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Zen / Zen-Buddhismus












Ethik des Zen
Zen besitzt auch eine eigene Ethik. In ihrem Mittelpunkt steht die Einsicht, daß wir anderen nur helfen können, wenn wir uns selbst befreit haben (analog zu den Konsequenzen aus dem christlichen "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!"). Die Zuwendung zu anderen Lebewesen in sorgender Liebe und Solidarität ist dabei allerdings niemandem - keinem Gott, keinem Buddha, keiner Offenbarung oder Lehre - geschuldet, sondern erwächst aus der inneren Einsicht, die durch die Fortschritte in der Zen-Praxis reift, von selbst.

Wenn der Zen-Praktizierende zu begreifen beginnt, daß alles im Kosmos miteinander in Verbindung steht, wird offensichtlich, dass keine real existierende Grenze zwischen dem einzelnen Übenden und allen anderen Menschen besteht. Hieraus folgt die Einsicht, daß jede schädigende, aber auch jede helfende Handlung letztlich auf den Verursachenden zurückfällt. Die Ethik des Zen-Buddhismus kann also als "pragmatischer Altruismus" charakterisiert werden.

Da im Zen Dualismen wie gut/böse oder falsch/richtig abgelehnt werden, kann es auch keine allgemein verbindlichen Vorschriften oder Gebote geben, auch wenn sich die Mönche der Regel freiwillig zu solchen verpflichten (Kai). Die einzige gültige Maxime ist die allgemeine Förderung des Lebens, oder umgekehrt: die Vermeidung des Tötens. Eine große Rolle spielt dabei Mitgefühl und Mitleid mit den Mitgeschöpfen. Die Zen-Praxis hat das Wohl aller fühlenden Wesen im Blick, in einem Gelübde heisst es: "Wie zahlreich auch immer die fühlenden Wesen sein mögen, ich gelobe, sie alle zu retten."

Im übrigen pflegt Zen eine Situationsethik, die immer nur im real eintretenden, konkreten Fall entscheidet. Sie bürdet dem Handelnden damit eine große Verantwortung auf. Auch sonst liegt der Schwerpunkt des Handelns in der Interaktion mit anderen Individuen - ein gesellschaftspolitisches Engagement wird zumeist eher ablehnend beurteilt: wer die Welt retten will, sollte zuerst mit sich selbst beginnen und danach seinem Nachbarn helfen. Diese Haltung führt dazu, dass Zen ab und zu quietistische, eskapistische und politisch-konformistische Tendenzen vorgehalten werden.
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