Märtyrertod des Báb (9. Juli)


Am 9. Juli war der Märtyrertod des Bábs, einer der höchsten Feiertage der Bahá'í, hier im Forum gab es zu diesem Feiertag kein Thema, daher möchte ich dies nun nachholen.

Zu dem Anlass dieses Feiertages, möchte ich gern den historischen Hintergrund dieses Ereignisses darstellen. Shoghi Effendi schreibt in Seinem Werk 'Gott Geht Vorüber':
... da übermittelte der Wesir ohne ausdrücklichen Befehl seines Herrschers und ohne Rücksprache mit seinen Beratern und Ministerkollegen dem Gouverneur von Adhirbáyján, dem Hishmatu'd-Dawlih Prinz Hamzih Mírzá, den Auftrag, den Báb hinzurichten. Weil er fürchtete, daß dieses Strafmaß in der Reichshauptstadt Kräfte in Bewegung setzen könnte, die nicht zu beherrschen sind, befahl er, den Gefangenen nach Tabríz zu überführen und ihn dort zu töten. Als der Prinz sich empört weigerte, dies in seinen Augen verwerfliche Verbrechen zu begehen, beauftragte der Amír-Nizám seinen eigenen Bruder Mírzá Hasan Khán, den Befehl auszuführen. Die üblichen Formalitäten der erforderlichen Ermächtigung durch die oberen Mujtahids von Tabríz waren schnell und ohne Schwierigkeit erledigt. Weder der Mullá Muhammad-i-Mamáqání, der den Hinrichtungsbefehl für den Báb noch am Tag Seines Verhörs in Tabríz aufgesetzt hatte, noch Hájí Mírzá Báqir und Mullá Murtadá-Qulí, in deren Häuser der Farrásh-Báshí das Opfer auf Befehl des Großwesirs schmählich untergebracht hatte, ließen sich herbei, ihrem gefürchteten Feind von Angesicht zu begegnen.

Unmittelbar vor und bald nach dieser demütigenden Behandlung des Báb ereigneten sich zwei höchst bedeutsame Vorfälle, die helles Licht auf die geheimnisvollen Umstände bei der Eröffnungsphase Seines Märtyrertodes werfen. Der Farrásh-Báshí hatte das letzte Gespräch, das der Báb in einem der Kasernenräume mit Seinem Sekretär Siyyid Husayn vertraulich führte, schroff unterbrochen und diesen zur Seite gezogen, um ihn heftig auszuschelten, als ihn der Gefangene mit den Worten anredete: »Nicht eher, als bis Ich ihm alles gesagt habe, was Ich zu sagen wünsche, kann irgendeine irdische Macht Mich zum Schweigen bringen. Stünde gleich die ganze Welt gegen Mich in Waffen, sie könnte Mich dennoch nicht daran hindern, Meine Absicht bis zum letzten Worte zu erfüllen.« Als der Christ Sám Khán, Kommandeur des mit der Hinrichtung beauftragten armenischen Regiments, den Báb voll Furcht vor Gottes Zorn, den er mit der Tat auf sich lüde, um Entbindung von dieser Pflicht bat, gab Er ihm die Zusicherung: »Folgen Sie Ihren Anweisungen, und wenn Ihre Absicht aufrichtig ist, so ist der Allmächtige sicher imstande, Sie aus Ihrer Verlegenheit zu befreien.«

Sám Khán ging also daran, seine Pflicht zu erfüllen. In einen Pfeiler, der auf dem Hof der Kaserne zwei angrenzende Räume voneinander trennte, wurde ein Nagel getrieben, daran wurden zwei Stricke befestigt, mit denen der Báb und einer Seiner Jünger angebunden wurden, der jugendliche, fromme Mírzá Muhammad-Alí-i-Zunúzí, genannt Anís, der sich seinem Meister zu Füßen geworfen und Ihn flehentlich gebeten hatte, ihn unter keinen Umständen fortzuschicken. Das Erschießungskommando trat an in drei Reihen zu je zweihundertfünfzig Mann. Die Reihen feuerten umschichtig, bis alle Kugeln verschossen waren. Die siebenhundertfünfzig Flinten machten so dichten Rauch, daß sich der Himmel verfinsterte. Als sich der Rauch verzog, bot sich der staunenden Menge von etwa zehntausend Seelen, die sich auf den Dächern der Kaserne und der angrenzenden Häuser drängten, ein so unglaubliches Schauspiel, daß sie ihren Augen nicht trauten.
Der Báb war nicht zu sehen. Nur Sein Gefährte stand lebend und unversehrt an der Mauer, an der sie angebunden waren. Lediglich die Stricke waren zerrissen. »Wir sehen den Siyyid-i-Báb nicht mehr!« schrien die Zuschauer verwirrt. Aufgeregt suchte man Ihn überall. Dann fand man Ihn, wie Er, unversehrt und gelassen, im gleichen Raum, in dem Er die Nacht zuvor verbracht hatte, das unterbrochene Gespräch mit Seinem Sekretär zu Ende führte. So offensichtlich durch die Vorsehung bewahrt, begrüßte der Gefangene den hereinkommenden Farrásh-Báshí mit den Worten: »Ich habe Mein Gespräch mit Siyyid Husayn beendet. Nun können Sie fortfahren und Ihre Aufgabe erledigen.« Die kühnen Worte des Gefangenen von vorhin im Ohr und erschüttert durch eine derart überwältigende Offenbarung, verließ der Farrásh-Báshí augenblicks den Schauplatz und quittierte seinen Posten.

Auch Sám Khán gedachte mit Gefühlen heiliger Scheu und Verwunderung der beruhigenden Worte des Báb, befahl seinen Leuten, die Kaserne sofort zu verlassen, und gelobte, als er den Hofe verließ, die Tat niemals zu wiederholen, und koste es sein Leben. Aqá Ján-i-Khamsih, ein Offizier der Leibgarde, erbot sich freiwillig, ihn zu vertreten. Der Báb und Sein Gefährte wurden wieder auf die gleiche Art an die Mauer gebunden, indessen das neue Regiment antrat und feuerte. Diesmal wurde ihnen die Brust von Kugeln durchsiebt und die Leiber zerfetzt, ihre Gesichter aber blieben nahezu unverletzt. Das waren die letzten Worte des Báb an die gaffende Menge, als sich das Regiment zur Salve anschickte: »O eigensinniges Geschlecht! Hättet ihr an Mich geglaubt, jeder von euch wäre dem Beispiel dieses Jünglings, der im Rang über den meisten von euch steht, gefolgt und hätte sich willig auf Meinem Pfad geopfert. Es kommt der Tag, da ihr Mich erkennen werdet; dann aber werde Ich nicht mehr bei euch sein.«

Doch damit nicht genug. Im gleichen Augenblick, da die Schüsse fielen, erhob sich ein Sturm und fegte mit außergewöhnlicher Heftigkeit über die Stadt. Vom Mittag bis in die Nacht hinein verdunkelte ein Sandsturm das Sonnenlicht und verschloß den Menschen die Augen. Im Jahr 1268 n.d.H. ereignete sich in Shíráz ein »Erdbeben«, das die ganze Stadt in Aufruhr versetzte und verheerend unter der Bevölkerung wirkte, sehr verschärft durch den Ausbruch der Cholera, einer Hungersnot und anderen Elends, wie es in der Offenbarung Johannis vorausgesagt war. Im selben Jahr fanden nicht weniger als zweihunderfünfzig Mann des für Sám Kháns Regiment eingesprungenen Erschießungskommandos samt ihren Offizieren bei einem schrecklichen Erdbeben den Tod; die übrigen fünfhundert Mann erlitten drei Jahre später als Strafe für eine Meuterei das gleiche Schicksal, das ihre Hand dem Báb bereitet hatte. Damit bestimmt keiner von ihnen am Leben bliebe, ließ man sie von einer zweiten Salve durchlöchern, danach ihre Leichen auf Speere und Lanzen gespießt dem Volk in Tabríz zur Schau stellen. Der Hauptanstifter bei der Tötung des Báb, der unversöhnliche Amír-Nizám, und sein Bruder und Hauptkomplize, fanden binnen zweier Jahre nach der brutalen Tat den Tod.
Am Abend nach der Hinrichtung des Báb - sie geschah am 9. Juli 1850 (28. Sha'bán 1266 n.d.H.) in Seinem einunddreißigsten Lebensjahr und dem siebten Jahr Seines Wirkens - wurden die zerfetzten Leiber vom Hof der Kaserne an den Rand des Stadtgrabens vor dem Stadttor geschafft. Vier Mannschaften von je zehn Posten waren abgeordnet, sie umschichtig zu bewachen. Am andern Morgen suchte der russische Konsul den Ort auf und ließ einen Künstler in seiner Begleitung eine Skizze von den neben dem Graben liegenden Überresten anfertigen. Um die folgende Mitternacht konnte ein Anhänger des Báb, Hájí Sulaymán Khán, durch die Vermittlung eines gewissen Hájí Alláh-Yár, die Leichen in die Seidenfabrik eines Gläubigen aus Mílán bringen und am nächsten Tag in einem eigens angefertigen hölzernen Sarg bergen, den er später an einen sicheren Platz überführte. Mittlerweile prahlten die Mullás von den Kanzeln herab, daß die Leiche dieses Mannes, statt wie der heilige Leib des Unbefleckten Imáms gefeit zu sein gegen Raubgetier und Würmer, von wilden Tieren gefressen worden sei. Als die Nachricht von der Überführung der Gebeine des Báb und Seines Leidensgefährten Bahá'u'lláh überbracht wurde, verfügte Er, daß Sulaymán Khán sie nach Tihrán bringen solle, wo sie im Imám-Zádih-Hasan-Heiligtum unterkamen. Dann wurden sie von einem Ort zum anderen verbracht, bis schließlich Abdu'l-Bahá anordnete, sie ins Heilige Land zu überführen, und Er sie feierlich in dem eigens dazu errichteten Mausoleum am Hang des Karmel zur ewigen Ruhe bettete.



So endete ein Leben, von dem die Nachwelt erkennen wird, daß es die Schnittstelle zweier universaler prophetischer Zyklen bildet, des Adamischen Zyklus, der bis zur ersten Morgenfrühe schriftlich überlieferter religiöser Geschichte der Welt zurückreicht, und des Bahá'í-Zyklus, dem es bestimmt ist, sich über eine noch im Zeitenschoß ruhende Zukunft von fünftausend Jahrhunderten zu erstrecken. In der Apotheose, in der dieses Leben seine Vollendung fand, gipfelt, wie man sieht, die heldischste Phase der Heldenzeit der Bahá'í-Sendung. Sie ist, man kann es nicht anders betrachten, das dramatischste und tragischste Ereignis des ganzen ersten Bahá'í-Jahrhunderts und darf mit Recht beispiellos genannt werden unter den Lebensberichten der Stifter aller auf der Welt existenten religiösen Systeme.

(Shoghi Effendi, Gott geht vorüber 4:5-12)
Zum Abschluss noch der Verweis auf ein sehr schönes Video:

http://de.youtube.com/watch?v=yylXcslvZ0A


Liebe Grüße, Tobias
Sakina

@Tobias

Eine Frage zu den Gebeinen des Bab

Gibt es Untersuchungen über die Verletzungen.?
zerbrochene Knochen durch die Kugeln .etc.?

mfffgggg gnostik
_________________
glaube mir was ich sage, weil ich sage, was ich nicht weiß!
Lieber Gnostik,


da bin ich ehrlich gesagt überfragt, zumindest hat man die Leiche ja geborgen, sie wurde also nach dem Erschießungskommando noch einmal von Bábi betrachtet. Der Text von Shoghi Effendi berichtet ja:

Diesmal wurde ihnen die Brust von Kugeln durchsiebt und die Leiber zerfetzt, ihre Gesichter aber blieben nahezu unverletzt. (Shoghi Effendi, Gott geht vorüber 4:9)

Ich gehen davon aus, das sich bei der Bergung des Leichnams, dann nichts anderes herausgestellt hatte, wenn Shoghi Effendis Bericht nicht gar mit darauf basiert.

Wenn die Brust durchsiebt war, dann kann man wohl auch davon ausgehen, dass Knochen zerbrachen, zumindest die Rippen. Aber genau kann ich es dir jetzt so einfach nicht sagen. Soll ich versuchen da mehr in Erfahrung zu bringen?


Liebe Grüße, Tobias
Sakina

@Tobias
Zitat:
Soll ich versuchen da mehr in Erfahrung zu bringen?

Ja. wenn möglich.

mffffgggg gnostik
_________________
glaube mir was ich sage, weil ich sage, was ich nicht weiß!
http://youtu.be/3WMxRFPYnos


_________________
******************************************
Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
http://youtu.be/rt0J61FnRzY

Noch ein sehr schönes Video zum Abschluss dieses Feiertages.

Schöne Grüße Linde
_________________
******************************************
Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh