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Zen / Zen-Buddhismus












Ziele

Indem während des Übens die Flut der Gedanken zur Ruhe kommt, wird das Erleben von Stille und Leere möglich.


Vor allem im Rinzai-Zen wird die mystische Erfahrung der Erleuchtung (Satori, Kensho), ein oft plötzlich eintretendes Erleben universeller Einheit, d.h. die Aufhebung des Subjekt-Objekt-Gegensatzes, zum zentralen Thema. In diesem Zusammenhang ist oft von "Erwachen" und "Erleuchtung" (pali/sanskrit: Bodhi), vom "Buddha-Werden", oder der Verwirklichung der eigenen "Buddhanatur" die Rede. Diese Erfahrung der Nicht-Dualität ist der sprachlichen Kommunikation kaum zugänglich und kann auch einer Person ohne vergleichbare Erfahrung nicht vermittelt werden. So ist es im Zen mehr als unüblich, darüber mit einer anderen Person als dem Zen-Lehrer zu sprechen.

Im Soto-Zen tritt die Erleuchtungserfahrung völlig in den Hintergrund. Zum zentralen Begriff von Zen-Praxis wird Shikantaza, "einfach nur sitzen", d.h. die absichtslose, nicht auswählende Aufmerksamkeit des Geistes in Zazen, ohne einem Gedanken zu folgen oder ihn zu verdrängen. Zazen wird im Soto also nicht als Mittel zum Zweck der Erleuchtungssuche verstanden, sondern ist selbst Ziel und Endpunkt. Zur Verwirklichung dieses absichtslosen Sitzens zentral ist Hishiryo, das Nicht-Denken, d.h. das Hinausgehen über das gewöhnliche, kategorisierende Denken. Dogen schreibt im Shobogenzo Genjokoan dazu die berühmte Passage:

"Den Weg zu studieren heisst sich selbst zu studieren, sich selbst zu studieren heisst sich selbst vergessen. Sich selbst zu vergessen bedeutet eins zu werden mit allen Existenzen."
Geschichte
Das Zen, wie wir es heute kennen, ist von vielen Kulturen über anderthalb Jahrtausende beeinflusst und bereichert worden. Seine Anfänge sind im Indien des 5. Jahrhunderts vor Christi Geburt zu suchen, mit dem Beginn des Buddhismus. Diese neue Strömung hat eine Reihe Parallelen zum Yoga. Nachdem Bodhidharma der Legende nach im 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung die buddhistische Lehre nach China brachte, sind Elemente des Taoismus mit eingeflossen. Die chinesische Zeit hat einen erheblichen Anteil an der heutigen Zen-Lehre. Eine Vielzahl von Schriften mit Gedichten, Anweisungen, Gesprächen stammt aus dieser Zeit. Aus diesem Grunde findet man viele Begriffe heute sowohl in chinesischer als auch japanischer Bezeichnung. Das erste nachweisbare Schriftstück ist das Shinjinmei von Meister Sosan aus dem 7. Jahrhundert. Die Überbringung der Lehre durch Dogen nach Japan im 13. Jahrhundert hat wiederum Elemente des Shintoismus einfließen lassen. Im 19. und besonders im 20. Jahrhundert erreichte das japanische Zen Europa und Amerika und wurde ebenfalls erweitert und verknüpft mit christlichen Lehren u. a.
Ursprung
Der Legende nach soll der historische Buddha Shakyamuni seiner Schülerschar einst eine Blume gezeigt haben, die er zwischen seinen Fingern drehte. Nur sein Schüler Kashyapa verstand diese Geste unmittelbar als zentralen Punkt der Lehre Buddhas und lächelte.

Da diese Einsicht des Kashyapa - die im übrigen tatsächlich alles enthält, was Zen ist - nicht schriftlich zu fixieren ist, erfolgt die Übermittlung seitdem persönlich von Lehrer zu Schüler. Man spricht dabei von sogenannten Dharma-Linien (d.h. in etwa: Lehr-Richtungen). Diese besondere Form der Weitergabe wird um das Jahr 1000 folgendermassen charakterisiert:

Eine Übermittlung außerhalb jeglicher Doktrin,
die sich weder auf Worte noch auf Schriften stützt.
Ein direktes Hinweisen auf des Menschen Herz:
Wer sein eigenes Wesen schaut, ist ein Erwachter (Buddha).

Die Zen-Überlieferung setzte sich fort über 27 indische Meister bis zu Bodhidharma, der die Lehre nach China gebracht haben soll und so zum ersten Patriarchen des Chan wurde (für die weitere Geschichte des chinesischen Zen siehe dort).

Bodhidharma (skt. बोधिधर्म, chin. Damo 達摩, jap. Daruma だるま) * um 440 - † um 528
Hui-ke (慧可, jap. Daiso Eka) *487 - †593
Seng-can (僧燦, jap. Konchi Sosan) * ? - †606
Dao-xin (道信, jap. Dai'i Doshin) *580 - †651
Hung Ren (弘忍, jap. Dai'man Konin) *601 - †674
Hui Neng (慧能, jap. Daikan Eno) *638 - †713
Nach dem 6. Patriarchen teilt sich die Linie in verschiedene Schulen auf. Für das China der Zeit um 950 spricht man von den 5 Häusern:

Igyo (chin. Gui Yang 潙仰)
Rinzai (chin. Lin Ji 臨済) von Eisai Zenji nach Japan gebracht
Soto (chin. Cao Dong 曹洞) von Dogen Zenji nach Japan gebracht
Ummon (chin. Yun Men 雲門)
Hogen (chin. Fa Yan 法眼)
In der Folge entstanden bis in die Gegenwart weitere Schulen, darunter:

Obaku (chin. Huang Po 黄檗)
Sanbô Kyôdan
Japan
Zunächst scheiterten die Versuche, Zen nach Japan zu importieren: Dosho (629-700) begründete in Japan die erfolglose Hossô-Schule und baute eine Halle für Zen-Meditation, nachdem er 653 nach China gepilgert war. Weil ihn die Kaiserin eingeladen hatte, kam um 810 der chinesische Rinzai-Meister Yikong (jap. Giku) nach Japan. Für ihn wurde ein Kloster gebaut, welches aber kaum Zulauf hatte. Schließlich ging Kakua im Jahr 1171 nach China, um dort Rinzai zu studieren, doch blieb auch diese Unternehmung historisch folgenlos.

Dann reiste Myôan Eisai (1141-1215), ein Mönch der Tendai-Schule, 1168 und 1187 nach China. Nachdem er mehrere Jahre dort Zen studiert hatte, wurden ihm die Ehren eines Zen-Meisters der Oryo-Line des Rinzai-Zen zuteil. Nachdem er nach Japan zurückgekehrt war, gründete er das erste Rinzai-Kloster in seinem Heimatland. Die spezielle Oryo-Linie des Rinzai-Zen erlosch in Japan allerdings bereits nach einigen Generationen wieder.

Allerdings war Eisai der erste Lehrer von Dogen Kigen (1200-1253). Letztgenannter wurde bereits mit 13 Jahren Novize in dessen Kloster und studierte Eisais Rinzai-Zen unter ihm selbst und seinem Meisterschüler. Kurz nach Eisais Tod reiste Dogen 1223 mit dem Dharma-Nachfolger von Eisai, Myozen nach China, wo sich ihre Wege trennten. Dogen lernte unter Rujing (jap. Tendo Nyojo)(1163-1228) und erlangte ungewöhnlich tiefe Einsicht und Erleuchtung. Als er 1227 als Zen-Meister nach Japan zurückkehrt, brachte er eine Lehre und Praxis mit, die sich auf zwei Kerngedanken konzentrierte: Shikantaza ("nur sitzen") und Shinjin datsuraku ("Körper und Geist abstreifen"). Mit der Gründung des Klosters Eihei-ji im Jahre 1244 etablierte er die Soto-Schule in Japan. (...)

(...)

Die japanische Kultur wurde durch Zen stark beeinflusst. Aus dem Bemühen von Gelehrten, Künstlern und der Samurai um ein tieferes Verständnis von Zen entstanden (vorwiegend in der Rinzai-Schule) eine Reihe verschiedener Disziplinen, die als Wege (Do) des Zen bekannt wurden:

Chado - der Weg der Teezeremonie (Teeweg)
Shodo - der Weg der Schreibkunst
Iaido - der Weg der Schwertkunst
Kyudo - der Weg des Bogenschießens
Budo - der Weg des Kriegers
Kado - der Weg des Blumenarrangements (auch: Ikebana)
Suizen - das kunstvolle Spiel der Shakuhachi-Bambusflöte
Zengarten - die Kunst der Gartengestaltung
Zen wurde zur Geisteshaltung wichtiger Familien der Kriegerkaste (Samurai) und gewann so Einfluss auf die Kriegskünste (Budo). Dadurch entstanden jedoch auch Verbindungen zum japanischen Nationalismus, die nach dem Zweiten Weltkrieg auch aus Reihen des Zen selbst kritisiert wurden.
Moderne
In der Neuzeit ist die Verbreitung des Zen in Japan zurückgegangen, jedoch wächst die Zahl der Anhänger in den westlichen Ländern. Begünstigt durch fehlenden Dogmatismus gibt es auch Verbindungen zur katholischen Kirche. Wichtige Vermittler als Priester und gleichzeitig Zen-Meister sind:

Pater Hugo Makibi Enomiya-Lassalle SJ (1898-1990) und
Pater Willigis Jäger OSB (Ko-un Roshi).
Ein wichtiger zeitgenössischer Dharma-Lehrer ist der Vietnamese Thich Nhat Hanh, der Zen (Mahayana) mit Elementen des Theravada-Buddhismus (Vipassana) verknüpft.

Der japanische Zen-Meister Taisen Deshimaru Roshi, Schüler des Soto-Zen-Meisters Kodo Sawaki Roshi, kam in den sechziger Jahren nach Frankreich, wo er bis zum seinem Tod (1982) Zen lehrte. Er hinterließ eine große Schülerschaft die bis heute wächst und mit verschieden Zen-Organisationen in ganz Europa vertreten ist. Deshimaru gründete 1970 die Gesellschaft Association Zen Internationale (AZI).

Die Soto-Zen Schule wird in Deutschland aktuell vertreten durch Rev. Shoju Nakagawa und Rev. L. Tenryu Tenbreul.

Der Soto-Zen Dachverband, das Soto Zen Buddhism Europe Office, wird von Rev. Genshu Imamura geleitet und sitzt in Mailand.

Der japanische Zen-Meister Kyozan Joshu Sasaki, der seit 1962 Zen in den USA lehrt, war seit 1979 regelmäßig nach Österreich gekommen, um dort Vorträge zu halten und Sesshins durchzuführen. Sein Wirken und das seiner Schüler, allen voran die Aufbauarbeit von Genro Seiun Osho in Wien und Süddeutschland trugen wesentlich zur Etablierung der Rinzai-Zen Schule im deutschen Sprachraum bei. Ein weiteres Standbein des Rinzai-Zen ist das, durch den japanischen Zen-Meister Hozumi Gensho Roshi betreute und vom deutschen Zen-Mönch Dorin Genpo Osho geleitete Zen-Zentrum Bodaisan Shoboji in Dinkelscherben, dem einige Zen-Gruppen in Deutschland zugeordnet sind.

Daneben gibt es im Westen auch Anhänger und Praxis-Gruppen der chinesischen (Chán; traditionell: 禪 / vereinfacht: 禅), koreanischen (Seon) und vietnamesischen (Thiền) Tradition.
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