latein überstezung


Hei Astrella, gerade als Dein neuestes Posting kam, war ich gerade am Abfassen des Folgenden:

Der Geschichtsunterricht in allen Ländern ist notgedrungen lückenhaft und einseitig. Natürlich muss zunächst einmal überhaupt ein Einstieg für die Kinder gefunden werden -- die alten Germanen und Römer. Dann kommen die Griechen, die deutschen Kaiser des Mittelalters und der ständige Zoff mit dem Papst, der 30jährige Krieg und die Eroberung der Welt durch europäische Länder. Bis dahin ist der immer noch kindliche Schüler so gelangweilt, dass sein Gehirn im Geschichtsunterricht auf Durchzug gestellt ist. Bei uns kommen noch die französischen Könige, die franz. Revolution, die Unabhängigkeit Amerikas und deren Verfassung, der Frühlingswind 1848, Preußen, Bismarck und die Reichsgründung, zwei deutsche Kaiser und die komplizierte Vertragspolitik vor dem ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik und die Nazis samt Holokaust, dem ewigen deutschen Schuldthema. Danach ist bereits mehr oder weniger Schluss. Denn dann kommt das Abitur, und die ganze übrige Welt ist immer noch nicht behandelt. Wie soll man das denn auch alles bewältigen?
Merke: Einseitige Sicht ist eine wesentliche, notwendige Eigenschaft des Menschen in der ungeheuerlichen Komplexität der Welt.
Mein Vater hat sich sehr für Geschichte interessiert - er hat jeden Monat so ein kleines Heftchen bekommen, "damals" hieß das glaube ich. Ich habe das Zeug auch verschlungen, obwohl ich vieles nicht verstanden habe.
Ich denke, auch die Eltern sind in der Pflicht, das Interesse der Kinder zu wecken, dann kann auch ein langweiliger Unterricht (ich bin wirklich beim Geschichtsunterricht einmal eingeschlafen) der Bildung nichts anhaben.
Aber dieses endlosen Herumreiten auf den deutschen Kaisern - und dafür fällt das 3. Reich flach - wer den Lehrplan entworfen hat gehört doch geteert und gefedert.
Zitat:
Bis dahin ist der immer noch kindliche Schüler so gelangweilt, dass sein Gehirn im Geschichtsunterricht auf Durchzug gestellt ist.


Also ging mir nicht so.

Zitat:
Einseitige Sicht ist eine wesentliche, notwendige Eigenschaft des Menschen in der ungeheuerlichen Komplexität der Welt.


Komisch das die dann aber bis ins sinnlose Detail behandelt werden kann. Zum Beispiel die (angebliche) Demokratie der Athener, welche immer wieder von den bösen Persern angegriffen werden. Das da z.B. Feindbilder vermittelt werden scheint keinen zu interessieren.

Zitat:
Denn dann kommt das Abitur, und die ganze übrige Welt ist immer noch nicht behandelt. Wie soll man das denn auch alles bewältigen?


Zum Beispiel in dem man den ganzen Lehrbuchverlagen erst einmal klar macht, dass man ihren Schund so nicht mehr will und dann anfängt halbwegs sinnvolle Lehrpläne aufzustellen.

Zitat:
er hat jeden Monat so ein kleines Heftchen bekommen, "damals" hieß das glaube ich. Ich habe das Zeug auch verschlungen, obwohl ich vieles nicht verstanden habe.


Das war es wohl, gibts noch immer:

http://www.damals.de/


Grüße
Zitat:
Zum Beispiel in dem man den ganzen Lehrbuchverlagen erst einmal klar macht, dass man ihren Schund so nicht mehr will


Ha! Du hast es hier mit Beamten zu tun! Da rührt sich NICHTS.

Seit Jahrzehnten wird herumreformiert am Schulsystem -- die Lehrbuchverlage drucken halt, was die Kultusministerien dekretieren. Und es ist immer nur noch dümmer und schlimmer gekommen.

Vielleicht steckt auch System dahinter. Die Mächtigen dieser Welt können keine wirklich informierte und gebildete Gesellschaft gebrauchen, sondern höchstens eine dünne Schicht etwas besser Gebildeter. Das war schon immer so. Immerhin steht es heute jedem frei, sich um die tatsächlich doch vorhandenen Bildungsmöglichkeiten zu bemühen. Damit die Bildung aber nicht ausufert, gibt es Fernsehen usw. mit täglich vielen Kubikkilometern fauligem Quatsch, den die Leute aber genügend attraktiv finden, um ihre Freizeit komplett zu verdödeln und das auch ihren Kindern zu erlauben.
Ich kenne etliche Fälle, wo eigentlich durchaus intelligente Kinder in der Schule versagten -- immer war dabei täglich stundenlanger Fernsehkonsum im Spiel. Und auch das Gegenteil habe ich erlebt: Durch die Eltern extrem dosierter Fernsehkonsum für die Kinder -- und siehe da, wie vielseitig die Kleinen sich anderweitig beschäftigen und mit Begierde alles aufgreifen, was sonst an möglichem Bildungsmaterial ihnen vor die Augen kommt!

Aber wie war doch das Ausgangsthema? Aha: "latein überstezung"

Ja, das wäre ja kein Problem, wenn heute überhaupt noch jemand Latein lernen würde. Endoxos könnte das blutrünstige Gebet dann selber übersetzen und Altgriechisch gleich draufpacken.
Na gut, wenn es sonst keiner macht.
Hier das Gebet auf Latein (einschließlich Längenzeichen wegen der korrekten Aussprache):

Sicut pastor permitte mē
Tibī servīre, Dominē.
Potestātem Tua nōbīs dās,
iungentem nōs sīcut vinculum sanctum.
Per marem sanguinis vādimus.
Prō quō animum nōbis dā et vim!

In nōminē patris, et fīliī et spiritūs sanctī ... CRACC!
Cracc? Mit was schossen denn die alten Römer, daß es "cracc" machte?
Das hört sich aber sehr lautmalerisch nach gebrochenen Knochen an.

Ich habe übrigends noch ein Wort aus dem Kimbundu gefunden, was bei uns Einzug gehalten hat: ZOMBIE (man beachte auch hier die beliebte Kombination "MB")

Bei "Cracc" könnte es sich um eine Eisenkeule contra Kopf gehandelt haben, wenn es die alten Römer gewesen wären, aber es waren ja Vatikan-inspirierte moderne Inhaber von Pistolen. Nur wusste ich nicht, was PENG auf Latein heißt. In einer lateinischen Übersetzung von Die Zigarren des Pharaos (Tim und Struppi) fand ich BANG, aber das ist entweder sehr fragwürdiges Latein oder Pistolen können nun einmal nicht auf Latein schießen.

Toll, das mit Zombie! Wusste ich noch nicht und habe gleich mal in meinem Websters's New World College Dictionary nachgeschaut, und tatsächlich: "zombie [of Afr. orig., as in Congo zumbi, fetish] 1. in voodo cults in W Africa, the python deity".

Hatten deine Sprößlinge Gelegenheit, ganz nebenbei auch Kimbundu aufzuschnappen? Oder erschöpfte es sich mit Deutsch und Englisch?
Meine Angestellten sprechen alles durcheinander, Kimbundu, Umbundu, aber meistenteils eben Portugiesisch, weil die Sprachen untereinander anscheinend nicht verständlich sind.
Bis auf ein paar Babysprachenwörter (mjam-mjam für lecker, uoh-uoh für schlafen, bum-bum für ..äh.."groß") ist noch nichts in unseren Wortschatz eingedrungen. (Mjam-Mjam ist wirklich das Kimbunduwort für lecker)
Kimbundu scheint ziemlich oft die Verdopplung von Worten als Steigerung zu haben - liegt ja auch irgendwie nah.
Ich hatte einmal in einer Buchhandlung ein Buch in Kimbundu in den Händen, allerdings unterscheidet sich die Aussprache von dem geschriebenen Wort doch erheblich - jedenfalls für uns. Eine ganze Latte von Konsonanten in ungewohnter Kombination, gerade am Wortanfang, viele "Z"s, die ich aber in der gesprochenen Sprache nicht höre. *schulterzuck*
Wäre hier wahrscheinlich ein Paradies für dich
Ich hab schon meine Schwierigkeiten mit dem Portugiesisch. Sobald jemand portugisisches Portugisisch spricht oder brasilianisches, verstehe ich kaum was. Wahrscheinlich halten die Lehrerinnen meiner Kinder mich für völlig behämmert, aber ansonsten komme ich unter Einheimischen gut zurecht.
Ein paar Wochen in Portugal, und Du bist sprachlich nicht mehr von den Portugiesen zu unterscheiden. Vor 25 Jahren wurde ich in Lissabon mal für meine besonders gute Aussprache von "sopa de feijão" gelobt.
Sicher, ist alles Gewöhnungssache.
Ich habe mit Spanisch mein Abi gemacht, und Portugisisch kam mir ausgesprochenen "u"s und "sch"s vor wie ein gaaanz böser ungebildeter Dialekt.
Schon merkwürdig, wie man sich in eine Sprache reinhören kann. Was mich zu Anfang noch irritert hat, war die andere Sprachmelodie. Bei Sätzen, in denen etwas erklärt wird, geht der Ton am Schluß nicht tiefer, sondern bleibt in gleicher Höhe, was für meine Ohren immer ein bißchen nöglig-besserwisserisch-vorwurfsvoll klingt. Meine Tochter hat das als erstes adaptiert und auch im Deutschen so gesprochen. Ich hätte sie schütteln können!
"Sopa de feijao" hab ich noch nie probiert, ich mach auch einen Bogen um die einheimische Kost - bis auf die Fleischgerichte, aber den Manjokmehlpapp, den funji, werde ich höchstens mal machen, wenn ich Tapetenkleister brauche.