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Buddhismus im Westen












Ein westlicher Buddhismus?
Das Problem der kulturellen Fremdheit und die Frage nach einem genuin abendländischen Buddhismus

Gegenwärtig übt der Buddhismus unter allen nichtchristlichen Religionen die größte Faszinationskraft auf den westlichen Menschen aus. Der Umfang buddhistischer Literatur ist schier unübersehbar und beansprucht in den Regalen der Buchhandlungen zumeist die vorderen Ränge. In allen größeren Städten Europas, Nordamerikas und Australiens bestehen zahlreiche buddhistische Gruppierungen, Meditationszentren und Klöster, die auch westlichen Menschen zugänglich sind.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung stellt sich dennoch die Frage, inwieweit der Buddhismus fähig ist, sich als echte religiöse Alternative in der westlichen Welt zu artikulieren. Dabei muss gesehen werden, dass die zahlreichen im Westen vertretenen buddhistischen Denominationen sich ausschließlich auf ihre je eigene asiatische Herkunft und Tradition berufen und Ansätze zu einer Assimilation an westliche Voraussetzungen und Verstehenshorizonte kaum vorgezeichnet sind. Die Lehre sieht sich somit unweigerlich der kulturellen Fremdheit ausgesetzt. Kritiker machen geltend, dass andere Denkmuster und Symbole, zu denen sich noch eine Vielzahl von in Asien lebendigen Mythen, Legenden und volksreligiösen Beimischungen gesellen, nicht einfach kompatibel sind und sich also nicht ohne Weiteres in einen fremden kulturellen Kontext übertragen lassen, wo all diese indigenen Eigenheiten fehlen und in der Regel in ihrer tieferen Bedeutung auch nicht verstanden werden und im Ganzen auch nicht von Belang sind. Die Kritik entzündet sich primär also an den in Asien gewachsenen volksreligiösen Vorstellungen (Kult, Brauchtum, Mythen, Verständnis über die Rolle des Mönchs- und Laientums usw.), die dem Wesen und der Tradition des westlichen Menschen nicht ohne Weiteres evident erscheinen und seinem Lebensweltverständnis auch fremd sind. Kritisch hinterfragt wird ferner die unbesehene Gleichsetzung des Buddhismus mit »Esoterik« und »Mystik«, wodurch das im Buddhismus ebenfalls vorhandene aufklärerische und antimythologische Potential in den Hintergrund gerät; hierzu trägt gerade ein kultisch und mythologisch ausgerichteter Buddhismus bei. Ebenfalls in der Kritik ist die Orientierung an althergebrachten Sukzessionslinien (Beispiele: Vajrayana, Zen), die einer Neuorientierung und einer gelebten Eigenständigkeit im Westen entgegenstehen sollen. Allerdings widerspricht die starke Verbreitung des Zen und ebenfalls verschiedener Vajrayana-Schulen dieser Anschauung. Zudem gibt es inzwischen westliche Lamas, die als Tulkus (bewußte Inkarnationen) tibetischer Lamas angesehen werden.

Projekte, die einen genuin westlichen Buddhismus entwerfen, sind nicht neu, werden innerhalb der buddhistischen Szene im Westen aber noch wenig erörtert und – wo solche Diskussionen denn geführt werden – auf breiter Ebene auch kaum wahrgenommen.

Die Zielsetzung der Vertreter eines eigenständigen und also von asiatischen volksreligiösen Besonderheiten losgelösten westlichen Buddhismus beinhaltet im Wesentlichen: Reduktion auf den Kern der Lehre, wie er in den »Vier Edlen Wahrheiten« Buddhas zum Ausdruck kommt; Beachtung des mehr handlungsorientierten Bezugsrahmens des westlichen Menschen gegenüber weltabgekehrter Verinnerlichung und meditativer Versenkung; Forderung nach einer Höherbewertung der ethischen Prinzipien vor intellektueller Gelehrsamkeit und spirituellen Fähigkeiten; Abkehr von allen der abendländischen Tradition fremden Begleiterscheinungen, die sich aus volksreligiösen Gebräuchen, Selbstverständlichkeiten und historischen Spezifika einer anderen (asiatischen) Kulturwelt nähren. Ein weiteres Postulat besteht ferner im Bewusstwerden einer breiteren sozialen Mitverantwortung, damit auch in einer Stärkung des Gemeinschaftsbewusstseins und in der Förderung der Solidarität mit der uns umgebenden sozialen Mitwelt.
Prominente westliche Buddhisten
Bekannte westliche Buddhisten lassen sich in zwei Kategorien einteilen. Die einen sind Prominente wie Richard Gere, Tina Turner und Allen Ginsberg, von deren "Buddhist sein" aufgrund ihrer anderweitig bedingten Bekanntheit öffentlich die Rede ist. Zum anderen sind es Europäer und US-Amerikaner, die sich so intensiv mit dem Buddhismus beschäftigt haben, das sie ihre Erfahrung und ihr Wissen weitergeben können, die also in erster Linie wegen ihres Buddhismus einem meist etwas kleineren Publikum bekannt sind. Zu ihnen gehören z.B, Jeffry Hopkins, Pema Chödrön und Robert F. Thurman, speziell in Deutschland unter anderen Alfred Weil, Sylvia Wetzel und Udo Yesche Regel.
Kritik
Slavoj Žižek sieht den "westlichen Buddhismus" als nur scheinbares Mittel der Dynamik des Kapitalismus teil zu haben, gleichzeitig durch "innere Gelassenheit" als Anschein mentaler Gesundheit zu entkommen und so funktioniert er als "perfektes ideologisches Supplement".

Auch einige asiatische Buddhisten äußern sich immer wieder kritisch gegenüber einem westlichen, oder europäischen Buddhismus, der die asiatischen Wurzeln der Religion nicht nachvollziehen kann und andersartig ist. Andere asiatische Buddhisten haben die westlichen Menschen ermuntert, zunächst die eigenen religiösen Traditionen ihrer Kulturen wieder besser kennenzulernen, bevor sie sich für den Buddhismus entscheiden.
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