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Hallo,
ich war gestern auf einer sehr interessanten Fortbildung zum Thema "Vergebung". Den Vortrag gehalten hat Dr. Beate Weingart aus Tübingen.
Ich versuche mal einen kleinen Ausschnitt des Themas wiederzugeben.
Zugegeben, das Seminar war christlich angehaucht, aber nur ansatzweise, auch als Nicht-Christ kann man sich eine Menge da rausziehen finde ich.
Zunächst wurden ein paar grundsätzliche Dinge über Vergebung erläutert, wie etwa, dass Verletzungen andauernd geschehen und in Beziehungen (Familie, Partner, Freundschaften) IMMER vorkommen. Vertrauen ist IMMER riskant.
Auch wurde festgestellt, dass Vertrauen häufiger einen "rauheren" Umgangston miteinander bedingt. Je länger man sich kennt, desto unhöflicher geht man häufig miteinander um (vermutlich leider wahr) einfach weil man vermutet, dass der Andere schon weiß, wie man das meint.
Dann wurden einige Verletzungen aufgezeigt:
Grenzverletzungen
Besserwisserei
Mißtrauen
Pauschalurteile
lächerlich machen
Ungerechtigkeit
Hinterhältigkeit
Vertrauensmißbrauch
Ignoranz
nur das Negative sehen
etc.pp.
Allen diesen Verletzungen liegt Respektlosigkeit, Achtlosigkeit zugrunde.
Vor Verletzungen schützen kann ich mich, indem ich mir klar mache:
1. und das Verhalten des Anderen hinterfrage, mir also die Frage stelle "Wie erkläre ich mir das Verhalten meines Gegenübers?"
Gehe ich
a) davon aus, dass er mich BEWUSST verletzt hat?
oder
b) davon aus, dass er mich UNbewusst verletzt hat
Letzteres ist wohl meist der Fall.
"Der Mensch ist viel gedankenloser als er denkt" (weiß leider nicht von wem das Zitat stammt)
2. ich mich hinterfrage was für "Erwartungen" hatte ich.
Erwartungen an Andere bedingen oft Enttäuschungen und Verletzungen
Vor allem sollte man Erwartungen auch ÄUßERN
und sich immer vor Augen halten, dass man zwar Erwartungen haben KANN, der Andere aber NICHT dazu da ist, diese zu erfüllen.
Eine Frage die man sich diesbezüglich stellen kann: "Ist meine Erwartung realistisch?"
3. Selbstbewusstsein zeige, habe, entwickle
Gute Wurzeln (in einem selbst) bedingen einen festen Stand und an diesen Wurzeln kann man IMMER arbeiten indem
- man gut mit sich selbst umgeht
- Menschen hat denen man wertvoll ist
- sich selbst etwas zumutet/ sich selbst fordert
Wichtig ist auch seine eignen Grenzen zu kennen und zu wahren!
Es gibt im schwäbischen ein Sprichwort (weiß nicht mehr wie es auf schwäbisch heißt, sie hats mir übersetzt ):
"Gutmütigkeit ist ein Stück Schlechtigkeit" nämlich Schlechtigkeit für sich selbst.
Loben ist auch ein wichtiger Punkt, sich selbst und andere loben.
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Reaktionen auf Verletzungen sind:
- Rückzug
dieser sollte jedoch allenfalls eine Zwischen- keine Dauerlösung sein. Allerdings gibt es Ausnahmen und man sollte natürlich nicht wieder und wieder in dasselbe Messer laufen. Wenn mich ein Hund beißt probier ich auch kein zweites Mal ob er WIEDER zubeißen wird
- Zurückschlagen
wobei Martin Luther King sich diesbezüglich sehr schlau ausgedrückt hat, indem er sagte: "Auge um Auge hinterlässt nur Blinde"
Rache bringt im Endeffekt gar nichts außer dass sie zu Hass und Groll führt und das macht auf Dauer krank.
Dann kamen wir zum Punkt Psychosomatik, das war auch sehr interessant, dass sich Verletzungen als Stress, auch als körperlicher Stress äußern. Eine kranke/ verletzte Seele bedingt einen kranken Körper.
Wer das genauer wissen möchte, dem empfehle ich das Buch zum Thema von Beate Weingart, ich nehme an, da steht das auch nochmal ausführlicher drin. An Psychosomatik war hier echt von Kopf bis Fuß so ziemlich alles dabei und wer was für Beschwerden bekommt ist wohl individuell unterschiedlich, je nachdem wo der individuelle Körper eben seine Schwachpunkte hat.
Stress ist sicherlich nicht der alleinige Auslöser, kann aber eben dazu führen, dass man anfälliger wird für Krankheit (das wäre fast nochmal ein Extrathema)
Durch Versöhnung oder Vergebung, so sagt Frau Weingart, erreichen wir ein "Entwarnungssignal" für den Körper, der dazu führt, dass die Stressreaktion nachlässt, sich auflöst.
Vergebung ist eine Chance auf inneren Frieden, Entlastung und auch äußeren Frieden.
Für Vergebung spricht, dass man es für sich selbst (nicht für den Anderen!) tut!
Und Frau Weingart unterscheidet zwischen Vergebung und Versöhnung.
Zur Vergebung brauche ich den Anderen nicht unbedingt, zur Versöhnung schon.
Viele Menschen denken irrtümlicherweise, dass sie erst vergeben können/wollen/tun, wenn der Andere sich entschuldigt. Damit allerdings machen sie oft ihre Lebensqualität abhängig von Anderen, denn Liebe verbindet ebenso wie Hass.
Was Vergebung NICHT bedeutet:
- Bagatellisierung
- Entschuldigen
- Verzicht auf Wiedergutmachung
- Versöhnung
- vergessen
- Freibrief
- "Schwamm drüber": die Beziehung wird hinterher IMMER anders sein (u.U. wie bei einem Knochenbruch, wird die Bruchstelle stärkert sein als vorher)
- Verzicht auf Abgrenzung
Die Voraussetzung für Vergebung ist jedoch immer, dass ich den anderen verantwortlich mache für sein Handeln.
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Vergebung ist ein Prozeß!:
1. emotionale Phase
Schmerz zulassen, Wut und Trauer zulassen und aushalten. Dazu stehen aber nicht stehenbleiben.
"Was man nicht zulässt kann man auch nicht loslassen!"
2. kognitiv-reflexive Phase
nachdenken
a. über den Verletzer: Was ist er für ein Mensch? Was für eine Vorgeschichte hat er? Warum handelt er/sie so?
b. über sich selbst: eigene Anteile, eignes Fehlverhalten (Erwartungen!)
In dieser Phase sind oft Dritte hilfreich, sie ermöglichen eine neue Sichtweise, neue Gedanken, haben mehr Abstand.
(Gebet kann auch helfen)
Fazit dieser Phase: refraiming, Neubewertung, Perspektivenwechel
3. Entscheidung zur Vergebung
ggf. ist ein Ritual hilfreich
Wichtig ist hier die Unterscheidung zwischen Vergebung als Willensakt als Haltung die ein bestimmtes Verhalten nach sich zieht
und zwischen Vergebung als emotionalen Umschwung, die eine Versöhnung mit dem Geschehenen bedeutet.
4. Veränderung / Anpassung der Gefühle
geschieht oft langsam (das böse G... Wort GEDULD )
Man sollte von sich selbst keine Wunder erwarten.
Aus Bitterkeit/ Groll/ Hass/ Wut wird oft Trauer, aber damit kann man leben ohne krank zu werden.
Kurzer Blick auf verschiedene christliche ASPEKTE.
Vergeben heißt hergeben: an Gott abgeben
Demut: Auch ich mache Fehler auch ich lebe von Vergebung (auch von der anderer) MenschSEIN heißt Fehler machen!
Ich kann auf Gott vertrauen, dass es gut geht, und dass es IMMER einen Weg gibt.
Ich bin nicht allein.
| Zitat: |
Der Engel der Heilung will Dir sagen: Deine Wunden können heilen, und sie werden heilen. Allerdings bedeutet Heilung nicht, dass Du sie nicht mehr spürst. Aber sie werden nicht mehr ständig eitern. Es wächst eine Narbe darüber. Und dann werden sie zu Dir gehören, ohne dass sie Dich am Leben hindern. Sie werden nicht mehr all Deine Energie auf sich ziehen. Ja, sie werden Dich sogar lebendig halten, sie werden zu einer Quelle des Lebens für Dich.
Deine Wunden werden durch die Heilung zu
einem kostbaren Besitz, zu kostbaren Perlen,
wie Hildegard von Bingen sagt. Denn dort, wo Du verwundet warst, dort wirst Du offen sein für die Menschen um Dich herum, dort wirst Du sensibel reagieren, wenn sie von ihren Wunden erzählen. Dort kommst Du in Berührung mit Dir selbst, mit Deinem wahren Selbst. Ich wünsche Dir, dass Du nicht von Deiner Geschichte der Verletzungen definiert wirst, sondern dass Du ganz in der Gegenwart leben kannst, weil Dich Deine Wunden nicht mehr am Leben hindern. |
Quelle
Ein lieber Freund von mir beschreibt es folgendermaßen:
| Zitat: |
| "Vergebung" heißt, sich selbst das Schwert aus der Brust zu ziehen... |
soweit ersteinmal
Liebe Grüße Euch
Light
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