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Mahayana-Buddhismus












Mahayana-Buddhismus
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Mahayana (Sanskrit, n., महायान mahāyāna, dt. das große Fahrzeug) ist eine der zwei bzw. drei Hauptrichtungen des Buddhismus (neben Theravada und – je nach Systematik – Vajrayana).
Entstehung
Der Name bedeutet Großer (bzw. Alter) Weg und steht für das Ziel, alle fühlenden Wesen aus Samsara zu befreien. Die Lehren des zweiten Drehens des Dharma-Rades durch Buddha Shakyamuni wurden von Nagarjuna enthüllt und etwa ab dem zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, also etwa 500 Jahre nach Buddhas Tod ausgiebig gelehrt. Anhänger des Mahayana nehmen an, diese Belehrungen seien bis dahin nur im Geheimen weitergegeben worden, da die Zeit für ihre Verbreitung noch nicht gekommen sei. Aus den Lehren des zweiten Drehens entwickelte sich die Mahayana-Tradition und der Bodhisattva-Pfad. Die Lehren des ersten Drehens des Dharma-Rades, aus denen sich die Hinayana-Tradition (Kleiner Weg) entwickelte, sind nach Ansicht des Mahayana für Menschen gedacht, die am Anfang des Dharma-Weges stehen, noch stark nach relativen Phänomenen greifen und deren primäres Interesse darin besteht, schnellstmöglich vom Leid befreit zu werden.
Motivation
Mahayana und Hinayana unterscheiden sich insbesondere in der Motivation. Während der Hinayana-Anhänger Erleuchtung anstrebt, um für sich selbst die leidvolle Existenz im Kreislauf des Leidens (Samsara) zu überwinden, strebt der Mahayana-Anhänger danach, nicht nur sich selbst aus diesem Kreislauf zu befreien, sondern allen fühlenden Wesen zu helfen, Samsara zu überwinden. Er stellt dabei im Ideal den 'eigenen' Wunsch nach Erleuchtung zurück, damit alle fühlenden Wesen (von denen er/sie 'selbst' ja eines ist) Zugang zur Erleuchtung erlangen. Diese Einstellung wird im Mahayana-Buddhismus auch als Bodhisattvageist, als das kostbare wunscherfüllende Juwel umschrieben oder als bodhicitta = Erleuchtungsgeist bezeichnet.


"Die Grundlage des Mahayana-Weges ist der Erleuchtungsgeist; Dieser erhabene Gedanke ist der eine Pfad, der von allen Buddhas begangen wurde. Niemals diesen edlen Pfad des Erleuchtungsgedankens verlassend und von Mitgefühl für alle Lebewesen erfüllt, rezitiere das Sechs Silben Mantra (OM MANE PADME HUM)" "Der "Erleuchtungsgeist",oder Erleuchtungsgedanke, Bodhicitta in Sanskrit, ist der Wunsch, Erleuchtung um des Wohls aller Wesen willen zu erlangen. Bodhicitta hat zwei Aspekte, den relativen und den absoluten. Absolutes Bodhicitta ist das Erkennen der allen Lebewesen innewohnenden Buddha-Natur und gelingt nur denen, die die Leerheit aller Phänomene erkennen. Da dies nicht leicht zu verstehen ist, beginnt man üblicherweise mit der weniger schwierigen Praxis des relativen Bodhicitta. Relatives Bodhicitta ist ebenfalls zweigeteilt, in ein Bodhicitta des Bestrebens und ein Bodhicitta des Anwendens. Ersteres ist der Wunsch, zum Wohle aller Wesen Erleuchtung zu erlangen und letzteres das Umsetzen dieses Wunsches in die Tat durch das Üben der sechs Paramitas. In anderen Worten: Bodhicitta des Bestreben ist, was das Ziel anpeilt, und Bodhicitta des Anwendens sind die Mittel, mit deren Hilfe das Ziel erreicht wird. Der Kernpunkt des Mahayana ist, dass beides Bestreben und Anwenden, nicht auf uns zielt, sondern auf alle Lebewesen, solange Samsara existiert. Wie fängt man es an, das Bodhicitta des Bestrebens zu entwickeln - das Gefühl des Mitleids mit allen Wesen, das den Wunsch in uns erweckt, um ihretwillen Erleuchtung zu erlangen? Als erstes nehmen Sie Chenrezig zum Zeugen Ihrer Entschlossenheit, Verwirklichung zu erlangen, um anderen dienen zu können. Als nächstes versuchen Sie dann, die Einstellungen zu überwinden, nur denen helfen zu wollen, die Ihnen nahestehen, und gegenüber den Bedürfnissen von anderen, die Ihnen unsympathisch sind, abweisend zu sein. Jedes einzelne dieser Wesen, auch das allerkleinste Insekt möchte glücklich sein und nicht leiden, nur weiß keins von ihnen, das Leiden durch negatives Verhalten hervorgerufen wird und Glück aus einem heilsamen Geist entsteht. Wenn Sie daran denken, wie die Wesen, Blinden in einer riesigen Wüste ähnelnd, hoffnungslos im Leid versinken, bleibt Ihnen gar nichts anderes übrig, als ein tiefes Mitgefühl zu empfinden. (...) Mitgefühl zu empfinden ist der Ausgangspunkt. Anschließend müssen Sie ihren Wunsch, Ihr Bestreben in Handeln umsetzen. Doch wie Atisha sagt: "Was zählt, ist die Absicht." Wenn Ihr Geist immer von der Absicht, das Wohl anderer zu bewirken, erfüllt ist, entwickelt sich das Bodhicitta des Anwendens von allein - ganz gleich, wie Ihr Verhalten nach außen wirkt. Wenn es Ihnen gelingt, diese Bodhicitta-Gesinnung zu bewahren, werden Sie nicht nur niemals vom Weg abkommen, sondern auch mit Sicherheit Fortschritte auf ihm machen. Wenn Körper, Rede und Geist ganz von dem Wunsch, allen Wesen zu helfen, durchdrungen sind, wenn Ihr Ziel vollendete Buddhaschaft für sich und die anderen ist, dann wird auch die kleinste Tat, eine einzige Rezitation des MANI oder eine einzige Niederwerfung diesen Wunsch ohne Zweifel rasch in Erfüllung gehen lassen. Die sechs Silben des Mantra, die Essenz von Chenrezigs Sein, sind die sechs Paramitas in Form eines Mantra. Wenn Sie das Mantra rezitieren, erwachen spontan die sechs Paramitas und das Bodhicitta des Anwendens wird ausgeführt. Es heißt, das die, die im Gefängnis von Samsara leiden, in dem Augenblick, da sie den Erleuchtungsgedanken in sich entfachen, von den Buddhas als Söhne und Töchter angenommen werden und das sie von Menschen und Göttern gerühmt werden. Ihre ganze Existenz bekommt nun einen neuen Sinn - und all dies dank der unermeßlichen Wirkkraft des edelsteingleichen Bodhicitta. Bodhicitta ist die Essenz der vierundachtzigtausend Unterteilungen von Buddhas Lehre, gleichzeitig aber ist es einfach, auch für AnfängerInnen leicht zu verstehen und zu praktizieren."

aus Dilgo Khyentse: Das Herzjuwel der Erleuchteten, Theseus Verlag, Berlin
Bodhisattva
Der Mahayana-Anhänger kann auf seinem Weg Hilfe durch Bodhisattvas erhoffen: Bodhisattvas sind Wesen, die unmittelbar vor dem Eingang ins Nirvana stehen und allen anderen fühlenden Wesen beim Erreichen dieses Ziels helfen. Verehrt wird besonders der Bodhisattva Avalokiteshvara (Sanskrit: der Herr, der den Schrei der Welt hört), der oft in tausendarmiger Gestalt dargestellt wird. Diese tausend Arme symbolisieren seine/ihre Fähigkeit, in unglaublicher Fülle mitfühlend zu handeln. Aber auch andere Bodhisattvas wie Manjushri, Vajrapani oder Maitreya sind bedeutend.
Die 18 Hauptgelübde des Bodhisattva
Folgende Handlungen sind aufzugeben:

Dich selbst loben und andere herabsetzen, weil du daran anhaftest, Gaben zu empfangen, als Lehrer geehrt und geachtet zu werden und im allgemeinen auf Gewinn aus bist.
Denen, die leiden und ohne Beschützer sind, keine materielle Hilfe zukom­men lassen und ihnen nicht den Dharma lehren, weil du geizig bist und Wissen nur für dich allein anhäufen willst.
Nicht zuhören, wenn jemand, der dich früher beleidigt hat, seinen Fehler zugibt und um Verzeihung bittet und gegen diesen einen Groll hegen.
Die Belehrungen des Buddha verurteilen und falsche Anschauungen haben.
Sich Gaben an die Drei Juwelen der Zuflucht durch Hinterlist, Raub oder üble Machenschaften aneignen.
Die drei Lehrkörbe (Skt. Tripitaka) verachten und behaupten, dass diese Texte nicht Lehren des Buddha seien.
Mönche aus dem Kloster oder der Mönchsgemeinschaft (Skt. Sangha) aus­schließen, auch wenn sie ihre Gelübde gebrochen haben, weil man ihnen nicht vergibt.
Eines der fünf abscheulichen Verbrechen begehen: die Mutter, den Vater oder einen Arhat töten, mutwillig das Blut eines Buddhas vergießen, Zwietracht in der Mönchsgemeinschaft (Skt. Sangha) säen, indem man abweichende, falsche Ansichten unterstützt und verbreitet.
Anschauungen hegen, die mit den Belehrungen des Buddhas im Wider­spruch stehen, wie Sektierertum, Unglaube in bezug auf die Drei Juwelen der Zuflucht, das Gesetz von Ursache und Resultat usw.
Einen Ort vollständig durch Feuer, Bomben, Verunreinigung oder schwarze Magie zerstören.
Die Leerheit (Skt. Sunyata) denen lehren, die noch nicht bereit sind, sie zu verstehen.
Menschen davon abhalten, nach der vollständigen Erleuchtung der Buddhaschaft zu streben und sie ermutigen, nur ihre eigene Befreiung vom Leiden anzustreben.
Menschen ermutigen, die Gelübde der moralischen Disziplin, die sie abgelegt haben, aufzugeben.
Andere dazu bringen, deine eignen falschen Ansichten über das Hinayana, die du vielleicht hast, zu teilen sowie die Belehrungen des Hinayana herabzuset­zen und sagen, dass seine Praxis nicht zum Nirvana führt.
Den Dharma ausüben, unterstützen oder lehren mit dem Ziel, finanziellen Profit und Ruhm zu gewinnen, währenddem man von den eigenen Motiven sagt, sie seien rein, und behauptet, dass einzig andere den Dharma aus solch niedriger Gesinnung heraus praktizieren.
Obwohl du vielleicht wenig oder kein Verständnis der Leerheit hast, anderen sagen, dass sie genau so groß und innerlich realisiert würden wie du, wenn sie ein ebenso tiefes Verständnis wie du erlangen.
Von anderen Geschenke annehmen und andere ermutigen, dir Dinge zu geben, die ursprünglich als Gaben für die Drei Juwelen der Zuflucht gedacht waren.
Etwas von den Mönchen wegnehmen, die sich in Meditation üben, und es denen geben, die bloß Texte rezitieren.
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