannte "Gottessöhne" auf, die mit sterblichen Frauen verkehrten und dadurch "Riesen" hervorbrachten. Während die antike Mythologie hierbei an "gefallene Engel" dachte, wird das Motiv durch den Kontext, in den es gestellt wurde, entmythisiert: Gemeint sind hier die "Helden der Vorzeit", die ersten 10 Generationen Menschen von Adam bis Noach, die zwar besonders lange lebten, gleichwohl aber sterblich waren. "Gottessöhne" sind für die Bibel zunächst alle Menschen, die ihre Gottebenbildlichkeit auch nach dem Sündenfall behalten (Gen. 1, 27). Der Ausdruck "Mal'ach" für Engel wird erstmals in Kapitel 19 von Genesis verwendet, in der Erzählung der Flucht Lots aus Sodom.
Im Buch Ijob (um 250-200 v. Chr.) tauchen die "Gottessöhne" dann wieder auf: Hier erscheint Satan nicht als widergöttliche Macht, sondern als einer von ihnen (Hi. 1, 6) und schließt mit Gott die "satanische Wette" um Ijobs Sündlosigkeit (v. 11f). Später erwähnt Gott die Gottessöhne nochmals als die ersten, die ihn mit den Sternen lobten - offenbar noch vor der Schöpfung der Menschen (Hi. 38, 7). Hier werden Vorstellungen einer Engelwelt sichtbar, die der Schaffung der Menschenwelt vorausgeht und die Geschicke der Menschen mitbestimmt.
In der späten Vision vom Endgericht (Dan. 7, 1-14, um 170 v. Chr.) dagegen bleiben die Throne, die um Gottes Thron aufgestellt werden, leer. Von Engeln ist hier erst nach dem Erwachen des Sehers Daniel die Rede: Sie deuten ihm das Gesicht, ohne dass sie selbst darin eine Rolle spielen. Die Menge ohne Zahl, die vor Gottes Thron versammelt ist (v. 10), sind keine Engel, sondern die, die im Endgericht bestehen und Gott anbeten.
Die Bibel geht zwar mit der Umwelt davon aus, dass es Engel - himmlische, mit Verstand und Willen begabte Geistwesen - gibt; aber sie verzichtet weitestgehend auf ein Ausmalen dieser Himmelswelt, die in anderen Religionen damals verbreitet war. Viel wichtiger ist ihr die Funktion der Engel: den Menschen Gottes Wort, Gegenwart, Absicht und vollgültigen Willen mitzuteilen. Darum erscheinen Engel in der Bibel oft einfach als "Boten Gottes" in menschlicher Gestalt. Sie sind ohne Zweifel souverän, wie Gott den Menschen weit überlegen und nicht an die Schranken und Bedingungen der menschlichen Sinnenwelt gebunden: aber diese Fähigkeiten treten meist hinter ihrer Botschaft zurück.
Die Bibel erwähnt verschiedene Arten von Engeln, ohne sie in eine klar gegliederte Engelshierarchie einzuordnen: Seraphim, Cherubim, Erzengel, Thronoi, Herrschaften, Fürstentümer und Gewalten (siehe unter anderem: 1. Samuel 4,4; Jesaja 6,2; Epheserbrief 1,21; Kolosserbrief 1,16).
Jahwe, der Gott Israels erscheint hin und wieder bestimmten Menschen (zum Beispiel Abraham im Hain Mamre und Mose im brennenden Dornenbusch) in Engelsgestalt. Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang der sogenannte "Engel des Bundes", der Hagar, Abraham, Jakob, Moses, Gideon und Elija erscheint. Daneben gibt es auch den Racheengel, in dem der Zorn Gottes Gestalt gewinnt. Vor allem aber bilden die Engel den "Hofstaat" Gottes und seine "Heeresmacht", mit der Gott Zebaot, der "Herr der Heerscharen", für und manchmal auch gegen Menschen streitet. Eine besondere Bedeutung haben Engel auch als Überbringer von Heils- oder Gerichtsbotschaften Gottes (etwa im Alten Testament bei der Zerstörung Sodoms, oder im Neuen Testament bei der Geburt Jesu und bei Jesu Auferstehung am Ostermorgen). Weitere Aufgaben der Engel sind nach biblischer Darstellung der Bibel Schutz- und Hilfsdienste für bestimmte Menschen und Menschengruppen (Psalm 91; Daniel 6,22; Matthäus (Evangelium) 18,10; Lukas (Evangelium) 16,22; Apostelgeschichte 12,7).
Eine religiöse Verehrung kommt nach Aussagen der Bibel den Engeln jedoch nicht zu (Kolosser 2,18; Offenbarung 19,10; 22,9).
Das biblische Engelbild hat mit dem der Kunst und Volksfrömmigkeit vielfach nur wenig gemein. Die verniedlichenden Darstellungen der Engel als Putten widersprechen der biblischen Darstellung. Als Wesen, die grundsätzlich der "unsichtbaren Welt" (Nicäno-Konstantinopolitanum) angehören, entziehen sie sich der Objektivierung. Dennoch kann die Sprache des Gebets (vgl. Martin Luthers Morgen- und Abendsegen), der Liturgie und der Poesie nicht auf sie verzichten.
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Jüdisch-christliche Tradition
Viele Engellehren finden sich außerhalb der kanonischen Bibelschriften. Ein typischer Vertreter dieser im strengen Sinne nichtbiblischen Schriften sind die Chroniken des Henoch, die vermutlich im 3. Jahrhundert vor Christus entstanden sind, sich jedoch aus älteren Quellen speisen. In diesen Chroniken wird ausführlich über Engel, ihre Namen, ihre Aufgaben und ihre charakteristischen Eigenschaften berichtet. Henoch beschreibt in seinen Chroniken seine Reise in die zehn Himmel, wo er das Wirken der Engel sah und dokumentierte. Die Chroniken von Henoch wurden vom Kirchenvater Hieronymus im 4. Jahrhundert nach Christus zu Apokryphen erklärt und ihnen damit der Rang einer Heiligen Schrift aberkannt. Neueste Studien haben ergeben, dass viele Inhalte der Henoch-Texte sich im Neuen Testament wiederfinden.
Das Judentum kennt neben den in der Bibel genannten Erzengeln (Gabriel und Michael) auch noch Uriel, Raphael, Sariel und Jerahmeel, die sehr spät in der Entwicklung des Judentums auftreten.
Im Mittelalter sah Maimonides Engel in einem rationalistischen Weltbild als eine biblische Umschreibung der Naturkräfte, die Gott einsetze, um seinen Willen in der Welt umzusetzen.
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Systematik und Hierarchie der Engel nach Dionysius Areopagita
1. Triade:
Seraphim sind vier bzw. sechsflügelige Symbole des Lichts, der Glut des göttlichen Feuers (Ez. 1,5 f; Jes 6,1 ff) und stehen Gott am Nächsten.
Cherubim sind Verbreiter der Erkenntnis, Ergießer der Weisheit, Beschützer des Garten Edens (Gen 3,24), werden beim Bau der Stiftshütte (Ex 25,18 ff) sowie beim Bau des Tempels Salomo (1Kön 6,23 ff) u.a. erwähnt.
Thronoi (griechisch in etwa: "erhabene Gestalten") sind die unterste Stufe der 1. Triade und bezeichnen das Erhabene. Die Septuaginta gebraucht den Begriff auch für die Seraphim, Paulus spricht im Kolosserbrief von Thronen (Kol 1,16).
2. Triade: (Kol 1,16 sowie Eph 1,23)
Herrschaften sind Beherrscher der Engel.
Mächte vollziehen unerschütterlich den Willen Gottes.
Gewalten verkörpern die unzerstörbare Harmonie.
3. Triade:
Fürstentümer verkörpern den himmlischen Führungscharakter.
Erzengel (göttliche Kohorte) fungieren vor allem als Verkünder göttlicher Offenbarung. Neben Gabriel, Michael und Raphael taucht Uriel nur in der Mosesapokalypse auf. Jakob kämpft mit Penuël (Gottesgesicht) in Gen 32,31.
Der Talmud kennt noch Samael, Sedekiel (verhindert die Opferung Isaaks), Anael (Barakiel) und Sabbataios (Schepteel). Damit ergibt sich mit Gabriel, Michael und Raphael eine Siebenereinheit wie bei Zarathustra, die sich leicht mit den Gestirnen identifizieren lassen.
Engel (Schutzengel) stehen auf der untersten Kategorie und stehen den Menschen am Nächsten. Sie haben unterschiedliche Bezeichnungen wie Scharen (Ijob 19,12 und Ps 103,21), Erscheinung (Dan 10,7) oder Geister (Offb 1,4).
Dieser Form der Hierarchienlehre wurden im Lauf der Zeit immer wieder einzelne Elemente zugefügt. Beherrscht werden die Hierarchien in den verschiedenen Religionen vom jeweiligen Schöpfergott, so im Islam von Allah und im Christentum von der Trinität (Dreifaltigkeit).
Eine tiefergreifende Änderung erfuhr die Hierarchienlehre durch die Theosophie, die den jüdischen Schöpfergott JHWH in die 2. Triade stellte und als sogenannte 4. Triade die Reihenfolge Mensch, Tier, Pflanze, Stein angab.
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Die Engellehre in der Anthroposophie
Lt. der mittelalterlichen Lehre an welche die Anthroposophie anknüpft, gibt es neun Hierarchien. Der Mensch soll einmal zur 10. Hierarchie werden, so jedenfalls Rudolf Steiner.
Es ergibt sich folgendes Schema:
Dreifaltigkeit Gott-Vater, Sohn und Heiliger Geist
1. dem Vater zugeordnet:
1.1. Seraphim
1.2. Cherubim
1.3. Throne
2. dem Sohne zugeordnet:
2.1. Kyriotetes (Weltenlenker)
2.2. Dynameis (Weltenkräfte)
2.3. Exusiai (Offenbarer) = hebräisch ELOHIM
3. dem Heiligen Geist zugeordnet:
3.1. Archai (Zeitgeister)
3.2. Archangeloi (Erzengel)
3.3. Angeloi (Engel, auch Schutzengel)
So jedenfalls stellt es Hans-Werner Schroeder in seinem Werk Mensch und Engel auf S. 151 (Fischer-Taschenbuchausgabe), dar.
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