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So, weil ich einen anderen Thread nicht mit meinen Gedanken zur Armut sprengen wollte: Armut.
Sicher haben einige von euch auch schon Armut am eigenen Leib erfahren.
In meinem Leben gab es zweimal eine Periode von ungefähr einem Jahr, in dem ich mich richtig arm gefühlt habe.
Wobei sich arm fühlen und arm sein vielleicht unterschiedliche Dinge sind. Also, um es besser auszudrücken: Ich hatte sowenig Geld, daß ich mich nicht mehr einigermaßen gesund ernähren konnte. Von Kleidung und anderen Dingen mal ganz abgesehen.
Komischerweise habe ich diese Zeiten aber nicht als die unglücklichsten Perioden in meinem Leben in Erinnerung, sondern eher als "Katharsis", als Neujustierung meines Lebens und Zeit der Besinnung, wer oder was wirklich wichtig für mich ist und was ich erwarte und brauche, um mich glücklich zu fühlen. Mein Selbstwertgefühl hat durch die Armut nicht gelitten.
Vielleicht lag es auch daran, daß ich aus ziemlich bescheidenen aber gebildeten Verhältnissen gekommen bin, und ich habe Menschen immer eher danach "bewertet", was sie im Kopf und im Herzen haben anstatt am Finger und um den Hals.
Ich bin jetzt hier in Afrika mit einer ganz anderen Qualität von Armut konfrontiert. Ich finde es ziemlich schwer damit umzugehen, habe permanent ein schlechtes Gewissen nicht genug zu tun obwohl ich könnte, denn auch ich "will mein Geld behalten" und meinen Kindern eine gute Ausbildung verschaffen - ansonsten hätten wir diese Ochsentour hier gar nicht auf uns genommen.
Aber jetzt mal weg von mir. Was mich interessiert ist:
Habt ihr auch solche Zeiten erlebt?
Ab welchen Verzicht habt ihr euch arm empfunden?
Wie habt ihr sie empfunden? Nur negativ? Als "vorübergehende Phase"?
Hatte sie Einfluß auf euer Selbstbewusstsein?
Habt ihr euch geschämt? Habt ihr Hilfe gesucht/gebraucht?
Was waren die Ursachen? Eigenes Verschulden oder "äussere Umstände"?
Habt ihr euch gelähmt gefühlt oder angespornt?
Und wie habt ihr es geschafft, da wieder herauszukommen - wenn ihr es denn geschafft habt?
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@astrella,
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Habt ihr auch solche Zeiten erlebt?
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Armut im engeren Sinne eigentlich nicht. Und wie du es schon ausgedrückt hast, hat Armut auch eine gewisse subjektive Komponenete.
Ich habe viele Jahre mit vergleichweise wenig Geld gelebt. Geld hat für mich bis heute keine sonderlich wichtige Rolle in meinem Leben.
Meine Frau und ich, wird sind schon seit über 25 Jahren zusammen, haben immer nur so viel gearbeitet, wie wir zum Leben brauchten. Wir hatten meistens ein Einkommen, dass sich nur um ein paar hundert Mark über den Sozialhilfesätzen bewegte. War für uns aber nie wichtig.
Wir haben billig in einer ziemlich chaotischen, aber lustigen WG gelebt. Solange wir genug Geld hatten unsere Grundbedürfnisse zu befriedigen und noch Geld für Bücher, Tabak und ab zu ein bißchen rumreisen blieb, waren wir vollkommen zufrieden damit.
Erst als erstes Kind geboren wurde, hat sich das ein bißchen geändert.
Da hat dann der Sicherheitsgedanke sich ein bißchen stärker nach vorne gedrängt.
Aber Geld spielt für uns nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Während meines Studiums hat meine Frau fast den gesamten Lebensunterhalt für die Familie beigeschafft.
Mittlerweile arbeitet meine Frau nur noch dann, wenn sie wirklich Lust hat.
Was im Moment heißt, dass sie hauptsächlich an unserem Haus und Garten rumbastelt und renoviert - was auch eine Menge Geld spart und viele individuelle Gestaltunegn hervorbringt.
Es besteht im Moment keine existentielle Notwendigkeit, man könnte sich bestenfalls mehr leisten, als wir es jetzt ohnehin können. Aber Freiheit und Freizeit gegen ein mehr an Geld eintauschen -ohne Notwendigkeit- halten wir übereinstimmend für ziemlich überflüssig und unsinnig, um nicht zu sagen dumm. Mir macht meine Arbeit Spaß, es macht mir nichts aus, viel Zeit darin zu investieren.
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Ab welchen Verzicht habt ihr euch arm empfunden?
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Als arm haben wir uns nie empfunden. Was aber vielleicht daran lag, dass materielle Dinge nicht so im Vordergrund stehen. Verzicht empfindet du nur, wenn du etwas willst, was du nicht haben kannst.
Auch unsere Kinder mussten das von Anfang einsehen und daher ein bißchen Bescheidenheit lernen müssen. Wobei das wohl mehr für unseren Sohn galt. Und sie haben das immer akzeptiert.
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Ich finde es ziemlich schwer damit umzugehen, habe permanent ein schlechtes Gewissen nicht genug zu tun obwohl ich könnte, denn auch ich "will mein Geld behalten" und meinen Kindern eine gute Ausbildung verschaffen - ansonsten hätten wir diese Ochsentour hier gar nicht auf uns genommen.
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Eine ganz natürliche Einstellung. Man kann unseren Lebensstandart nicht auf angolanische Verhältnisse übertragen. Ich denke auch nicht, dass deswegen ein schlechtes Gewissen haben musst.
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