Ritus


Ritus
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Ein Ritus (von lateinisch ritus, plural: Riten) im engeren Sinn ist ein fester, in den wesentlichen Grundzügen vorgegebener Ablauf religiöser und insbesondere liturgischer Vollzüge. Im weiteren, abgeleiteten Sinn wird der Ausdruck auch verwendet, um eine feste Gewohnheit eines Menschen oder einer Gruppe zu beschreiben.

Bei Riten im engeren Sinn kann man auf der einen Seite einen jeden solchen vorgegebenen Ablauf (die Rezitation eines Mantras oder eines Gebets, die Segnung eines Kindes, den Vollzug einer Taufe o.ä.) als Ritus bezeichnen, auf der anderen aber auch den ganzen Komplex der verschiedenen Formen von liturgischen Vollzügen einer Kirche, einer Teilkirche oder einer Gruppe von Kirchen. So spricht man etwa vom Lateinischen Ritus, dem Byzantinischen Ritus, dem Zairischen Ritus und den verschiedenen Östlichen Riten.

In diesem letzteren Sinn formuliert das 2. Vatikanische Konzil im Hinblick auf die verschiedenen Riten der katholischen Kirche, ihre Bewahrung und Erhaltung sowie notwendige Reform: "Treu der Überlieferung erklärt das Heilige Konzil schließlich, dass die heilige Mutter Kirche allen rechtlich anerkannten Riten gleiches Recht und gleiche Ehre zuerkennt. Es ist ihr Wille, dass diese Riten in Zukunft erhalten und in jeder Weise gefördert werden, und es ist ihr Wunsch, dass sie, soweit es not tut, in ihrem ganzen Umfang gemäß dem Geist gesunder Überlieferung überprüft und im Hinblick auf die Verhältnisse und Notwendigkeiten der Gegenwart mit neuer Kraft ausgestattet werden." (SC 4)

Der Ritus gilt auch als äußeres, sichtbares Zeichen einer inneren und geistigen Gnade.
Ritus außerhalb der Religion
Außerhalb der Religion bezeichnet Ritus den vorgesehenen, stets in der selben Weise wiederkehrenden Verlauf eines Tuns.

Zum Beispiel empfehlen Ärzte als Hilfe gegen Schlaflosigkeit, sich einen Ritus anzugewöhnen, das heißt vor und beim Zubettgehen immer die selben Dinge in der selben Reihenfolge in der selben Weise zu tun. Die Promotion zum Doctor geschieht "rite", wenn der Promovierte die Prüfung besteht, ohne dass seine Leistung eine Hervorhebung verdient (etwa durch den Zusatz "* laude" oder "magna * laude").

Zoologen sprechen von Ritus, wenn ein Tier ein begonnenes Verhalten auch dann zu Ende bringt, wenn die Fortsetzung keinen Nutzen mehr bringt. Zum Beispiel holt eine brütende Gans ein Ei, das aus dem Nest gerollt ist, mit einer Scharrbewegung des Schnabels ins Nest zurück. Wenn ein Verhaltensforscher das Ei wegnimmt, bevor es ins Nest gelangt ist, so setzt die Gans-Mutter ihre Scharrbewegung bis ins Nestinnere fort, obwohl sie kein Ei mehr unter dem Schnabel hat.