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| Wenn die heutige Auslegung so viel schlechter ist als die vergangener Zeiten, wuerde das einen Rueckschritt in der islamischen Theologie bedeuten. Das waere nicht nur fatal, sondern m.E. auch unwahrscheinlich. falls das jedoch wahr waere, so muesste man extrapolieren koennen, wo der Islam in 100 Jahren stuende. ...na dann gute Nacht! |
Der heutige Fundamentalismus in der islamischen Welt ist hauptsächlich eine Folge der umwälzenden Veränderung der Gesellschaft und auch der Säkularisierung, welche, obwohl eigentlich ein spezifisch europäisches Ereignis, einfach auf die islamische Welt angewandt wurde.
Aber die Wurzeln des Ganzen liegen noch weiter zurück. Das Goldene Zeitalter des Islam basierte auf der Erweiterung des Horizonts und Entdeckungen. Dagegen entwickelte sich die Lehren von Taqlid (die Nachahmung, ohne jeglichen Beweis) und Bid'ah (die Ablehnung jeglicher Neuerung) ab dem 15. Jahrhundert so weit, dass sie teilweise beherrschend wurden. Ausnahmen gab es sicherlich noch einige Jahrhunderte, man siehe das Osmanische Reich. Und welch, Wunder, die letzten großen Entdeckungen stammen aus dem 16. Jahrhundert.
Aber das hatten wir hier alles schon diverse Male durch gekaut. Das islamische Modell, welche die eigene Denkleistung fordert ist Ijtihad, welches als genaues Gegenteil von Taqlid gilt. Gerade Reformmuslime versuchen deswegen, logischerweise, Ijtihad wieder zu beleben.
http://www.ijtihad.org/
Nun wendest du hier ganz schön massiv die europäische Arroganz an. Sicher wurden in der europäischen Kultur massive technologische Fortschritte gemacht und auch gesellschaftliche. Doch wohin haben diese die Menschheit in der Vergangenheit gebracht? Ich möchte hier nur an den 1. und 2. Weltkrieg erinnern, ebenso wie an den Kalten Krieg, welcher uns mehrmals knapp an einem weltweiten Nuklearkrieg hat vorbeischrammen hat lassen. Wo soll das nur in 100 Jahren hinführen...
Ach, die Winde der Verzweiflung wehen aus jeder Richtung, und der Hader, der das Menschengeschlecht spaltet und peinigt, nimmt täglich zu. Die Zeichen drohender Erschütterungen und des Chaos sind jetzt deutlich zu sehen, zumal die bestehende Ordnung erbärmlich mangelhaft erscheint. (Bahá'u'lláh, Ährenlese 110)
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| Weisst du die Geschichte der katholischen Kirche von vor hunderten vor Jahren und die der heutigen amerikanischen Evangelikalen, deren Bildungsfeindlichkeit sich ja nur auf die Evolution bezieht und ein paar andere Gebiete und nicht auf die ganze Wissenschaft an sich, ist etwas vollkommen anderes. |
Auf welche Gebiete denn nicht? Welche großen wissenschaftlichen Fortschritte gab es denn im Mittelalter? Bitte keine Wiederentdeckungen der Antike oder aus dem Islam entlehntes Wissen.
Die Bildungsfeindlichkeit war sehr wohl generell.
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| Leider kommt oft, wenn man fragt warum dieses oder jenes im Islam zur Zeit so sei, nur die enttäuschende Antwort: ja im Christentum war das ja vor 1000 Jahren auch mal einige Zeit lang so. |
Was ist daran enttäuschend? Das du nicht 'der böse Islam' sagen kannst, sondern das es in deiner eigenen Religion selbst nicht besser war und teilweise ist?
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| Ich meine ausser einer kurzen wissenschaftlichen Boomsituation nach Gründung des Islam, kam da gar nichts mehr. Nichts! |
Kurz? Selbst wenn man knapp rechnet, dann war das vom 8. bis zum 13. Jahrhundert, was 6 Jahrhunderte sind, was wiederum 4-6 Jahrhunderte mehr als im Christentum sind. Zumal man statt bis zum 13. eigentlich durchaus bis ins 15. Jahrhundert rechnen könnte.
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| Und ich würde mir da eine etwas differenziertere Reaktion darauf wünschen, als "ihr Christen seid doch selber auch doof!". |
Ich bin kein Moslem. Nur ist es trotzdem ein Fakt, dass der Islam gesamtgeschichtlich der Wissenschaft sogar freundlicher gegenüber gestellt hat als das Christentum.
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Hallo an Alle,
Erstmal dickes Lob, dass wir wirklich sehr gut miteinander unsere Meinungen austauschen können. Ich habe früher viel in diesem Forum gelesen und da ging es leider auch manchmal ziemlich heftig zu, teilweise sogar leider persönliche Angriffe. Zum Glück sind wir von diese negative Erscheinungen weit entfernt .
So nun tue ich meine Meinung zu eure Aussagen kund.
Lieber Solution_1,
Ich beantworte zuerst deine Aussage.
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Unter Bildung verstehe ich die Faehigkeit, selbststaendig zu denken (z.B. kognitive Transferleistungen erbringen zu koennen), kritikfaehig sein zu koennen (also auch einstecken zu koennen), usw. |
Wie gesagt, ich kann nicht für alle muslimischen Völker sprechen. Wie der Stand in Indonesien ist kann ich nicht sagen. Ich kann nur über Nachrichten, persönliche Erfahrungen über das iranischen Volk, sowohl von Exiliraner als auch von Iraner in Iran sprechen, beides mit sehr großen Anteil von Muslimen. Komme mal den neusten Nachrichten von Exiliraner: Ich habe gestern gehört, dass rund 46% der Iraner in den USA einen Universitätsabschluss haben. Nach VAE leben die meisten Exiliraner in den USA. Die Kritikfähigkeit bei den Iranern erkennt man darin, dass in den Iran selber eine Sekundärgesellschaft aufgebaut hat (siehe Spiegel, Stern und diversen Zeitungen). Zuhause im privaten Wohnung tragen die meisten keinen Kopftuch von der jungen Gesellschaft. Alkohol trinken ist auch sehr verbreitet obwohl es im Islam verboten ist. Junge erwachsene Frauen schminken sich sehr, achten sehr auf ihre Mode. Das ist eine indirekte Kritik, weil sie auf den Gesetzen nur dort wahrnehmen wo sie gezwungen werden. Sie sind mit deren Gesetzen nicht einverstanden, sonst würden sie das auch im privaten Kreis ausüben. Das die Iraner nicht wirklich riesen Demonstration machen, ist weil der Staat sehr brutal gegen die Demonstranten vorgeht. Bei der Studentenorganisation 1999 wurden einige so brutal gefoltert, dass sie aufn den Rücken viele Blutergüsse und Blutflecken auf Großteil ihrer Rücken hatten. Einige waren danach Querschnittgelähmt. So kann man gut eine große Menge von Menschen Angst einjagen. Deshalb iranische Regime ist das was du beschreibst, das Volk dagegen nicht soweit man Zeitungen, persönliche Erfahrungen glauben schenken kann.
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Diese Faehigkeiten sind fuer verschiedene Universitaetsabschluesse nur bedingt erforderlich. |
Naja, also bei den häufig besuchten Studiengänge (Wirtschaft, Jura, Ingenieurswissenschaft, Informatik ...) muss man schon auch in Form von Seminararbeit (mache ich gerade selbst durch) und Diplomarbeiten schon ein wenig wissenschaftlich Arbeiten. Spätenstens bei der Promotion (in westlichen Länder mit Akkreditierung) sind diese Punkte die du genannt hast unbedingt erforderlich. Promotion muss man ja selber teils neue wissenschaftliche Erkenntnise als altbekannten herausfinden oder was ganz eigenes kreiren, was auf wissenschaftliche Vorgehensweise beruhrt. Man muss auch selbst die Werke kritisieren(positiv/negativ) und sie auch natürlich mit Quellen hinweisen. Und gerade promovierte Iraner kenne ich selbst in Deutschland genug, auch keine Bahais! Von den 46% der Iraner die Universitätsabschluss haben, wirds wohl viele geben die einen Doktortitel haben, gerade weil bei den Iranern das Fach Medizin ein beliebtes Fach ist .
Von den Doktoranten der Iraner in Iran, die deine Anforderung genügen kann ich nichts sagen, weil ich ihre Abschlüsse nicht viel wert halte. Siehe "Dr." Ahmadinejad.
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Auf welche Gebiete denn nicht? Welche großen wissenschaftlichen Fortschritte gab es denn im Mittelalter? Bitte keine Wiederentdeckungen der Antike oder aus dem Islam entlehntes Wissen.
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Buchdruck fällt mir da spontan ein. Schmälert etwas die Erfindung, wenn sie jemand schon mal gemacht hat und sie in Vergessenheit geraten ist? Die Leistung ist wohl die gleiche.
So dunkel war das Mittelalter nicht, wie allgemein behauptet wird - den Begriff hat die Renaissance geprägt, die sich als Wiedergeburt der glorreichen Antike verstand. Aus dieser Perspektive kann man natürliche vom bösen Mittelalter und der schönen Antike reden.
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Lieber Andreas80,
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| Und ich würde mir da eine etwas differenziertere Reaktion darauf wünschen, als "ihr Christen seid doch selber auch doof!". |
Sowas würde ich nie sagen. Ich glaube da hast du mich leider missverstanden. Ich habe mich glaube ich auch nicht klar genug ausgedrückt. Ich habe immer gegen Machtinhaber die leider im Namen einer Religion schlechte Sachen tun und sie sogar in den Dreck ziehen. Das man so eine wunderbare Religion wie das Christentum mit Kreuzzüge missbraucht finde ich echt ein Unding. Es ging mir einfach auch nur darum, dass leider oft schlimme Sachen getan wurden und dann als Grund einer Religion nannte, die solche Taten sogar verurteilt. Glaub mir, wenn ein Bahai sehr schlimme Taten tun würde und dann als Grund den Glauben geben würde, würde ich mich stark distanzieren und den Leuten auch zeigen, dass unsere Religion durch paar Schriften seine Taten stark verurteilt. Wir sehen, dass jede Religion eine Tiefphase mal hat, auch wird dies bei der Bahai Religion aus der Sicht der Bahais basieren, wie wissen wir nicht, aber wird kurz oder in der Offenbarung einer neuen aus der Bahai-Sicht göttlichen Religion passieren.
Bin ein wenig hier vom Thema abgeschweift, aber wollte nur dieses Missverständnis klären.
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Lieber Tobias
Ich bin wieder enttäuscht von der Antwort. Tut mir leid. Aber es ist keine wirkliche Antwort. Schau her:
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Weisst du die Geschichte der katholischen Kirche von vor hunderten vor Jahren und die der heutigen amerikanischen Evangelikalen, deren Bildungsfeindlichkeit sich ja nur auf die Evolution bezieht und ein paar andere Gebiete und nicht auf die ganze Wissenschaft an sich, ist etwas vollkommen anderes.
Auf welche Gebiete denn nicht? Welche großen wissenschaftlichen Fortschritte gab es denn im Mittelalter? Bitte keine Wiederentdeckungen der Antike oder aus dem Islam entlehntes Wissen.
Die Bildungsfeindlichkeit war sehr wohl generell. |
Diesen Satz hast du ganz falsch verstanden. Eigentlich wollte ich nur sagen, dass Bildungsfeindlichkeit im Islam und im Christentum verschiedene Phänomene sind, die Ursachen deshalb auch getrennt gesucht werden müssen. In diesem Satz habe ich aber vor allem nicht gesagt, dass der Katholizismus im Mittelalter nur partiell wissenschaftsfeindlich war, sondern ich habe das zu den modernen Evangelikalen gesagt. Dass der Katholizismus des Mittelalters unbeschränkt wissenschaftsfeindlich war, habe ich nie bestritten. Deine Reaktion auf meinen Satz ist also absolut untreffend.
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Leider kommt oft, wenn man fragt warum dieses oder jenes im Islam zur Zeit so sei, nur die enttäuschende Antwort: ja im Christentum war das ja vor 1000 Jahren auch mal einige Zeit lang so.
Was ist daran enttäuschend? Das du nicht 'der böse Islam' sagen kannst, sondern das es in deiner eigenen Religion selbst nicht besser war und teilweise ist? |
Hier unterstellst du mir etwas. Ich will nicht "der böse Islam" sagen. Ich fühle mich von dieser Unterstellung sogar mit dem Vorwurf der Primitivität beleidigt. Ich finde das nicht schön. Die Antwort ist deshalb enttäuschend, weil es eben keine Antwort ist. Ich will Ursachen suchen und dann heisst es immer: "Ihr seid doch selber doof." So findet man keine Ursachen, das ist keine vernunftbasierte Diskussuionshaltung sondern emotional zu aufgeladen, verstehst du?
Aber, auf Solution_1's Post hast du ja dann doch einen Teil der wünschenswerten Antwort gegeben, indem du die verschiedenen Traditionen mal beim Namen genannt hast. Interessant wäre es jetzt noch für alle, zu wissen woher diese fatale Gewichtung der Traditionen rührt.
Gruss,
Andreas
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