Glaubensfrage oder Mitschuld an einem Selbstmord?


Hallo Magellan,

mag sein, dass sich selbst zu töten ist nichts Heldenhaftes ist - ob es mit Mut etwas
zu tun hat oder nicht, kann man IMHO bestenfalls dann beurteilen, wenn man selbst
schon in dieser Situation war. Und dann hängt es sehr von der jeweiligen Kultur ab -
ich denke nicht dass man das so pauschal am grünen Tisch beurteilen kann.
Auch ein solcher erwachsener Mensch hat ein Anrecht auf seine freie Entscheidung
- ohne dass die als 'Davonlaufen' abqualifiziert wird.
Lieber Thomas,

mit deinem zweiten Beispiel komme ich besser zurecht.
Dann muss ich meine Antwort revidieren, hatte es dann
wohl falsch verstanden. Hoffe, du kannst mir das nachsehen...

Ich habe von solchen Fällen schon oft gehört, in denen Familien völlig zu Unrecht die Kinder entzogen werden und die Eltern Himmel und Hölle in Bewegung setzen, aber dennoch nichts erreichen können. Das sehe ich allerdings als einen schwerwiegenden Eingriff u.a. in Persönlichkeitsrechte. So etwas ist reine Behördenwillkür.

Was anderes ist eben, wenn Lebensgefahr besteht. In den beiden Beispielen, die ich nannte, wurden die Kinder ja den Familien auch nicht weggenommen, sondern lediglich eine Verfügung veranlasst, die den Ärzten eine (Weiter-)Behandlung gestattete. Die Kinder kamen dann in ihre Familien zurück, was ja auch völlig richtig ist.


Hallo Elisha,

ich denke, das fasst jeder anders auf bzw. haben Menschen unterschiedliche Ansichten über Selbstmörder (obwohl ich das Wort eigentlich nicht unbedingt mag, weil es kriminalisiert einen irgendwie) oder auch potentielle Selbstmörder.

Verallgemeinern kann man das Thema m.E. nicht. Das wäre zu einfach.


@Magellan
Selbstmord mag vielleicht nichts Heldenhaftes sein, und Selbstmörder sehen ihre Tat auch nicht als heldenhaft an.

Wenn man selbst nicht in dieser Situation war oder ist, sieht man dieses evtl. als feige an. Es ist manchmal leichter gesagt als getan, von Problemen loszukommen, weil dabei eine Rolle spielt, warum jemand gar keinen anderen Ausweg mehr sieht.

Und, wenn man einmal ganz ehrlich ist: Es gibt Menschen, die Kinderschänder, Gewalttäter, Kriminelle... als Opfer der Gesellschaft darstellen, also mehr oder weniger eine Rechtfertigung in deren Taten sehen oder zumindest Verständnis aufbringen.

Fakt ist aber, dass nicht wenige Selbstmörder genau aufgrund der erwähnten Taten, bei denen sie selbst zum Opfer wurden, dann pauschal als feige abgetan bzw. letztendlich, da merkwürdigerweise Selbstmord mehr der Tabuisierung unterliegt als Gewalt, die ich ANDEREN antue, sogar teilweise in der gesellschaftlichen "Rangordnung" noch unter diesen Menschen rangieren.

Jedoch möchte ich mich hiermit keiner Pauschal(vor)verurteilung anderer bedienen und die Ansicht vertreten, dass "die Gesellschaft" schuld ist an Suiziden. Es gibt genügend Menschen, die sich selbst dermaßen verrennen in Probleme, an denen kein anderer die Schuld trägt. Aber verurteilen möchte ich diese Leute dann auch nicht gerade.

Mir ist es selbst ähnlich ergangen. Mein Bruder konnte von Kindheit an (er ist älter als ich) die tollsten Gewaltakte an mir verüben. Die "schönsten" Erinnerungen sind beispielsweise eine Attacke mit einem Säbel, Prügel mit einem Gürtel nebst dem Versuch, mich mit einem Kissen zu ersticken und die Krönung waren dann sexuelle Übergriffe!

Und weißt du, was meine Mutter immer tat? Sie stellte sich vor ihn, statt vor mich, tat es ab und sagte einmal, er sei eben "labil". Nach dem Motto "Du bist ein Stück Dreck, wenn du dich zur Wehr zu setzen versuchst gegen mein ach so unschuldiges und <<labiles>> Söhnchen". Diese Dinge haben sich bis vor ca. drei Jahren wie in blutroter Faden durch mein "Leben" gezogen. Erst, als ich auf erneute Drohungen hin meinerseits mit einer Anzeige drohte, konnte meine Mutter - die ich trotz allem pflege, weil mein (biologischer) Bruder dieses natürlich nie tun würde - einschreiten. Aber gewiss nicht um meinetwillen. Man hätte ja ihn einsperren können...

Und sie denkt, handelt und spricht genau so: Mir hält sie meinen Schritt fast tagtäglich vor. Noch am ersten Tag kam ein Anruf auf der Geschlossenen an. Ihre ersten Worte waren: "Warum hast du MIR das angetan..." Warum konnte sie nicht einmal ihren Sohn fragen, warum er mir dieses angetan hat bzw. verhindern, dass diese Frage später eventuell aufgeworfen wird.

Btw: er hat selbst keine Gewalt oder Missbrauch oder ähnliches erfahren. Also, daran kann es nicht liegen. Und kleine Kinder und Frauen schlägt er auch heute gerne noch, Schwächere eben. Mit Leuten, die ihm kräftemäßig gleichkommen oder überlegen wären, würde er sich nicht anlegen...

Man kann mich gerne als feige bezeichnen. Wer nicht diese Ängste erleben musste, kann aus der Distanz sicher nicht verstehen...

Was Selbstmörder betrifft, die in voller Absicht und bei vollem Bewusstsein und somit Wissen, was sie tun, noch andere Menschen mit in den Tod reißen oder ihnen auf irgend eine Weise schaden, verurteile ich allerdings genauso.

Eine Art, bei welcher die geringste Wahrscheinlichkeit bestanden hätte bzw. bestehen würde, anderen Schaden zuzufügen, sei es in materieller oder gar physischer Hinsicht, würde ich niemals wählen.


Für mich stellt es sich mittlerweile so dar, dass man als Betroffener der gesellschaftliche Abschaum schlechthin ist, Verbrecher jedoch, die andere Menschen aus Habgier oder sexuellem Verlangen usw. schädigen oder umbringen, erfahren Verständnis (weil ja die Nachbarn schuld sind, die Schule, Mitschüler, Kollegen... - wobei ich allerdings wiederum nicht jeden Menschen, der seinen Weg verfehlt, ohne seinen Hintergrund zu kenne, vorverurteilen will und kann..). Irgendwie ist das doch verdreht...
_________________
was mich nicht umbringt, macht mich stark
----------------------------------------------------
Nicht um meinen Bruder zu besiegen,
suche ich Kraft, sondern meinen
größten Feind, mich selbst.
Wu hat folgendes geschrieben:
Hallo Magellan,

mag sein, dass sich selbst zu töten ist nichts Heldenhaftes ist - ob es mit Mut etwas
zu tun hat oder nicht, kann man IMHO bestenfalls dann beurteilen, wenn man selbst
schon in dieser Situation war. Und dann hängt es sehr von der jeweiligen Kultur ab -
ich denke nicht dass man das so pauschal am grünen Tisch beurteilen kann.
Auch ein solcher erwachsener Mensch hat ein Anrecht auf seine freie Entscheidung
- ohne dass die als 'Davonlaufen' abqualifiziert wird.



Genau so Wu - ich war wohl meine Antwort gerade noch am schreiben.

Ich kann auch nicht beurteilen, ob eine Frau, die gerade ein Kind bekommt, ihren Schmerzensschrei übertreibt oder nicht - weil ich noch keines bekommen habe...
_________________
was mich nicht umbringt, macht mich stark
----------------------------------------------------
Nicht um meinen Bruder zu besiegen,
suche ich Kraft, sondern meinen
größten Feind, mich selbst.
Aber wie denkt ihr?
Ein Mensch, der sich umbringt, gibt er auf? Flüchtet er vor dieser Herausforderung des Lebens?
Oder tut er einen mutigen Schritt?

Hallo Elisha

Es gibt genauso soviele Motive fuer einen Selbstmord wie es Lebenssituationene gibt .Sei es nun die Suche nach einem Ausweg aus einer scheinbar ausweglosen Lebenslage,dem nicht mehr nur Funktionieren wollen, Angst , Verzweiflung und die sich damit einstellende alles ueberschwemmende Gleichgueltigkeit bei der man das Gefuehl hat sowieso schon Tod zu sein oder das Gefuehl zu haben hierbei entscheide ich allein und kein anderer an meinem Platz. Man kann es nicht nachvollziehen, wenn man nie in solch eine Lage geraten ist .Und Gott sei Dank geraten auch die meisten Menschen nicht in solch eine Lebenslage.
_________________
Gott ist mein Licht
Liebe Ellen,

jetzt wollte ich gerade auf die obige Frage was antworten, da hab' ich erst bemerkt,
dass Du Elisha zitierst und dann selbst darauf antwortest - wäre übersichtlicher, wenn
Du die 'Zitat'-Funktion verwenden würdest [quote][/quote ]...

Mir fällt dazu die Situation ein 'Ein Mensch schlägt eine Fensterscheibe ein'.
Das kann nun Aggression sein, oder Frust, oder ein Einbruchsversuch, oder der Versuch
etwas (oder jemanden) zu retten, das dahinter ist, oder auf etwas aufmerksam zu
machen, oder Angst zu ersticken, oder oder oder...
Man kann aus der Handlung allein das Motiv nicht immer ablesen.

@ Suchende: So hart solche Dinge zu lesen sind (puuh, komm mir so verd...t bekannt
vor... ) - es ist wichtig, dass sich immer wieder Mutige finden, die das ansprechen
und sich dazu bekennen!
Wu hat folgendes geschrieben:
Hallo Magellan,

mag sein, dass sich selbst zu töten ist nichts Heldenhaftes ist - ob es mit Mut etwas
zu tun hat oder nicht, kann man IMHO bestenfalls dann beurteilen, wenn man selbst
schon in dieser Situation war. Und dann hängt es sehr von der jeweiligen Kultur ab -
ich denke nicht dass man das so pauschal am grünen Tisch beurteilen kann.
Auch ein solcher erwachsener Mensch hat ein Anrecht auf seine freie Entscheidung
- ohne dass die als 'Davonlaufen' abqualifiziert wird.


Hallo Wu,

Die Gespräche haben hier leicht an Schärfe zugenommen was schon in Ordnung geht, nett von @Ellen sanftere Töne erklingen zu lassen.
Mit meinen Sätzen an @Elisha habe ich nichts schwerwiegend negatives gesagt, vielleicht waren sie nicht ausführlich genug oder bis dato wurde nichts konkretes erwähnt so, wie @Suchende dies nun getan hatte und von ihre Erlebnisse schilderte.

Wu hat folgendes geschrieben:
Mir fällt dazu die Situation ein 'Ein Mensch schlägt eine Fensterscheibe ein'.
Das kann nun Aggression sein, oder Frust, oder ein Einbruchsversuch, oder der Versuch
etwas (oder jemanden) zu retten, das dahinter ist, oder auf etwas aufmerksam zu
machen, oder Angst zu ersticken, oder oder oder...
Man kann aus der Handlung allein das Motiv nicht immer ablesen.


Das ist richtig. Wenn sich jemand oder andere töten will, dann muss es ein Grund haben und somit muss man nach den Grund für diesen Tat suchen und schleunigst alles daran setzen den Suiziden vor seinen Vorhaben abzuhalten. Ich finde, der Tod ist grundsätzlich KEIN LÖSUNG es gibt immer einen Weg, natürlich muss man diesen erst finden aber im Kopf sollte man nicht zuerst an Selbstmord denken, sondern darüber wie man Problem xy friedlich = ohne sterben zu wollen findet und löst.
Fälle wie bei @Suchende ist natürlich heikel und solche sind dann zusätzlich schwieriger, besonders, wenn man noch ein Kind ist und sich nicht ausreichend zu Wehr setzen kann.
Erwachsene Menschen die so etwas durchlebten brauchen viel Unterstützung seitens ihrer Umwelt.

Hallo Liebe Suchende,

Zunächst möchte mich an @Wu schließen und sage auch, es war mutig von Dir hier das anzusprechen was Dir in Deine Familie widerfahren ist. Gehe auch davon aus, dass Du uns nicht auf die Schippe nimmst.
Anhand Deine Geschichte bzw. Fall muss ich gestehen ist die Situation recht brisant und es hat mich nachdenklich gemacht.
In meiner Kindheit erlebte ich von meiner Schwester (sie ist 7 Jahre älter mir gegenüber) ähnliches, kann mich zwar nicht erinnern, dass sie mit eine Messer o. ä. auf mich losging, aber den Kopfkissen auf mein Gesicht legen bis ich grün und blau anlief war praktisch alltäglich, geschah zumindest sehr oft.
Sexuelle Übergriffe waren nicht. Als ich dann aber jedes Mal wie ein abgestochener Schwein schrie, weil ich total schikaniert war und meine Eltern sagte was sie tat bekam sie natürlich ordentlich Abtreibung. …..

suchende hat folgendes geschrieben:
Btw: er hat selbst keine Gewalt oder Missbrauch oder ähnliches erfahren. Also, daran kann es nicht liegen. Und kleine Kinder und Frauen schlägt er auch heute gerne noch, Schwächere eben. Mit Leuten, die ihm kräftemäßig gleichkommen oder überlegen wären, würde er sich nicht anlegen...


Solche und ähnliche Menschen wie Dein Bruder erlebte ich bisher genügende.
Hallo Magellan,

Schärfe - euch gegenüber - war meinerseits nicht beabsichtigt. Schärfe wegen dem Thema und dem unangemessenen Verhalten, teils aus Unwissen, teils aus (nicht berechtigten)Vorurteilen im allgemeinen schon. Aber nicht auf euch bzw. nicht auf dich bezogen...

Zitat:
Mit meinen Sätzen an @Elisha habe ich nichts schwerwiegend negatives gesagt, vielleicht waren sie nicht ausführlich genug oder bis dato wurde nichts konkretes erwähnt so, wie @Suchende dies nun getan hatte und von ihre Erlebnisse schilderte


Deshalb hatte ich dieses ja auch ziemlich ausführlich geschrieben, um vll etwas Verständnis zu "provozieren".

Zitat:
Zunächst möchte mich an @Wu schließen und sage auch, es war mutig von Dir hier das anzusprechen was Dir in Deine Familie widerfahren ist. Gehe auch davon aus, dass Du uns nicht auf die Schippe nimmst.
Anhand Deine Geschichte bzw. Fall muss ich gestehen ist die Situation recht brisant und es hat mich nachdenklich gemacht.


Sei dir gewiss, dass ich euch niemals auf die Schippe nehmen würde. Zudem ist es auch so, dass man sich für Erlebtes eigentlich zutiefst schämt und irgendwann auch Schuldgefühle entwickelt, somit eigentlich auch nicht gerne darüber spricht.

Ich habe übrigens nach dreijährigem Anlauf eingesehen, dass es so nicht weitergeht und mich vor drei Wochen entschlossen, einen Therapeuten aufzusuchen. Gestern war das dritte Gespräch. Ich muss sagen, wider Erwarten ist er ein Mensch, der zuhört und nichts in Zeifel zieht, was ich ihm bisher erzählte. Gestern ist das Verhältnis (therapeutisches ^^) ein wenig aufgetaut und er ging sogar ein wenig auf meinen Sarkasmus ein.

Muss sagen, dass ich nach diesen Gesprächen schon etwas ausgeglichener bin und auch Selbstaggressionen dadurch versuche, unter Kontrolle zu bringen.

Also, was für dich vielleicht wichtig sein könnte: Ihm habe ich nicht all das erzählt, was ich euch hier erzählte... Noch nicht. Vielleicht später mal. Vertrauen muss ich erst noch richtig auf-/ausbauen, sonst funktioniert es nicht.

Die Frage, warum Menschen keine Therpeuten aufsuchen, liegt daran, dass man kein Vertrauen fassen kann, unter Druck geraten könnte etc. Die meisten Leute brauchen im Durchschnitt drei bis sechs Jahre, bevor sie aus eigenen Stücken professionelle Hilfe aufsuchen...

Dass dich meine Schilderung nachdenklich gemacht hat, finde ich sehr schön. Das wollte ich damit ja auch erreichen: dass Menschen, die die genauen Hintergründe nicht kennen, die ja individuell verschieden sind, nachdenken und vielleicht auch ein wenig verstehen...

Zitat:
In meiner Kindheit erlebte ich von meiner Schwester (sie ist 7 Jahre älter mir gegenüber) ähnliches, kann mich zwar nicht erinnern, dass sie mit eine Messer o. ä. auf mich losging, aber den Kopfkissen auf mein Gesicht legen bis ich grün und blau anlief war praktisch alltäglich, geschah zumindest sehr oft.
Sexuelle Übergriffe waren nicht. Als ich dann aber jedes Mal wie ein abgestochener Schwein schrie, weil ich total schikaniert war und meine Eltern sagte was sie tat bekam sie natürlich ordentlich Abtreibung. …..


Ich verstehe nicht, wieso ältere Geschwister so etwas tun? Wollen sie nicht verstehen, was sie einem damit antun? Aber sehr gut finde ich, dass deine Eltern, wenn du es ihnen sagtest, eingeschritten sind. Denke, das ist für ein Kind das wichtigste, dann den Schutz ihrer Eltern erleben zu dürfen, wenn sie ihn WIRKLICH benötigen...


Weil du schreibst, dass du genügend Menschen wie meinen "Bruder" (ich nenne ihn lieber "Kampfhund", sorry) kennengelernt hast: leider gibt es sehr viele solche gewaltbereite und gewalttätige Menschen.

Die Problematik der Steigerung/Eskalation liegt m.E. auch darin, dass in den Anfängen verharmlost, verschwiegen oder gerechtfertigt wird.

Wenn du dir einmal viele Fälle von Kindermorden mit Vergewaltigung (das Wort Missbrauch, hatte es vll. schon erwähnt, mag ich nicht besonders, weil es eine schlimme Sache "verniedlicht"...) ins Gedächtnis rufst: zum Beispiel Diesterweg, Schreiner, Hofmann... waren als Kinder Tierquäler, wenn sie größer wurden, gingen sie auf kleinere Kinder los, nächste Steigerung waren sexuelle Nötigungen --> Vergewaltigungen --> Mord.

Reden wie "es ist/war ja nur ein Tier..." oder "Kappeleien gehören bei Kindern dazu, die sind normal" und so weiter sind falsch. Und auch die Grenze des "Normalen" kann überschritten werden.

Exhibitionismus wurde jahrelang verharmlost. Ich hab's bei meinem eigenen Nachbarn erlebt und genau diese Parallelen durch Presseberichte gezogen. Ist bei vielen ebenfalls der Verlauf: Spannen --> Exhibitionismus ---> dann, na ja, nehme solche Ausdrücke nicht gerne in den Mund, wirst wissen, was ich meien ---> nächste Stufe unsittliche Berührungen --> Übergriffe - seien es "nur" Nötigungen oder im schlimmsten Falle Vergewaltigungen bis hin zum Mord. Natürlich fälle ich nicht ein Pauschalurteil und will hiermit behaupten, dass es bei allen so ist, aber eben bei sehr vielen. Seit einiger Zeit - endlich und längst überfällig - ist Exhibitionismus ein Straftatbestand. Auch Kriminalpsychologen haben schon oft über diese Problemtik und Entwicklung/Eskalation gesprochen, und die müssen es, meine ich, ja wissen...


Lieber Wu,

danke für deine lieben Zeilen. Es hat mich sehr viel Mut und Überwindung gekostet, das hier auszugsweise öffentlich zu posten. Es ist zudem auch nicht so, dass man mit Suizidversuch/en prahlen will. Im Gegenteil. Aber mir war es wirklich ein Bedürfnis, einmal die Hintergründe darzustellen und zum Nachdenken anzuregen.

Übrigens: Erst als ich in dieses Forum hier kam, konnte ich überhaupt wieder jemanden anschreiben mit "liebe/r...". Selbst dieses fällt dir irgendwann schwer...


Ich möchte hier einmal vier Songtexte posten, die, wenn ich diese "ewig-down-phasen" erlebe, das, was sich dann im "Kopfkino" und im tiefsten Inneren empfinde, so gut widerspiegeln.

Hoffe, das geht in Ordnung und nervt euch nicht...
_________________
was mich nicht umbringt, macht mich stark
----------------------------------------------------
Nicht um meinen Bruder zu besiegen,
suche ich Kraft, sondern meinen
größten Feind, mich selbst.
"Everybody Hurts" (Rem)

When the day is long and the night, the night is yours alone,
When you're sure you've had enough of this life, well hang on.
Don't let yourself go, everybody cries and everybody hurts sometimes.

Sometimes everything is wrong. Now it's time to sing along.
When your day is night alone, (hold on, hold on)
If you feel like letting go, (hold on)
When you think you've had too much of this life, well hang on.

Everybody hurts. Take comfort in your friends.
Everybody hurts. Don't throw your hand. Oh, no. Don't throw your hand.
If you feel like you're alone, no, no, no, you are not alone

If you're on your own in this life, the days and nights are long,
When you think you've had too much of this life to hang on.

Well, everybody hurts sometimes,
Everybody cries. And everybody hurts sometimes.
And everybody hurts sometimes. So, hold on, hold on.
Hold on, hold on. Hold on, hold on. Hold on, hold on. (repeat & fade)
(Everybody hurts. You are not alone.)



"runaway train" (soul asylum)

Call you up in the middle of the night,
Like a firefly without a light
You were there like a slow torch burning
I was a key that could use a little turning
So tired that I couldn't even sleep
So many secrets I couldn't keep
Promised Spam I wouldn't weep
One more promise I couldn't keep
It seems no one can * me now
I'm in too deep
there's no way out
This time I have really led Spam astray

CHORUS
Runaway train never going back
Wrong way on a one way track
Seems like I should be spam somewhere
Somehow I'm neither here no there
Can you * me remember how to smile
Make it somehow all seem worth while
How on earth did I get so jaded
Life's mystery seems so faded
I can go where no one else can go
I know what no one else knows
Here I am just drownin' in the rain
With a ticket for a runaway train
Everything is cut and dry
Day and night, earth and sky
Somehow I just don't believe it
Runaway train never going back
Wrong way on a one way track
Seems like I should be spam somewhere
Somehow I'm neither here no there

Bought a ticket for a runaway train
Like a madman laughin' at the rain
Little out of touch, little insane
Just easier than dealing with the pain

Runaway train never going back
Wrong way on a one way track
Seems like I should be spam somewhere
Somehow I'm neither here no there

Runaway train never comin' back
Runaway train tearin' up the track
Runaway train burnin' in my veins
Runaway but it always seems the same


"Exitus" (E Nomine)

EXITUS

Ich schenk dir mein Leben
kannst du mir die Ewigkeit geben
die Welt ist so leer
ich will und kann nicht mehr
ich schenk dir mein Leben...
kannst du mir die Ewigkeit geben


Ich steh vor deinem Altar
weiß nicht, wer ich bin
wer ich war
hasse diese Welt
die nur fragen stellt
mich nicht liebt
nicht akzeptiert
so wie ich bin
sich für mich geniert
es nicht interessiert
was mit mir passiert
schneiden mir die Adern auf
hängen mich und schlagen drauf
Schmerz und Kummer mich verzehrt
bis der Zug des Lebens mich überfährt
diese Welt ist so leer
ich will und kann nicht mehr


Ich schenk dir mein Leben
kannst du mir die Ewigkeit geben


nex violentus
dies vitae ultimus
exitus
somnus aeternus
in conditorio
exitus

exituuuuuus........


odor cadaveris exanguis
summum silentium sentetia
putescere et poculum
mortiferum in tumolo
tabescere infariae
carmen funbere


"Aus dem Jenseits" E Nomine

Du schreist in Dir
Und weinst um mich
Kein Leben in mir
Du hörst mich nicht
Küsst meine lauwarmen Hände
Tropfst Tränen über mich
Wirfst Dich zu Boden, gegen Wände
Schmerzen spürst Du nicht
Stumme Gedanken drehn mich im Kreis
Schwerelos schwebt meine Seele über mir
Du kniest an meiner Seite aber ich weiß
Irgendwann komm ich zurück zu Dir

Stumme Stimmen wie Echos klingen
Aus dem Nichts ihr rufen weit abseits
Nicht bis in Deine Welt vordringen
Gefangen bis in alle Ewigkeit
Warte ich auf einen Übergang
Der mich zu Dir bringt
Ist es vollbracht mit Engelsgesang
Wenn dann Dein Schrei erklingt
Das Röcheln aus Deiner Kehle rast
Und alles um Dich ist dunkelste Nacht
Weiß ich das Du es warst.....

Komm aus dem Jenseits zu Dir
Trage diesen Wunsch in mir
Komm aus dem Jenseits zurück
Bring Dir den Traum vom Glück

Warum...............
Warum hast Du mich umgebracht........

Komm aus dem Jenseits zu Dir
Trage die Rache in mir
Ich bin Dein schlimmster Wahn
Auge um Auge, Zahn um Zahn

Animata
Umbra in celestia
Animata
Animata
_________________
was mich nicht umbringt, macht mich stark
----------------------------------------------------
Nicht um meinen Bruder zu besiegen,
suche ich Kraft, sondern meinen
größten Feind, mich selbst.
Liebe Suchende ,

nun möchte ich weiter auf deinen ersten Beitrag in diesem Tread eingehen (ich gebe aber an, die restlichen Beiträge aussen vorzulassen, bis jetzt noch nicht gelesen zu haben )!

Du hast geschrieben:
"Abhalten kann man mich unter Fremdeinwirkung lt. Gesetz dann, wenn eine Fremdgefährdung besteht, wenn ich beispielsweise ankündige, dass ich auf die Autobahn in Selbstmordabsicht fahre. Damit bestünde die Gefahr, dass ich andere Menschen gefährde, im schlimmsten Falle sie mit umbringe."

Ich bin der Meinung, dass dieses Gesetz nicht so für sich alleine stehen kann!
Ich denke nämlich, dass man immer etwas MITschuld an dem Selbstmord eines anderen trägt, sei es die nahen Verwandten, sei es der Bekanntenkreis, der Freund/ die Freundin oder auch die Gesellschaft!
Natürlich trägt man auch eine gewisse Selbstverantwortung...

Aber alles so alleine für sich stehend, wäre oder ist mir einfach zu einfach!
Es scheint mir alles irgendwie miteiander verbunden......und genau Deshalb kann bzw. sollte und muss man meiner Meinung nach eingreifen und nicht einfach so auf die Selbstbestimmung des Selbstmörders beharren!

Und was nützt es erst dann zu helfen, wenn der andere schon die tebletten oder sonstiges genommen hat.....
Wie kann man mit dem Gewissen leben?
Wieso wird dieses Gewissen überhaupt nicht im Gesetz miteingebracht?
Zählen moralische, soziale, menschliche und ethnische Werte garnichts mehr?

Auch finde ich es absolut falsch erst dann Eigeninitiative zu ergreifen, wenn die Gefährdung anderer Mitmenschen in Betracht gezogen werden kann (natürlich muss dann Eingegriffen werden!)!


Du schreibst:
"Wie dieses Grundgesetz und das Recht der Würde bzw. Selbstbestimmung juristisch und rechtlich ausgelegt/praktiziert wird ist schon ewig ein Streitpunkt..."

Dann sollte man sich aber wirklich langsam wieder daran setzen....
Mag dieses Thema nicht unbedingt die Medien durchfluten, scheint es mir doch ein grosses Problem der heutigen gesellschaft zu sein und damit diskussionswürdig!




Du schreibst:
"Was die Zeugen Jehovas betrifft, die grundsätzlich jegliche Blutübertragungen ablehnen aus Glaubensgründen, so wird sich das deutsche Recht (ich weiß nicht, wie es sich in anderen Ländern verhält) wohl auf die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit berufen. "

Hm...überall gibt es Grenzen und Einschränkungen!
Gerade in dem von dir unten erläutertem Beispiel der Kinderproblematik!
Ich denke mit jedem Menschen kann man reden, wenn man sich die Zeit nimmt (oder nehmen will)!!
Wer kann mit Sicherheit sagen, dass diese Frau sich wirklich bewusst war, was mit ihren Kindern nun wird?
Deine Mutter hat z.B. sofort ihrem mütterlichen Instinkt Folge geleistet (ein grosses Lob ), vielleicht hätte diese Frau ein bisschen mehr Zeit gebraucht!
Man weiss doch garnicht, warum sie zu den zeugen ging, was ihr gefehlt hat und inwieweit sie sich wirklich der Folgen bewusst war!

Ich denke auch Ärzte sind Menschen oder nicht?
Zwar sind diese an Gesetze gebunden (wie wir alle), was aber nicht bedeutet, dass diese Gesetze auch absolut korrekt sind!

Wenn sich in der Geschichte jeder an die hiesigen Gesetze gehalten hätten, möchte ich nicht wissen, wo Deutschland nun stehen würde!

Was aber nicht bedeutet, dass ich hier Anarchie fordere! Ich fordere lediglich kritische Betrachtung und gespür für soziale Werte gepaart mit Liebe und sozialem Verständnis!

-----> "So tragisch es ist (und mir auch unverständlich und nicht nachvollziehbar) in dem von dir zitierten aktuellen Fall, wird es sich m.E. so verhalten, dass die Ärzte den Wunsch der Patientin respektieren und ihm nachkommen müssen/mussten, da sie eine Blutübertragung ausdrücklich abgelehnt hat."


"Das kann man nicht mit Suizid vergleichen. Denn sie hat ja nicht vorsätzlich in Tötungsabsicht, sondern aus Glaubensgründen so gehandelt."

Stimmt, wobei ich auch der Meinung bin, dass auch Glaubensgründe für das Gesetz nicht unbedingt ein Grund sein muss, jmd einfach sterben zu lassen, erst recht nicht dann, wenn dieser "Gläubige" nun einen Schutzbefohlenen unter sich hätte.
Desweiteren würde diese Begründung auch gefährlichen Sekten und deren Ansichten (die im Gesetz weitere Lücken finden) Freibriefe gewähren!


"Ich habe aber auch schon von Fällen gehört, in welchen Zeugen Jehovas ihren Kindern Blutübertragungen verweigern wollten. Es wurde dann ein vorübergehendes Sorgerecht anderweitig übertragen und der Blutübertragung genehmigt. Weil: Kinder können noch nicht selbst über sich bestimmen. Wären also zum Sterben verurteilt, wenn ihre Eltern einer Blutübertragung nicht zustimmen."

Das wiederum finde ich gut und richtig!


Ich werde auch auf deinen zwieten Beitrag anschliessend antworten (welcher unheimlich bewegend war)
_________________
* Mein Herz ruft ALLAH ALLAH,
mein Nefs schreit yallah yallah ....*

* Der Heuchler sucht nach Fehlern;
der Gläubige nach Entschuldigungen.*
Liebe suchende ,

"Moralisch gesehen ist das auch korrekt und mittlerweile kann ich das auch verstehen. Ich habe selbst schon einen Suizidversuch unternommen. Daher weiß ich, wovon ich bei dem Thema rede... Denjenigen, der damals die Polizei verständigte - ich werde dir das gerne einmal bei Interesse ausführlicher erzählen - habe ich auch beschimpft. Als ich dann wieder einen Internetanschluss hatte, erfuhr ich seitens eines mir lieb gewonnenen Menschen, dass sich zwei junge Menschen, die ich zu der Zeit in einem Suizidforum näher kennenlernte und auch mochte, erschossen haben.

Ich habe beim ersten lesen einen Klos im Hals bekommen udn auch jetzt beim zweiten mal, werden meine Augen feucht! (Ich habe natürlich Intersse, wenn du erzählen möchtest!)
Ich kann deinen Schmerz, deine Enttäuschung, deine Hilflosigkeit nachempfinden....
Das muss unheimlich schmerzvoll und grausam sein!
Ich hatte letzes Jahr eine Stunde bevor ich in die Türkei geflogen bin eine ähnliches Erlebniss....
Mir wurde es zwar nur angedeuet, aber ich wusste sofort bescheid....
Und da ich nichts machen konnte, nicht wusste an wen ich mich wenden konnte, einfach überhaupt keine Möglichkeit hatte, irgendetwas zu machen, bin ich völlig aufgelöst gewesen und auch heute noch, schmerzt es, wenn ich darüber nachdenke, was die Welt verloren hat!



"In diesem Moment erfuhr ich, wie es ist, "auf der anderen Seite" zu stehen. Zudem hat die Mutter eines der beiden eine Erinnerungshomepage erstellt, so dass ich nun auch die Fotos der beiden sehen konnte, ihre Geschichten nachlesen konnte. "

Vielleicht hat ihr Tod (so makaber das klingt) dir geholfen zu erkennen, dass die person, die die Polizei gerufen hat, ein wundervoller Mensch war! Und das dein Leben auch anderen Menschen viel bedeutet, soviel, dass du es nicht ertragen könntest, diese Menschen leiden zu lassen, indem du dein Leben einfcah auslöschst!

Ich hoffe die Mütter und (auch die Väter, alle die die beiden lieben) werden eines Tages ein klein wenig Ruhe finden!

"Und dass man dafür bestraft wird. Aber wenn du dich in einer solchen Situation und Lebenslage befindest, beginnst du abzuwägen, welche Strafe schlimmer ist: das Leben oder die Strafe dafür, es beendet zu haben. Ich weiß, dass "Außenstehende" an dieser Stelle vielleicht kein Verständnis haben werden. Was ich meinerseits auch irgendwie doch wieder nachvollziehen kann..."

Doch, ich kann das nachvollziehen!
Ich glaube es gibt einen Punkt im Leben, ab dem einem alles egal ist! man hat einfach keine Kraft mehr zu kämpfen, man hat keine Lust mehr, diesen Schmerz und diese Trauer zu empfinden, man fühlt sich unverstanden, allein und nicht geliebt!
Völlig hilflos .....


"Natürlich ist es diskutabel. Ich bin mir aber sicher, dass die meisten Selbstmörder durchaus über einen gesunden Menschenverstand verfügen. Ich weiß, dass auch Selbstmorde ohne vorherige Planung geschehen. Ohne irgend einen ersichtlichen Grund. Und selbstverständlich gibt es auch Fälle, in denen Menschen tatsächlich in diesem Moment, einem Selbstmord aus dem Affekt heraus, an einer Bewusstseinsstörung o.ä. leiden. "

verzeih mir bitte, ich habe mich falsch ausgedrückt mit "gesunden Menschenverstand"!
Ich wollte damit nur sagen, dass man sich zwar bewusst zu diesem Schritt entscheiden kann, man aber sicher nicht in einem gesunden Seelenzustand befindet! Das bedeutet für mich, dass die Seele oder das Herz (wie man es auch nennen mag) von offenen Wunden überflutet ist!


-----> Nun, ich spreche da leider aus Erfahrung. Ich habe schon sehr, sehr lange daran gedacht. Irgendwann durch alle möglichen Umstände wurde der Gedanke zum Wunsch, der Wunsch zu Todessehnsucht. Die Sehnsucht zum Plan. Der Plan zu etwas Unumstößlichem. Und ich war mir durchaus bewusst, was ich tun werde, wie und wann. Ich glaube nicht, dass es mir an gesundem Menschenverstand mangelte. Aber, wie du schreibst, darüber kann man diskutieren.

Ich hoffe, du hast mich nun verstanden, ich wollte damit sicher nicht andeuten, Selbstmörder seien verrückt!

[
"......dass Familien und Freunde, wenn sie sich nicht nur als solche bezeichnen, öfter VORHER fragen sollten, um die vielen Fragen NACHHER und nach dem WARUM sich selbst ersparen zu können..."

Denke ich auch....viele Menschen leben nur nebeneianderher! Eigentlich wissen sie kaum etwas voneiander....
Das beginnt schon mit Kleinigkeiten....

"Da Selbstmord auch heute noch tabuisiert wird, finden sehr viele Suizidanten in ihrem sogenannten Umfeld keine Ansprechpartner. Man wird abgetan, als "schwachsinnig" hingestellt, gedemütigt und erniedrigt. Dieses Verhalten verletzt dich jedoch irgendwann gar nicht mehr. Im Gegenteil. Es macht letztendlich den Abschied, welchen man dann nicht mehr als solchen empfindet, leichter,"

Ja, das sehe ich ebenso....
Man wird nicht ernst genommen und verfällt dieser todesidee noch mehr!

Liebe Grüsse und eine Umarmung,
deine Umay
_________________
* Mein Herz ruft ALLAH ALLAH,
mein Nefs schreit yallah yallah ....*

* Der Heuchler sucht nach Fehlern;
der Gläubige nach Entschuldigungen.*

Warning: touch(): Utime failed: Operation not permitted in /www/htdocs/w0103691/includes/template.php on line 159