Perlen der Himmelskrone Mariens


Lieber PeBU

Das sehe ich genauso wie du.

Aber es gibt aus meiner Sicht nicht einfach nur Lust, sondern Lust und Lust

Die Lust gegenüber meiner Partnerin ist gut. Sie ist gottgewollt, denn sie macht unsere Beziehung schöner, festigt sie, verursacht, dass wir Nachwuchs bekommen, freut uns, stärkt die Familie.

Die Lust gegenüber anderen Frauen ist schlecht. Sie verunsichert, erzeugt Spannung, stellt in Frage, schafft Instabilität. Viele Menschen werden in ihren Beziehungen betrogen, ohne es zu wissen. Manche bekommen es eines Tages heraus - das ist wohl mit das schmerzvollste was einem Menschen passieren kann. Das ist die schlechte Seite der Lust.

Wenn man es derart differenziert sieht, denke ich, macht es Sinn.

Und sinngemäss nicht anders steht es in der Bibel.

Gruss,
Andreas
Zitat:
alle Menschen leiden unter der Erbsünde.
Die Erbsünde ist ein rein christliches Konstrukt mit ersten Ansätzen bei Paulus.
Wer daran nicht glaubt, der leidet auch nicht darunter. Die Erbsünde wird auf den Sündenfall (Adam und Eva) zurückgeführt. Nach dem Apfelverzehr erkannten die beiden "dass sie nackt waren". Schon wahr, dass es hier vor allem um die Trennung von Gott geht und nicht um Sex. Aber Schleyers Mariengedichte ranken sich doch öfter um sublimierte Sexualität, und "sündige Handlungen" spielen im Beichtstuhl nun mal eine nicht unbedeutende Rolle, was auch Schleyer aus beruflicher Erfahrung wusste.
Trotzdem finde ich seine Verse irgendwie anrührend und will mich höchstens ganz verhalten manchmal etwas ironisch äußern.
Lieber Andreas,

ziemlich genauso sehe ich das auch. Lust um der Liebe und des/der geliebten Anderen willen, finde ich eine wunderbare Sache.

Liebe Grüsse

PeBu
Ein den Nichtkatholiken unbekannter Aspekt: Maria -- Verkörperung des weiblich Reinen -- als Sitz des Heiligen Geistes. Auch die folgenden Verse führen dies näher aus.

VI.
Du Heiligtum des göttlichen Geistes!
(St. Ildephons.)

Der höchsten Himmel Lichtthron, zu alltäglich
Ward er dem Geiste, Den nicht Welten fassen:
Dem auch Atome groß, und kleinlich Massen
Erscheinen, gegen die selbst Sonne kläglich,

Ach, winzig klein sich zeigen. Unaussprechlich
Zieht es den Liebegeist zur Demut. Hassen,
Nein, kann Er nur des Stolzes freches Prassen.
Die schlichte Einfalt minnet er unsäglich.

Und nun, welch Herz wählt Er zum Heiligtume
Sich aus, das seinem hehren Glanz entspräche?
Das demutvoll der Gnaden Schätze häufte?

Des Feindes Übermut in Einfalt bräche? –
Maria birgt’s, die gnadenüberträufte,
Maria, sie, der Erde schönste Blume.

Pfarrer Schleyer, Dichter der "Perlen der Himmelskrone Mariens", im Kirchengewand

Endlich verstehen wir, warum Priester Frauenkleidung tragen. In den folgenden Versen finden wir angedeutet, wie Maria der Kanal ist, über den der Teufel besiegt wird.

VII.
Du unbefleckte Pforte des Schöpfers!
(St. Sedulius.)


Des Wettersturmes wildentbranntes Grollen
Hat ausgetobt. Schon lächeln blau die Höhen;
Schon säuselt wieder linden Windes Wehen.
Verstummet ist des dumpfen Donners Rollen.

Wo kurz noch erst der Blitze Zorn erschollen,
Ist nun des Farbenbogens Pracht zu sehen,
Der sich zur Pforte wölbt in Sternennähen,
Durch die jetzt weiße Wolkenschäfchen trollen. –

Des Himmels Groll verhallt. Der Weltengründer
Steigt als Erlöser nieder, arme Sünder
Mild umzuwandeln in des Vaters Kinder.

Er naht. Wie rein! Schon glänzt sein Friedensbogen.
Durch welche Lichtespfort’ Er wohl gezogen,
Daß so der Fürst der Nacht sich sah betrogen?! –


Der bekannte arabische Frauenname "Leila" bedeutet "Nacht". Mit feinem Sprachgefühl haben die Araber hier zum Ausdruck gebracht, dass Frauen gelegentlich auch in die Nähe des "Fürsten der Nacht", des Teufels, gerückt werden müssen. Wie nah unsere Kulturen einander doch eigentlich sind!
Zitat:
alle Menschen leiden unter der Erbsünde.


Also, das finde ich nicht.

Aber wie schon jemand erwähnt hat: Paulus erfand die Erbsünde - bei google zu lesen.


Zitat:
Durch die Sünde eines Menschen ist der Tod für Alle in die Welt gekommen (Römer 5, 12-20)
Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.

http://www.philos-website.de/index_.....utoren/paulus_g.htm~main2

Irgendwie, so scheint es, hatte Paulus wohl ein Problem.

Zitat:
Georg Brandes:
Paulus ist eigentliche Verbreiter der christlichen Religion
Paulus, der der eigentliche Verbreiter der christlichen Religion war, kann nicht das geringste über die Persönlichkeit Jesu melden, er hat ihn nie gesehen, ebensowenig, wie die, im übrigen namenlosen, Evangelisten ihn je gesehen haben. Wenn er (1. Korinther 9, 1) ausruft: »Habe ich nicht unsern Herrn Jesus Christus gesehen?«, so bezieht sich das auf die Vision bei Damaskus. Und was man populär als Evangelium des Markus, des Lukas usw. bezeichnet, will ja nach den Worten des Textes (Katà) nur ausdrücken, dass das Evangelium von jemand aufgezeichnet wurde, der dem Kreise des genannten Jüngers angehörte, keineswegs, dass dieser selbst der Urheber war. Nichts wird zudem von diesen Evangelisten niedergeschrieben, ehe Paulus schon jahrelang gewirkt hat.


Aber was wissen wir schon von Paulus und seinem Leben.

Zitat:
Der Apostel der Heiden
Er war im Jahre 10 oder 12 in Tarsus in Kilikien geboren. Erst, als er sich zum Apostel der Heiden machte, latinisierte er seinen Namen Saul in Paulus. Seine Familie stammte aus Gischala in Galiläa und glaubte, dem Stamm Benjamin anzugehören. Sein Vater war römischer Bürger, hatte diesen Titel entweder durch erwiesene Dienste erworben oder auch vielleicht von einem seiner Vorfahren geerbt, der ihn sich gekauft hatte. Die Familie gehörte, wie alle besseren jüdischen Familien, zur Partei der Pharisäer. Selbst als er mit der Partei gebrochen hatte, behielt er doch noch ihren Eifer, ihre seelische Spannung, die Schärfe ihrer Ausdrucksweise.


Gott ist nicht allein der Juden Gott! (Röm. 3, 29-31)
Ist Gott allein der Juden Gott? Ist er nicht auch der Heiden Gott? Ja freilich, auch der Heiden Gott.
Fipps, seit wann hast du ein Faible für Pfarrer Schleyer ?

Zitat:
Johann Martin Schleyer (* 18. Juli 1831 in Oberlauda; † 16. August 1912 in Konstanz) war ein katholischer Priester, Lyriker und Philanthrop. Er erfand um 1880 die Plansprache Volapük.


Zitat:
In jener Nacht sprach Gott im Traum zu ihm und schlug ihm vor, er solle doch statt eines Weltalphabets doch gleich eine Welthilfssprache schaffen.



http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Martin_Schleyer

Lustig fand ich das:

Obwohl er bereits 1888 aus gesundheitlichen Befürchtungen heraus die letzte Ölung erhielt, verstarb er erst 1912 in Konstanz.

Da hat er sich viel Zeit gelassen, um zu gehen
@Gabriele

Als Freund aller skurrilen Dinge habe ich mich schon früh auch für konstruierte Sprachen interessiert. Mit 16 lernte ich Esperanto. Bald hörte ich auch von Volapük, aber in den 1960er Jahren war dazu nirgends so leicht etwas zu finden, denn Volapük war längst so gut wie ausgestorben. Erst das Internet eröffnete neue Horizonte. Und siehe, Volapük war doch noch nicht tot! Es wurde 1931 vom Holländer Arie de Jong etwas geglättet und systematisiert, was aber der Skurilität dieser Kunstsprache keinen Abbruch tat. Natürlich lernte ich jetzt Volapük, und es blieb nicht aus, dass ich mich mit dem genialen Ersinner dieser Weltsprache näher befasste. Er gehört zu den Menschen, die mich einerseits abschrecken, andererseits aber auch faszinieren. Auf seine "Perlen der Himmelskrone Mariens" stieß ich im bibliographischen Verzeichnis eines anlässlich des 100sten Geburtstags von Volapük neu aufgelegten Buches "Volapük, Die Weltsprache, Entwurf einer Universalsprache für alle Gebildete der ganzen Erde" (1880).

In Schleyer verbindet sich weltläufige kosmopolitische Weite der Gedanken mit extrem enger ultra-katholischer Denkungsart, was angesichts der weltumspannenden Hlg. Mutter Kirche natürlich kein Widerspruch ist. Er schreibt in seinem Vorwort: Man kann der gröste Freund seines engeren Vaterlandes, und doch zugleich der beste und gröste Kosmopolit sein, indem man das Gute seiner Heimat in die ganze Welt hinausträgt.

Er war ein unerschrockener Priester, der massiv gegen die Mischehe wetterte und trotz "Kanzelverbot" während des damaligen Kulturkampfs von der Kanzel herab gegen die säkulare Obrigkeit donnerte. Dafür bekam er vier Monate "Festung". So konnte er wenigstens andeutungsweise ein "Glaubensheld" sein. Anderswo habe ich in diesem Forum sein Poem über Bruder Bennat gepostet. Es ist nicht minder köstlich als die "Perlen". Immer wieder sehe ich mich selbst zwischen Bewunderung und Gelächter angesichts dieser Hervorbringungen. Immerhin war mein Großvater väterlicherseits selber ein katholischer Priester. Das Zwiespältig-Heiligmäßige haftet offenbar auch mir an.

Dass Schleyer auch Frührentner war ... er war wohl auch für seine Vorgesetzten ein Ärgernis. Immer wieder musste er versetzt werden, weil er in seinen dörflichen Pfarrgemeinden regelmäßig für Aufruhr sorgte.

Schleyer erfuhr natürlich auch von Esperanto, das sein Volapük komplett gegen die Wand gedrückt hatte. Er äußert sich unchristlich und wenig kenntnisreich über das Esperanto in seiner Schrift "Ueber die Pfuscher-Sprache des Pseudo-Esperanto". Bis zu seinem Tod arbeitete er an einem monumentalen Volapük-Wörterbuch -- als schon längst kein Hahn mehr danach krähte --, war aber nur bis zur Mitte des Alphabets vorangekommen, als der Todesengel ihn durch die Himmelspforte heimgeleitete. Eine merkwürdig-tragische Gestalt!

LG, Fipps
Wen's interessiert, hier ein Abriss der Weltsprache Volapük, durch göttliche Eingebung von Pfarrer Johann Martin Schleyer ersonnen.
Fil fergnügen
Zitat:
Eine merkwürdig-tragische Gestalt!


Nach dem Anschauen und Durchblättern in Deinen Link was soll daran erleichternd sein ?

Da sollte man doch Englisch als Weltsprache nehmen -

Oder Deutsch
oder
Chinesisch ?

Gruß