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Christlicher Fundamentalismus












Geschichtliche Entwicklung
Der protestantische Fundamentalismus entwickelte sich in den Vereinigten Staaten über verschiedene Phasen:

Im 19. Jahrhundert gab es eine Vielzahl verschiedenartiger überkonfessioneller protestantischer Bewegungen, u.a.:

Erweckungsbewegung
Dispensationalismus
Keswick-Bewegung
Glaubensmission
Interdenominational Foreign Missions Association
Durch Erweckungsreisen im angelsächsischen Raum schufen sie die Basis für ein einendes Band. Grundlagen waren konservative Theologie, Supranaturalismus, individuelle Bekehrung, persönliches Gebetsleben, sowie eine wörtliche Bibelauslegung
Erste Phase: Konservative Theologie und Erweckungsbewegung
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer konservativen theologischen Bewegung in führenden Universitäten, die sich von der liberalen Theologie abgrenzte.

In den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts erarbeiteten Professoren der renommierten presbyterianischen Universität von Princeton, Archibald Alexander Hodge und Benjamin B. Warfield, die biblischen und dogmatischen Grundlagen der evangelikalen Theologie als Reaktion auf die von Europa herüberschwappende liberale Theologie.

Cyrus I. Scofield gab 1909 die Scofield-Bibel heraus, eine auf dem Dispensationalismus basierende Studienbibel mit Kettenreferenzen.

Ab 1910 erschien die Buchreihe "The Fundamentals", eine zwölfbändige Sammlung von Arbeiten, in der konservative Theologen aus vielen Denominationen und aus dem gesamten englischen Sprachraum die konservative Theologie gegen die historisch-kritische Exegese verteidigten. Unter den 64 Kontributoren waren theologische Schwergewichte wie B.B. Warfield, James Orr, R. und A. Torrey. (The Fundamentals online (englisch))

Aufgrund dieses Namens kam es zur Bezeichnung Fundamentalisten für die Kontributoren, die jedoch nicht dem heutigen Verständnis des Ausdrucks entspricht - heute würden diese Theologen als evangelikal bezeichnet.

Unabhängig davon fiel in diese Zeit auch das rasche Wachstum der Heiligungs- und Pfingstgemeinden, die insbesondere unter den nicht-intellektuellen Einwanderern und den Afroamerikanern Zulauf fanden.

Parallel dazu entwickelten sich auch in der "Basis" der größeren Kirchen Bewegungen, die innerhalb ihrer jeweiligen Konfession gegen die liberalen oder modernistischen Strömungen protestierten, da diese die Grundlagen des Christentums zugunsten von agnostischen Prinzipien verlassen hätten. Die "Liberalen" hätten eine säkulare, humanistische und skeptische Religion gegründet, basierend nicht mehr auf dem Christentum, sondern auf der zunehmend pluralistischen europäischen Kultur, die aus der Aufklärung entstanden sei.
Zweite Phase: Vereinigung der beiden Bewegungen
Der Beginn der zweiten Periode lässt sich auf die Gründung der World's Christian Fundamentals Association 1919 datieren, in der sich die voneinander unabhängigen konservativen Bewegungen auf der Basis von fünf traditionellen Grundwahrheiten des Christentums zusammenfanden:

die Irrtumslosigkeit der Bibel
die Gottheit Jesu Christi und seine Geburt von der Jungfrau Maria
seine stellvertretende Sühne
seine leibliche Auferstehung
die zweite Wiederkunft Christi bei der leiblichen Auferstehung der Toten
Die ersten beiden Punkte gehörten seit der Alten Kirche zu den grundlegenden Lehren des Christentums, der dritte ist in der westlichen (katholischen und protestantischen) konservativen Theologie seit dem Mittelalter unbestritten. Die beiden letzten Punkte wurden zwar in der konservativen Theologie nie abgelehnt, aber auch nie besonders betont. Hier wurden sie bewusst aufgeführt, um sich einerseits gegen die historisch-kritische Exegese und andererseits gegen die Ablehnung der Realität von Wundern abzugrenzen.

Die resultierende Bewegung wurde als Fundamentalismus bezeichnet, umfasste aber neben den eigentlichen Fundamentalisten auch die wesentlich größere Gruppe der heutigen Evangelikalen. Im Fundamentalismus gab es einerseits immer noch theologische Kapazitäten wie Gresham Machen und Cornelius Van Til - anderseits aber auch Leute wie Jay Frank Norris von den Southern Baptists oder Billy Sunday, ein ehemaliger Baseballspieler als Evangelist, die sich bestens für eine Karikatur eigneten.

In dieser Periode wurde auch die Kampagne gegen den Unterricht der Evolutionslehre an den Schulen gestartet. Weltbekannt wurde der Affenprozess 1925 gegen den Lehrer John Scopes. Ziel der Kampagne war die Verteidigung biblischer Aussagen gegen die moderne Wissenschaft.

In vielen großen Denominationen kam es zu Streitigkeiten und zu Abspaltungen der konservativen Gruppen. Dabei entstanden z. B. aus den American Baptists die General Association of Regular Baptist Churches und aus der Northern Presbyterian Church die Orthodox Presbyterian Church.

Ein interdenominationelles Netzwerk entstand unter Beteiligung von

Bibelschulen
Evangelisationsorganisationen
Missionswerken
Sommer-Bibelkonferenzen
Verlagshäusern.
Dritte Phase: Trennung von Evangelikalen und Fundamentalisten
Das evangelikale Schisma wird eingeleitet durch einen Prozess des Sich-Einlassens vieler Denominationen auf die Moderne, mit dem Ziel, diese zu evangelisieren. Diese gründen 1943 die National Association of Evangelicals.

1957 kam es zur Trennung zwischen Evangelikalen und Fundamentalisten, als der Erweckungsprediger Billy Graham sich die Kritik von den Fundamentalisten zuzog, die glaubten, dass seine Mitarbeit mit den Kirchen des Ökumenischen Rates der Kirchen einem Kompromiss mit den verderblichen Kräften des Modernismus bedeute. Bob Jones beschuldigte ihn der "Aufgabe der Religion" und des "Opfers des Evangeliums auf dem Altar zeitgemäßer Opportunität". Graham hielt am Sich-Einlassen fest. Das endgültige Schisma zwischen Evangelikalen und Fundamentalisten erfolgte 1957, nachdem die Fundamentlisten die finanzielle Unterstützung für den New York City Crusade abgelehnt hatten. Seitdem bezeichnet der Begriff strenggenommen nur mehr den verbliebenen Teil der Fundamentalisten, wenn er auch in weiterem Sinne auf die Protestantische Rechte der USA angewandt wird.
Katholischer Fundamentalismus
Auch auf katholischer Seite gibt es fundamentalistische Strömungen, die jedoch gewöhnlich nicht als Fundamentalismus bezeichnet werden. Der heutige katholische Fundamentalismus ist charakterisiert durch ein Absolut-Setzen der katholischen Tradition und eine Idealisierung der römisch-katholischen Kirche des 19. Jahrhunderts, die sich als geschlossene Gruppe gegen "moderne" Irrtümer abgrenzte (siehe auch Antimodernisteneid).

Die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils werden oft abgelehnt, die lateinischsprachige tridentinische Messe wird bevorzugt.

Typisches Kennzeichen des katholischen Fundamentalismus ist ins Extrem übersteigerter Autoritarismus.

Im Gegensatz zum protestantischen Fundamentalismus entwickelte sich der katholische Fundamentalismus in Europa, insbesondere natürlich in katholisch geprägten Ländern und Gegenden.

Den katholischen Fundamentalismus gibt es sowohl innerhalb als auch außerhalb der römisch-katholischen Kirche.

Beispiele für konservative bis orthodoxe Bewegungen innerhalb der römisch-katholischen Kirche sind Ultramontanismus, Integralismus, Comunione e Liberazione, die Priesterbruderschaft St. Petrus, Catholics United for the Faith oder Opus Dei.

Beispiele für fundamentalistische katholische Strömungen, deren Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche umstritten ist, oder die sich außerhalb der römisch-katholischen Kirche befinden, sind die Priesterbruderschaft St. Pius X. und die verschiedenen Varianten des Sedisvakantismus.
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