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Glaubensfrage oder Mitschuld an einem Selbstmord?












Hallo Magellan,

mag sein, dass sich selbst zu töten ist nichts Heldenhaftes ist - ob es mit Mut etwas
zu tun hat oder nicht, kann man IMHO bestenfalls dann beurteilen, wenn man selbst
schon in dieser Situation war. Und dann hängt es sehr von der jeweiligen Kultur ab -
ich denke nicht dass man das so pauschal am grünen Tisch beurteilen kann.
Auch ein solcher erwachsener Mensch hat ein Anrecht auf seine freie Entscheidung
- ohne dass die als 'Davonlaufen' abqualifiziert wird.
Lieber Thomas,

mit deinem zweiten Beispiel komme ich besser zurecht.
Dann muss ich meine Antwort revidieren, hatte es dann
wohl falsch verstanden. Hoffe, du kannst mir das nachsehen...

Ich habe von solchen Fällen schon oft gehört, in denen Familien völlig zu Unrecht die Kinder entzogen werden und die Eltern Himmel und Hölle in Bewegung setzen, aber dennoch nichts erreichen können. Das sehe ich allerdings als einen schwerwiegenden Eingriff u.a. in Persönlichkeitsrechte. So etwas ist reine Behördenwillkür.

Was anderes ist eben, wenn Lebensgefahr besteht. In den beiden Beispielen, die ich nannte, wurden die Kinder ja den Familien auch nicht weggenommen, sondern lediglich eine Verfügung veranlasst, die den Ärzten eine (Weiter-)Behandlung gestattete. Die Kinder kamen dann in ihre Familien zurück, was ja auch völlig richtig ist.


Hallo Elisha,

ich denke, das fasst jeder anders auf bzw. haben Menschen unterschiedliche Ansichten über Selbstmörder (obwohl ich das Wort eigentlich nicht unbedingt mag, weil es kriminalisiert einen irgendwie) oder auch potentielle Selbstmörder.

Verallgemeinern kann man das Thema m.E. nicht. Das wäre zu einfach.


@Magellan
Selbstmord mag vielleicht nichts Heldenhaftes sein, und Selbstmörder sehen ihre Tat auch nicht als heldenhaft an.

Wenn man selbst nicht in dieser Situation war oder ist, sieht man dieses evtl. als feige an. Es ist manchmal leichter gesagt als getan, von Problemen loszukommen, weil dabei eine Rolle spielt, warum jemand gar keinen anderen Ausweg mehr sieht.

Und, wenn man einmal ganz ehrlich ist: Es gibt Menschen, die Kinderschänder, Gewalttäter, Kriminelle... als Opfer der Gesellschaft darstellen, also mehr oder weniger eine Rechtfertigung in deren Taten sehen oder zumindest Verständnis aufbringen.

Fakt ist aber, dass nicht wenige Selbstmörder genau aufgrund der erwähnten Taten, bei denen sie selbst zum Opfer wurden, dann pauschal als feige abgetan bzw. letztendlich, da merkwürdigerweise Selbstmord mehr der Tabuisierung unterliegt als Gewalt, die ich ANDEREN antue, sogar teilweise in der gesellschaftlichen "Rangordnung" noch unter diesen Menschen rangieren.

Jedoch möchte ich mich hiermit keiner Pauschal(vor)verurteilung anderer bedienen und die Ansicht vertreten, dass "die Gesellschaft" schuld ist an Suiziden. Es gibt genügend Menschen, die sich selbst dermaßen verrennen in Probleme, an denen kein anderer die Schuld trägt. Aber verurteilen möchte ich diese Leute dann auch nicht gerade.

Mir ist es selbst ähnlich ergangen. Mein Bruder konnte von Kindheit an (er ist älter als ich) die tollsten Gewaltakte an mir verüben. Die "schönsten" Erinnerungen sind beispielsweise eine Attacke mit einem Säbel, Prügel mit einem Gürtel nebst dem Versuch, mich mit einem Kissen zu ersticken und die Krönung waren dann sexuelle Übergriffe!

Und weißt du, was meine Mutter immer tat? Sie stellte sich vor ihn, statt vor mich, tat es ab und sagte einmal, er sei eben "labil". Nach dem Motto "Du bist ein Stück Dreck, wenn du dich zur Wehr zu setzen versuchst gegen mein ach so unschuldiges und <<labiles>> Söhnchen". Diese Dinge haben sich bis vor ca. drei Jahren wie in blutroter Faden durch mein "Leben" gezogen. Erst, als ich auf erneute Drohungen hin meinerseits mit einer Anzeige drohte, konnte meine Mutter - die ich trotz allem pflege, weil mein (biologischer) Bruder dieses natürlich nie tun würde - einschreiten. Aber gewiss nicht um meinetwillen. Man hätte ja ihn einsperren können...

Und sie denkt, handelt und spricht genau so: Mir hält sie meinen Schritt fast tagtäglich vor. Noch am ersten Tag kam ein Anruf auf der Geschlossenen an. Ihre ersten Worte waren: "Warum hast du MIR das angetan..." Warum konnte sie nicht einmal ihren Sohn fragen, warum er mir dieses angetan hat bzw. verhindern, dass diese Frage später eventuell aufgeworfen wird.

Btw: er hat selbst keine Gewalt oder Missbrauch oder ähnliches erfahren. Also, daran kann es nicht liegen. Und kleine Kinder und Frauen schlägt er auch heute gerne noch, Schwächere eben. Mit Leuten, die ihm kräftemäßig gleichkommen oder überlegen wären, würde er sich nicht anlegen...

Man kann mich gerne als feige bezeichnen. Wer nicht diese Ängste erleben musste, kann aus der Distanz sicher nicht verstehen...

Was Selbstmörder betrifft, die in voller Absicht und bei vollem Bewusstsein und somit Wissen, was sie tun, noch andere Menschen mit in den Tod reißen oder ihnen auf irgend eine Weise schaden, verurteile ich allerdings genauso.

Eine Art, bei welcher die geringste Wahrscheinlichkeit bestanden hätte bzw. bestehen würde, anderen Schaden zuzufügen, sei es in materieller oder gar physischer Hinsicht, würde ich niemals wählen.


Für mich stellt es sich mittlerweile so dar, dass man als Betroffener der gesellschaftliche Abschaum schlechthin ist, Verbrecher jedoch, die andere Menschen aus Habgier oder sexuellem Verlangen usw. schädigen oder umbringen, erfahren Verständnis (weil ja die Nachbarn schuld sind, die Schule, Mitschüler, Kollegen... - wobei ich allerdings wiederum nicht jeden Menschen, der seinen Weg verfehlt, ohne seinen Hintergrund zu kenne, vorverurteilen will und kann..). Irgendwie ist das doch verdreht...
Wu hat folgendes geschrieben:
Hallo Magellan,

mag sein, dass sich selbst zu töten ist nichts Heldenhaftes ist - ob es mit Mut etwas
zu tun hat oder nicht, kann man IMHO bestenfalls dann beurteilen, wenn man selbst
schon in dieser Situation war. Und dann hängt es sehr von der jeweiligen Kultur ab -
ich denke nicht dass man das so pauschal am grünen Tisch beurteilen kann.
Auch ein solcher erwachsener Mensch hat ein Anrecht auf seine freie Entscheidung
- ohne dass die als 'Davonlaufen' abqualifiziert wird.



Genau so Wu - ich war wohl meine Antwort gerade noch am schreiben.

Ich kann auch nicht beurteilen, ob eine Frau, die gerade ein Kind bekommt, ihren Schmerzensschrei übertreibt oder nicht - weil ich noch keines bekommen habe...
Aber wie denkt ihr?
Ein Mensch, der sich umbringt, gibt er auf? Flüchtet er vor dieser Herausforderung des Lebens?
Oder tut er einen mutigen Schritt?

Hallo Elisha

Es gibt genauso soviele Motive fuer einen Selbstmord wie es Lebenssituationene gibt .Sei es nun die Suche nach einem Ausweg aus einer scheinbar ausweglosen Lebenslage,dem nicht mehr nur Funktionieren wollen, Angst , Verzweiflung und die sich damit einstellende alles ueberschwemmende Gleichgueltigkeit bei der man das Gefuehl hat sowieso schon Tod zu sein oder das Gefuehl zu haben hierbei entscheide ich allein und kein anderer an meinem Platz. Man kann es nicht nachvollziehen, wenn man nie in solch eine Lage geraten ist .Und Gott sei Dank geraten auch die meisten Menschen nicht in solch eine Lebenslage.
Liebe Ellen,

jetzt wollte ich gerade auf die obige Frage was antworten, da hab' ich erst bemerkt,
dass Du Elisha zitierst und dann selbst darauf antwortest - wäre übersichtlicher, wenn
Du die 'Zitat'-Funktion verwenden würdest [quote][/quote ]...

Mir fällt dazu die Situation ein 'Ein Mensch schlägt eine Fensterscheibe ein'.
Das kann nun Aggression sein, oder Frust, oder ein Einbruchsversuch, oder der Versuch
etwas (oder jemanden) zu retten, das dahinter ist, oder auf etwas aufmerksam zu
machen, oder Angst zu ersticken, oder oder oder...
Man kann aus der Handlung allein das Motiv nicht immer ablesen.

@ Suchende: So hart solche Dinge zu lesen sind (puuh, komm mir so verd...t bekannt
vor... ) - es ist wichtig, dass sich immer wieder Mutige finden, die das ansprechen
und sich dazu bekennen!
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