Perlen der Himmelskrone Mariens


Fipps, seit wann hast du ein Faible für Pfarrer Schleyer ?

Zitat:
Johann Martin Schleyer (* 18. Juli 1831 in Oberlauda; † 16. August 1912 in Konstanz) war ein katholischer Priester, Lyriker und Philanthrop. Er erfand um 1880 die Plansprache Volapük.


Zitat:
In jener Nacht sprach Gott im Traum zu ihm und schlug ihm vor, er solle doch statt eines Weltalphabets doch gleich eine Welthilfssprache schaffen.



http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Martin_Schleyer

Lustig fand ich das:

Obwohl er bereits 1888 aus gesundheitlichen Befürchtungen heraus die letzte Ölung erhielt, verstarb er erst 1912 in Konstanz.

Da hat er sich viel Zeit gelassen, um zu gehen
@Gabriele

Als Freund aller skurrilen Dinge habe ich mich schon früh auch für konstruierte Sprachen interessiert. Mit 16 lernte ich Esperanto. Bald hörte ich auch von Volapük, aber in den 1960er Jahren war dazu nirgends so leicht etwas zu finden, denn Volapük war längst so gut wie ausgestorben. Erst das Internet eröffnete neue Horizonte. Und siehe, Volapük war doch noch nicht tot! Es wurde 1931 vom Holländer Arie de Jong etwas geglättet und systematisiert, was aber der Skurilität dieser Kunstsprache keinen Abbruch tat. Natürlich lernte ich jetzt Volapük, und es blieb nicht aus, dass ich mich mit dem genialen Ersinner dieser Weltsprache näher befasste. Er gehört zu den Menschen, die mich einerseits abschrecken, andererseits aber auch faszinieren. Auf seine "Perlen der Himmelskrone Mariens" stieß ich im bibliographischen Verzeichnis eines anlässlich des 100sten Geburtstags von Volapük neu aufgelegten Buches "Volapük, Die Weltsprache, Entwurf einer Universalsprache für alle Gebildete der ganzen Erde" (1880).

In Schleyer verbindet sich weltläufige kosmopolitische Weite der Gedanken mit extrem enger ultra-katholischer Denkungsart, was angesichts der weltumspannenden Hlg. Mutter Kirche natürlich kein Widerspruch ist. Er schreibt in seinem Vorwort: Man kann der gröste Freund seines engeren Vaterlandes, und doch zugleich der beste und gröste Kosmopolit sein, indem man das Gute seiner Heimat in die ganze Welt hinausträgt.

Er war ein unerschrockener Priester, der massiv gegen die Mischehe wetterte und trotz "Kanzelverbot" während des damaligen Kulturkampfs von der Kanzel herab gegen die säkulare Obrigkeit donnerte. Dafür bekam er vier Monate "Festung". So konnte er wenigstens andeutungsweise ein "Glaubensheld" sein. Anderswo habe ich in diesem Forum sein Poem über Bruder Bennat gepostet. Es ist nicht minder köstlich als die "Perlen". Immer wieder sehe ich mich selbst zwischen Bewunderung und Gelächter angesichts dieser Hervorbringungen. Immerhin war mein Großvater väterlicherseits selber ein katholischer Priester. Das Zwiespältig-Heiligmäßige haftet offenbar auch mir an.

Dass Schleyer auch Frührentner war ... er war wohl auch für seine Vorgesetzten ein Ärgernis. Immer wieder musste er versetzt werden, weil er in seinen dörflichen Pfarrgemeinden regelmäßig für Aufruhr sorgte.

Schleyer erfuhr natürlich auch von Esperanto, das sein Volapük komplett gegen die Wand gedrückt hatte. Er äußert sich unchristlich und wenig kenntnisreich über das Esperanto in seiner Schrift "Ueber die Pfuscher-Sprache des Pseudo-Esperanto". Bis zu seinem Tod arbeitete er an einem monumentalen Volapük-Wörterbuch -- als schon längst kein Hahn mehr danach krähte --, war aber nur bis zur Mitte des Alphabets vorangekommen, als der Todesengel ihn durch die Himmelspforte heimgeleitete. Eine merkwürdig-tragische Gestalt!

LG, Fipps
Wen's interessiert, hier ein Abriss der Weltsprache Volapük, durch göttliche Eingebung von Pfarrer Johann Martin Schleyer ersonnen.
Fil fergnügen
Zitat:
Eine merkwürdig-tragische Gestalt!


Nach dem Anschauen und Durchblättern in Deinen Link was soll daran erleichternd sein ?

Da sollte man doch Englisch als Weltsprache nehmen -

Oder Deutsch
oder
Chinesisch ?

Gruß
Zitat:
was soll daran erleichternd sein ?
Wahrhaftig, und das haben sich auch seine ehemaligen Anhänger oft gefragt. Immerhin ist es leichter als Latein oder Sanskrit.
Man kann sich endlos damit vergnügen, Volapük zu verspotten. Gleich am Anfang seines Volapük-Bändchens schreibt Schleyer "Der Weltsprache ligt die englische Volkssprache zugrunde, weil dise von allen Sprachen gebildeter Völker die leichteste und verbreiteste ist (abgesehen von ihrer heillos verwirrten Ortografi)."
Ich bin sicher, dass du das nicht bemerkt hast. Selbst das Wort Volapük ist reinstes Englisch auf Schleyers Art. Vol kommt von world, und pük stammt von speak ab. Vola ist der Genetiv von vol, Volapük also heißt "Sprache der Welt". Es sollte halt alles leicht auszusprechen sein. Auch der Buchstabe R wurde weitgehend abgeschafft -- mit Rücksicht auf Kinder, Greise und Chinesen. Fast alle Grundwörter haben nur eine Silbe. Daher bib, die Bibel, rel, die Religion, pöp, das Papier. Es ist wirklich ein intellektueller Genuss. Und stell dir vor: Ich habe jahrelang im Briefwechsel mit anderen Volapükisten gestanden, alles auf Volapük!
Es gibt auch das ganze Neue Testament auf Volapük, was ja gut in dieses Forum passen würde. Nur, wer würde es lesen?
Hier als Bonbon ein Volapük-Satz direkt von Schleyer: Gletik binom svid nema Yesusa -- Groß ist die Süße des Namens Jesu.

Auch Papst Benedictus XVI in "Goldeszier, mit Edelstein und Seide"

VIII.
Du heiligster Tabernakel des Wortes!
(St. Andreas Cretens.)


Wie schmückest Du, o Gottesdiener Moses!
Mit Goldeszier, mit Edelstein und Seide,
Den Engelschaaren selbst zur Augenweide,
Das erste Zelt des Herrn, ein heilig großes! –

Gewiß! das Pfand des irdisch höchsten Loses:
Wert ist’s, daß uns die Hölle drum beneide. –
Doch sagt, was dient dem Worte selbst zum Kleide,
Zum würdigen, im Zelt des heil’gen Schoßes? –

Sind Gold und Seide, Perlen, Edelsteine
Wohl für die Gottheit selbst die würdige Hülle,
Wenn sie zum Erdball steigt, die maßlos reine? –

O nimmer! – Nur das Herz, das Gnadenfülle
Süß überströmt, Mariens Herz alleine,
Es ist der Gottheit Zelt, das selig stille.

Link: [url=http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/apost_exhortations/*/hf_ben-xvi_exh_20070222_sacramentum-caritatis_ge.html#Die_Eucharistie_und_die_Jungfrau_Maria]Benedikt XVI betont die Bedeutung der Hlg. Jungfrau für die Gläubigen[/url]
Fipps, bei Volapük muß man schon reichlich Fantasie haben und gut interpretieren können.
Würde man alle Sprachen wortgenau ins Deutsche übersetzen, käme so manches Erheiterndes zustande. Übersetzer können ihre lyrische Ader bei Übersetzungen walten lassen.

Gruß
Gabriele
Zitat:
Würde man alle Sprachen wortgenau ins Deutsche übersetzen, käme so manches Erheiterndes zustande.

Ich mache das manchmal bei diesen überdrehten US-Marketingtexten, um meine Nerven zu beruhigen. Und danach wird der Text dann grammatisch eingedeutscht, der Marketingjubel um etwa 200 % gemäßigt, ein großer Teil der Adjektive ersatzlos gestrichen und die im Englischen so beliebten Bandwurmsätze zerhackt. So entsteht schließlich eine würdige deutsche Pressemitteilung.
Ganz nach Vera Birkenbilhs Anleitung für`s Sprachenlernen ?

Gruß
Damit Neugierige einen Eindruck von Volapük bekommen, hier der bekannte Babel-Text aus der Bibel in Volapük samt wörtlicher englischer Übersetzung.

This is the Babel text in modern Volapük (as revised by the Dutchman Arie de Jong in 1931) plus a more or less literal translation:

1. Da tal äbinon pük balik e spik kobädik.
Throughout the earth there-was a language single and a speech common.

2. E ven ätevons lofüdao, ätuvons kamaläni in län <Jinar>, ed us älödons.
And when they-moved from-the-east, they-* a plain in the land Shinar, and there they-lived.

3. Ed äsagons balan lü votikan: "Föfö, mekobsöd bakastonis e bakobsöd otis in fil!" Ed ägebons bakastonis äs bumastons e tari äs mort.
And they-said one to the other: "Forward! Let-us-make bricks and bake the-same in fire!" And they-used bricks for building-stones and tar for mortar.

4. Ed äsagons: "Föfö, bumobsöd obes zifi e tümi, sömit kela orivon sili, dat ofamikobs e no poseajedobs love tal lölik."
And they-said: "Foreward! Let-us-build ourselves a city and a tower, the top of-which will-reach the sky, so-that we-will-become-famous and not will-be-asunder-thrown over the earth whole."

5. E Söl änexänom ad logön zifi e tümi, kelis menacils äbumons.
And the Lord descended to see the city and the tower which the children-of-man made.

6. Ed äsagom: "Ekö, binos pöp bal e pük bal bevü ons ed eprimons ad dunön atosi; obes nos onemögon, kelosi odesinons.
And he-said: "Behold! it-is people one and language one between them, and they-have-begun to do this; to-them nothing will-be-impossible which they-will-plan.

7. Föfö! Nexänobsöd e kofudükobsöd püki onas, dat no osuemons odis."
Forward! Let-us-descend and let-us-confuse the language of-them so-that not they-will-understand each-other."

8. E Söl äseajedom onis usao love tal lölik, ed ästöpedons ad bumön zifi.
And the Lord threw-asunder them from-there over the earth whole, and they-stopped to build the city.

9. E sekü atos zif pänemon eli <Babel>, bi Söl us äkofudükom püki vola lölik, ed usao äseajedom onis love länas valik.
And as-a-consequence-of this the city was-named the "Babel", because the Lord there confused the language of-the-world whole, and from-there he-asunder-threw them over lands all.

Notes: In Volapük, the adjective usually follows the noun. In the literal translation words expressed in one Volapük word are joined by hyphens.
Pronounciation: j is sh, c is ch, x is ks. The umlaut letters are as in German (a good grounding in German is helpful if you want to use Volapük properly (joke!))