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Wahl des Originaltextes
Sowohl für das Alte als auch für das Neue Testament liegen eine Reihe von Handschriften vor, die an manchen Stellen voneinander abweichen. Eine Bibelübersetzung setzt daher die Auswahl einer Textversion voraus. Einige Bibelausgaben bieten Varianten aus unterschiedlichen Ursprungstexten als Fußnoten.
Im alten Testament sind die bedeutendsten Texte der hebräische masoretische Text und die griechische Septuaginta. Der masoretische Text wird in protestantischen Kirchen traditionell als der verlässlichere angesehen. Orthodoxe Kirchen bevorzugen dagegen traditionell die Septuaginta, die bereits eine Übersetzung vom Hebräischen ins Griechische darstellt. Frühere katholische Übersetzer gingen meist von Hieronymus' lateinischer Übersetzung, der Vulgata, aus. Wie Hieronymus nehmen heute auch katholische Übersetzer meist den hebräischen Text als Grundlage. Moderne wissenschaftliche Übersetzungsarbeit zieht sämtliche verfügbaren antiken Übersetzungen und die Bibel betreffende Schriften zum Vergleich heran. Dazu gehören neben der Septuaginta z.B. auch alte syrische und samartitanische Übersetzungen oder die Targumim.
Für das neue Testament gibt es eine Vielzahl an Manuskripten, deren wichtigste (Codex Vaticanus, Codex Sinaiticus) aus dem 4. Jahrhundert stammen, und seit dem 19. Jahrhundert Grundlage aller traditionellen Übersetzungen sind. Dabei ist nicht gesagt, dass diese ältesten Handschriften auch die verlässlichsten sind. Im 4. Jahrhundert waren die Schriften der Bibel schon relativ weit verbreitet. Signifikante Änderungen des Textes wären – wenn man eine solche Absicht unterstellt – logistisch kaum machbar gewesen, da diese in allen Handschriften der damaligen Welt hätten vorgenommen werden müssen. Man vertraut deshalb auch Handschriften aus späteren Zeiten, wo sie untereinander im Wesentlichen gleich sind, und spricht in diesem Zusammenhang vom Mehrheitstext oder auch byzantinischen Text.
Die Schriften der Bibel gelten als die bestüberlieferten Texte des Altertums, da sie den vermuteten Quellentexten zeitlich am Nähesten stehen. Als man 1947 in Qumran Jesaja-Abschriften aus der Zeit vor Christus fand, enthielten sie nur marginale Abweichungen von dem heute in hebräischen Bibelausgaben stehenden Text.
Die seit der Reformation maßgeblichen Grundtextausgaben waren geprägt vom so genannten "Textus receptus", einem Grundtext, der erstmals von Erasmus von Rotterdam herausgegeben wurde. Einige ältere Manuskripte haben an einigen Stellen Abweichungen, die auch theologisch bedeutsam sind. Diese haben die meisten Übersetzungen der Neuzeit geprägt.
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Revisionen
Die meisten Übersetzungen werden ständig revidiert, das heißt überarbeitet. Bedingt durch den natürlichen Sprachwandel können einst treffende, leichtverständliche Formulierungen in Vergessenheit geraten und müssen deshalb ersetzt werden (beispielsweise Luthers Eidam =Schwiegersohn, Farren = Rind etc.). Neue linguistische oder historische Erkenntnisse können Überarbeitungen notwendig machen. Veränderte Moralvorstellungen fließen ebenfalls ein (z B. Gleichstellung der Frau). Nicht zuletzt beeinflussen auch Erfahrungen in der Glaubenspraxis, die mit vorangegangen Übersetzungen gemacht wurden, spätere Übersetzungen - beispielsweise Luther, der die Glaubenssätze seiner Zeit mit großer Entschlossenheit umzusetzen versuchte, aber daran scheiterte und aus dieser Erfahrung heraus eine Neuinterpretation der Paulusbriefe entwickelte, die sich auch in seiner Übersetzung wiederfindet.
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Systematik der verschiedenen Ansätze zu einer Übersetzung
Aufgrund der unterschiedlichen Struktur verschiedener Sprachen im Allgemeinen ist eine Eins-zu-eins-Übersetzung nicht möglich. Wie Schleiermacher herausstellte, gibt es im wesentlichen zwei Strategien, mit diesem Problem umzugehen: Entweder passt man den Inhalt an den Leser an und nimmt dadurch Kompromisse in der Genauigkeit in Kauf, oder man verlangt vom Leser, sich an den Inhalt anzupassen und nimmt damit Kompromisse in der Verständlichkeit in Kauf. Man nennt diese Strategien auch zieltextorientiert und ausgangstextorientiert. Andere Bezeichnungen sind wirkungstreu und strukturtreu, wobei zu betonen ist, dass -treu hier hauptsächlich die Absicht der Übersetzer meint.
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Strukturtreu – der ausgangstextorientierte Ansatz
Der ausgangstextorientierte Ansatz stellt die Forderung den Urtext strukturtreu wiederzugeben. Es wird versucht, das Original in Bezug auf Wortwahl (lexikalisch), Wortbau (morphologisch), Syntax (Satzbau und Grammatik) oder Sprachklang (phonetisch) wieder zugeben. Strukturtreue Übersetzungen wollen den Leser in die Lage versetzen, den Text selbst so studieren zu können, als ob er die Originalsprache beherrsche.
Dabei wird in Kauf genommen, dass der Leser fremde Begrifflichkeiten erlernen und sich gegebenenfalls historische Kenntnisse aneignen muss, um den Text zu verstehen. Diesen Nachteil versucht man durch Fußnoten und Anmerkungen, beigefügte Lexika und Kommentare auszugleichen. Da die kompromisslose Einhaltung des strukturtreuen Ansatzes nicht möglich ist, bergen diese Übersetzungen die Gefahr, dass sich der Leser in einer falschen Sicherheit wiegt. Gewisse Verluste gegenüber dem Original sind beim Übersetzen unvermeidbar. Manche Ausdrücke sind wörtlich übersetzt nicht verständlich oder werden sogar falsch verstanden.
Dem Begriff strukturtreu sind folgende Begriffe untergeordnet:
Wort- und formgetreue Übersetzungen
grammatische Übersetzungen
philologische/wörtliche Übersetzungen
konkordante beziehungsweise Begriffskonkordante Übersetzungen
Interlinearübersetzungen
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Wirkungstreu – der zieltextorientierte Ansatz
Der zieltextorientierte Ansatz stellt die Forderung, den Urtext wirkungstreu wiederzugeben. Dabei steht die beabsichtigte Wirkung im Mittelpunkt, die der Text in der Ausgangssprache und Ausgangskultur haben sollte. Die selbe Wirkung wird mit Hilfe der Zielsprache in der Zielkultur angestrebt. Notwendige inhaltliche Entfernung vom Original wird hingenommen, um dem Leser einen leichtverständlichen, gut lesbaren Text zu bieten.
Diese Übersetzungen sind naturgemäß stark von der theologischen und weltanschaulichen Prägung der Übersetzer beeinflusst, da das Ergebnis von deren Interpretation des Originals abhängt. Dies muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, denn so können Übersetzungsvarianten forciert werden, die allgemein anerkannte Glaubenssätze klar zum Ausdruck bringen. Für eine theologische Meinungsbildung, die sich auf den Wortlaut der Bibel gründen möchte, eignen sich diese Übersetzungen weniger.
Die Forderung nach Einfachheit und Eindeutigkeit birgt die Gefahr, den Text auch dort zu vereinfachen, wo das Original nicht einfach und nicht eindeutig ist. Dadurch wird dem Leser unter Umständen das falsche Gefühl vermittelt, er hätte die betreffende Passage verstanden. Diesen Nachteil versucht man durch Fußnoten auszugleichen, in denen alternativ ausgangstextorientierte Übersetzungen geboten werden.
Dem Begriff wirkungstreu sind folgende Begriffe untergeordnet:
Übertragungen
kommunikative Übersetzungen
dynamisch-äquivalente Übersetzungen (von griech. dynamis = Kraft, lat. aequus = gleich + valere = wert sein) bedeutet mit der selben Wirkung wie der Urtext)
common language translation (Übersetzung in Umgangssprache)
culturally reinterpreted (bedeutet kulturell neuinterpretiert; Wie würden sich die Bibelautoren heute und hier (in der Zielkultur) ausdrücken?)
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