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Aleviten in Deutschland
Der prozentuale Anteil der Aleviten an den aus der Türkei stammenden Menschen in Deutschland ist höher als der Anteil der Aleviten an der türkischen Bevölkerung. Dies hängt einerseits damit zusammen, dass türkische Einwanderer zu einem großen Anteil aus Gebieten in der Türkei kamen, die hauptsächlich von Aleviten bewohnt waren. Andererseits erfolgte in den 80er Jahren eine verstärkte Einwanderung als Asylsuchende, da die meisten Aleviten vor dem Militärputsch auf der Seite der Opposition standen.
Obwohl die Aleviten in Deutschland eine recht homogene Gruppe bilden kann man doch zumindest drei "Richtungen" erkennen. Die Gruppe der "modernen Aleviten" (die größte Gruppe) sieht das Alevitentum als eigenständige Religion. Dieser Gruppe ist bewußt, dass das Alevitentum nicht so wie vor mehreren Jahrzehnten in türkischen Dörfern praktiziert werden kann. Statt einer Isolierung vertreten diese Aleviten die Öffnung hin zur Gesellschaft, z.B. durch die Forderung, die alevitische Religion gesetzlich anzuerkennen und eigenen Religionsunterricht erteilen zu dürfen. Nach dieser Ansicht ist das Alevitentum eine Religion unter vielen in einer multireligiösen Gesellschaft und es deswegen auch selbstverständlich, dass Menschen dem Alevitentum beitreten können.
Eine kleinere Gruppe von Aleviten sieht sich in erster Linie als Moslem und nicht als Alevit. Sie versuchen deswegen auch eine Annäherung an die Sunniten zu erreichen, z.B. in dem sie neben dem Cem-Gottesdienst auch das sunnitische Gebet in einer Moschee verrichten. Gleichzeitig will diese Gruppe aber das ursprüngliche Alevitentum bewahren und lehnt jede "Modernisierung" ab.
Eine dritte, die kleinste, Gruppe beharrt wie die erste Gruppe auf den Unterschieden zwischen Sunniten und Aleviten. Sie lehnen allerdings jegliche Veränderung ab und wollen das Alevitentum auf dem Stand von vor einem halben Jahrhundert bewahren. So lehnen sie einen Beitritt zur alevitischen Gemeinschaft ab und wollen das Alevitentum nicht einer breiteren Öffentlichkeit bekanntmachen, sondern weiter als eine Art "Geheimlehre" praktizieren. Erklären lässt sich dies durch die Erfahrung der Unterdrückung und Verfolgung durch Sunniten.
Allerdings stimmen diese Gruppen in den wesentlichen Punkten überein, so dass eine Spaltung der Aleviten sehr unwahrscheinlich ist. Vielmehr ist zu erkennen, dass zumindest die dritte Gruppe langfristig nicht weiter existieren wird, da deren Ansicht fast nur von älteren Aleviten vertreten wird. Alevitische Jugendliche in Deutschland haben normalerweise keine Unterdrückung durch Sunniten erleben müssen, so dass sie das Alevitentum selbstbewusst und offensiv nach außen im Sinne der ersten Gruppe vetreten.
Es ist festzustellen, dass die Aleviten in Deutschland einen für Aleviten (und Moslems) sehr hohen Grad an Organisierung (z.B. durch Gründung von Verbänden und Gemeinden) erlangt haben. So wurde z.B. das Kulturzentrum Anatolischer Aleviten im Jahr 2002 durch den Berliner Senat als Religionsgemeinschaft anerkannt und erhielt dadurch die Möglichkeit, alevitischen Religionsunterricht in den Berliner Grundschulen zu erteilen. Ziel der AABF (der Vereinigung der Aleviten in Deutschland) ist es, alevitischen Religionsunterricht auf Deutsch(!) in weiteren Bundesländern abhalten zu dürfen.
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Die Bedeutung der Musik im Alevitentum
Die Musik hat eine hohe Bedeutung bei den Aleviten. Sie gibt Lebensfreude und spendet Trost in Zeiten der Not. Mit der Musik wird das Leid im Leben erträglicher. Vor allem melancholische Lieder bringen die Menschen zum Nachdenken und nehmen gar die Form einer Muse an, um der Kreativität auf die Sprünge zu helfen.
Mit der Musik kann auch Althergebrachtes kritisiert und provoziert werden. Anatolische Volksmusik ist Identitätsstiftend für den einzelnen Aleviten und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl untereinander.
Die Musik hat im Alevitentum eine überaus wichtige Funktion. Eine Cem-Zeremonie ohne Musik ist heute unvorstellbar und ist für die Ausübung der religiösen Pflichten unverzichtbar, z.B. der Semah-Tanz. Für viele Aleviten ist das Instrument „Saz“ wie eine göttliche Offenbarung. Ohne dieses Instrument hätte das Alevitentum womöglich eine fundamental andere Entwicklung eingeschlagen.
Mit der Musik wird das Individuum mit der göttlichen Kraft eins. Nicht nur die „Dedes“ (alevitische Geistliche) inspirieren ihre Gemeinde, sondern ebenso der „Asik“ (auch Zakir genannt) und „Ozan“ (Volksmusiker). Mit ihren teils religiösen Textinhalten und Klängen über Ali, Schah Ismail, Pir Sultan Abdal etc. drücken sie ihre Sehnsucht nach einer besseren Welt aus, teilen mit anderen das Leid, die durch die Unterdrückung und Benachteiligung durch die Staatsmacht erleiden mussten und müssen, und konnten den alevitischen Glauben an die nächste Generation weiter vermitteln.
Viele dieser Lieder scheinen die Sorgen der Aleviten wieder zu spiegeln. In dem Augenblick des Zuhörens, vereinen sich Mensch und Musik. Gerne hören sich ältere Aleviten im geselligen Kreis die traurigsten und herzschmerzenden Lieder an, während die Tränen an der Wange entlang kullern. Dieses kollektive Trauern ist eine typisch alevitische Bewältigung ihrer Situation.
Der „Asik“ (Liebesliedersänger) von heute singt und spielt mit seinem Instrument „Saz“ nicht mehr wie früher auf dem Dorfplatz, sondern ist vielmehr in Musikcafes anzutreffen. Es ist die alevitische Musik, die die Gemeinschaft im groben zusammen hält, ihr ein Zusammengehörigkeitsgefühl vermittelt und dem Individuum bei der Identitätsbildung stützt. Die Musik verleiht dem Alevitentum das gewisse Mystische, in der viele Aleviten ihre Kraft schöpfen.
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Persönlichkeiten
Die hier aufgelisteten Personen vertreten den Alevitischen Glauben. Nicht alle wurden aber Aleviten genannt. Denn obwohl das Alevitentum genauso alt ist wie das Sunnitentum, wurde erst ab dem 13. Jahrhundert diese Benennung eingeführt.
Alevitische Heilige, Geistliche und Führer
Ein Dede oder Baba ist ein geistlicher Ältester, beides sind Vorbilder für die gesamte Gemeinschaft.
(Pir) Haci Bektas Veli
Pir Sultan Abdal (Dichter)
Pir Sey Riza
Abdal Musa - 14. Jhdt
Ali Ilhami Dede
weitere angesehene, politische Persönlichkeiten:
Sah Ahmet Yesevi - Lehrer des Haci Bektas-i Veli, Führer des Yesevi-Ordens in Kohrasan
Taptuk Emre - 13. Jhdt
Balim Sultan - 15. Jhdt
Ishak Baba - 16. Jhdt
Sahkulu
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Alevitische Dichter und Musiker
Das Wort 'Aşık' bedeutet übersetzt 'Liebender' (Verliebter), es zeigt das diese Person verliebt ist in Gott, seine Religion, die Menschen und seine Musik. Musik der Aleviten**Deyisler
Aşık Ali Izzet Özkan (1902 - 1981) - über 500 Gedichte, viele davon veröffentlicht in Büchern
Aşıki (1763- 1821/1824) - echter Name Ahmet, über 73 Gedichte
Aşık Ali Nurşani (geb. 2/2/1959) - 500 Gedichte, davon 120 in Lieder umgesetzt
Aşık Beyhani
Dadaloğlu
Aşık Daimi
Davut Sulari
Aşık Erbabi
Eşrefoğlu Rumi (15. Jhdt.)
Aşık Ferrahi
Aşık Gülabi
Aşık Hüdai
Aşık Hüseyin Çırakman
Aşık Huzuri
Aşık Ibreti
Aşık Ihsani
Karacaoğlan - 17. Jhdt.
Aşık Mahzuni Şerif (1938/1940 - 17/5/2002) - mehr als 1000 Werke (sehr bekannter türk. Musiker) - gestorben in Deutschland/Köln
Aşık Miskini
Aşık Ömer (17. Jhdt.) - einer der bedeutendsten Namen dieser Zeit
Aşık Pervani
Aşık Said (1835 - 18/1/1910) - Vater von Aşık Seyfullah
Şah Ismail Hatayi (Şah İsmayıl Xətayi)
Aşık Sem
Aşık Senlik (19. Jhdt.)
Aşık Seyfullah
Aşık Sülük Hüseyin (~1815/1820 - ~1900, wurde ~85 Jahre alt)
Aşık Sümmani
Aşık Vedayi
Aşık Veysel Şatıroğlu (1894 - 21/3/1973) - war blind
Yunus Emre (Dichter) - ein Bektaschi-Derwisch - inspiriert durch Haci Bektas-i Veli
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