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aus dem Archiv Meditative Texte












Ich habe gerade den Text "Liebevolle Freundlichkeit" gelesen.

Der Inhalt gefällt mir sehr gut. Diesen Text sollten sich viele als Leitfaden nehmen, dann könnten einige Missverständnisse und Vorurteile von vorneherein vermieden werden.

Insbesondere den Absatz mit "überkommener Förmlichkeit" finde ich wichtig.

Ich habe einmal für die GTZ Interviews transkribiert. War ein Projekt, welches über die Uni Saarbrücken lief. Die GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) führt im Ausland verschiedenste Projekte aus, um den Menschen dort Hilfestellung zu geben, d.h. grob ausgedrückt "Hilfe zur Selbsthilfe".

Die Interviews wurden mit Studenten und Projektleitern geführt. Zum einen mit "ausländischen" Studenten, welche in Deutschland leben und mit den Projektleitern/Mitarbeitern, die ihre Arbeit im Rahmen ihrer Projekte im Ausland durchführen.

Es ging hauptsächlich um die Frage, wie ein Konflikt zwischen Personen, die gemeinsam an einem Projekt arbeiten, aufgefasst und ausgetragen wird. Hintergrund war das fiktive Delegieren von Aufgaben und Kompetenzen von einer Gruppe an die andere und die Frage, wer (mit welchem kulturellen Hintergrund) dieses z.B. als Demütigung/Beleidigung auffasst, wie die Leute dieses untereinander klären. Wie einzelne darauf reagieren.

Es wurde jeweils ein ganzer Fragenkatalog abgearbeitet.

Was mir auffiel war, dass die Mehrheit der ausländischen Studenten, die hier in Deutschland leben (wenn ich "ausländisch" oder "Ausländer" schreibe, meine ich das keinesfalls negativ, also bitte nicht missverstehen), angaben, dass sie an Deutschen die "aufgesetzte" Freundlichkeit stört. Nun habe ich meine Texte nicht nur transkribiert, sondern auch über den Inhalt der Interviews nachgedacht.

Mir ist dann auch klar geworden, was sie mit "aufgesetzt" meinen. Es ist m.E. einfach eine Art "erzwungene" Freundlichkeit, d.h. dass sie spüren, wenn jemand nicht von Herzen freundlich ihnen gegenüber ist, sondern - aus welchem Grunde auch immer - diese Freundlichkeit unehrlich ist und somit Kälte ausstrahlt.

Ich frage mich nun gerade, was mir - wäre ich an der Stelle eines der Studenten - lieber wäre: dass jemand freundlich zu mir ist, ich aber spüren muss, dass er dieses nicht ehrlich meint, oder wenn er mir offen signalisiert, dass er mich ablehnt oder nicht versteht/verstehen will.

Diese Frage könnte ich mir auf zwei Weisen beantworten. Wenn ich als Deutscher in Deutschland merke, dass ein Deutscher mich ablehnt, kann's mir überwiegend egal sein, weil ich vielleicht nicht von ihm abhängig bin.

Wäre ich aber als Deutsche beispielsweise im Iran, vielleicht der Sprache nicht oder kaum mächtig, müsste aber unbedingt den richtigen Weg erfragen oder eine Ware einkaufen, dann entstünde eine Art (zumindest vorübergehender) Abhängigkeit. Und weil ich wüsste, dass ich ohne seine Hilfe nicht zurechtkomme, wäre ich mehr oder weniger gezwungen, Unhöflichkeit oder unehrliche Freundlichkeit zu ertragen.

Vielleicht wäre nur der ansatzweise Wille, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen, schon ein erster Schritt.

Sehr wohl ist die Art und Weise, auf einen Menschen zuzugehen, maßgebend, um entweder eine Blockade oder Sprachbarrieren abzubauen oder besser diese erst gar nicht als Hindernis fungieren zu lassen.

Warum das so schwer sein soll, kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen.

Also, ich hoffe, ich habe jetzt keinen (Gedanken-)Müll geschrieben, aber irgendwie hat mir dieser Text gefallen, mich aber gleichzeitig auch beschäftigt.

Ich kopiere ihn noch einmal hier herein (hoffe, das ist in Ordnung),
bzw. auszugsweise.


Liebevolle Freundlichkeit

Wenn sich ein Mensch zu Gott hinwendet, findet er überall Sonnenschein. Alle
Menschen sind seine Brüder. Vermeidet, wenn ihr mit Ausländern
zusammenkommt, durch überkommene Förmlichkeit den Anschein von Kälte und
mangelnder Anteilnahme zu erwecken. Schaut sie nicht an, als ob ihr sie für
Tunichtgute, Diebe oder Flegel hieltet. Es mag euch geraten erscheinen,
vorsichtig zu sein, um euch nicht den Gefahren einer Bekanntschaft mit
solchen vielleicht unerwünschten Elementen auszusetzen. Ich bitte euch,
denkt nicht nur an euch selbst. Seid freundlich zu den Fremden, gleichviel
ob sie aus der Türkei, aus Japan, Persien, Rußland, China oder irgendeinem
anderen Land der Erde kommen.
Helft ihnen, sich daheim zu fühlen, erkundigt euch nach ihrer Unterkunft,
fragt, ob ihr ihnen nicht irgendeinen Dienst erweisen könnt, und versucht,
ihr Leben ein wenig glücklicher zu gestalten. Bleibt auch dann noch
weiterhin freundlich, wenn sich euer ursprünglicher Verdacht bestätigt -
derartige Freundlichkeit wird ihnen helfen, sich zu bessern ...
Ich kann nur von mir sagen, daß ich es sofort merke, wenn jemand Freundlichkeit 'spielt' oder vorheuchelt.Die Meisten spüren es wenn jemand nur oberflächlich mit ihnen redet und eher um des Gespräches willen mit ihnen spricht.

Genau umgekehrt ist es wenn jemand seine Freundlichkeit echt von Herzen aus meint;da ist es manchmal gar nicht notwendig, daß derjenige etwas sagt und man fühlt sich schon wohl bei dem.

Ich kenne zwei Menschen, die haben eine Art Anziehungskraft, daß man sich immer in ihrer Gegenwart wohlfühlt. Ich denke das ist das Ziel.

Grüße,
J.B.
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