Wenn Jesus Jude war, warum seid Ihr Christen?


Wenn Jesus Jude war, warum seid Ihr dann Christen?

Ich verstehe nicht, wie sich eine neue Religion entwickelt hat, deren Prophet nicht dieser Religion angehörte. Ich sehe da keine Logik.

Erklärt es mir bitte.
Jesus wollte seinen jüdischen Landsleuten klar machen, dass es so nicht sein kann, falsche Interpretation der Schriften, Lebensweise usw. Aus dieser Lehre ist dann das entstanden, was man bis heute schlechthin die christliche Lehre nennt.

Er hat in dem Sinne nicht unbedingt etwas Neues verkündet, sondern die jüdische Weise versucht zu "korrigieren".

Gruß
Hallo Kolle,

Zitat:
Ich verstehe nicht, wie sich eine neue Religion entwickelt hat, deren Prophet nicht dieser Religion angehörte. Ich sehe da keine Logik.


Die "Logik" des Christentums kam ja auch erst mit Paulus, sofern man Religion überhaupt logisch Betrachten kann (ich meine eher nicht, wobei man das was man "Logik" nennt, auch oft unlogisch sein muss um logisch zu sein, oder so).
Religionen entwickeln sich manchmal etwas seltsam und sehr "unteriridisch", wobei allerdings die monotheistischen Religionen immer eine Phase der, dann sehr "oberiridischen" Gewalt, zu Absolvieren haben/hatten/.
Also ist sozusagen das Christentum die reformierte Form des Judentums.(?) Jesus empfand das Judentum nicht mehr Zeitgemäß bzw. war mit deren Ansichten nicht einverstanden.

Da tumeln sich mir aber jetzt noch mehr Fragen auf.
Warum muss eine Religion reformiert werden?
Sollte nicht Gottes Wort für IMMER "richtig" sein?
Ich meine, Gott sollte nie fehler machen...und eine reformierung ist dazu da Fehler zu beseitigen...mehr oder weniger.

Es ging mir haputsächlich nicht um die Logik, sondern um die Frage allgemein, weil ich das nicht verstand.
@Kolle
Was Jesus wirklich empfand ist eine schwierige Frage, da alle Aufzeichnungen über ihn ja erst lange nach seinem Tod gemacht wurden und dann auch von Leute welche eben nicht aus seiner Kultur stammen.

Aber wenn man selbst unter diesem Gesichtspunkt das NT und Aussagen hier von Jesus mit der damals (und heute noch) gültigen Lehre des Judentums vergleicht, dann war er hier kein Reformator, sondern hat oft das einfache und unwissende Volk gerade auf diese Lehre eingeschworen. So zitiere Jesus oft auch indirekt viele jüdische Weisen, welche diese Aussagen lange vor ihm machten. Gross Abweichungen finden sich hier also nicht.

Wie Mebus allerdings richtig anmerkte, entstand das heutige Christentum und seine Lehren erst durch Paulus und dieses stand dann auch schon nicht mehr in der Tradition des Judentums sondern brach ja gerade damit.

Ansonsten hast du aus meiner Sicht ganz recht mit der Nachfrage, warum Jesus kommen musste, wo G'tt vorher schon alles offenbart hat und warum Paulus hier drastisch ändern musste/durfte, was vorher von G'tt selbst ganz anders offenbart wurde.

Diese Problematik geht dann aber an die Christen hier im Forum. Ich als Jude kann nur aufzeigen, wie wenige das was von Jesus Worten überliefert wurde, dem Judentum widerspricht.
Bliebe vielleicht noch zu Bemerken, das es bis heute ein ewiger Zankapfel unter den christlichen Konfessionen/Sekten/Gruppierungen ist, ob Jesus nun das Gesetz aufhob und damit erneuern wollte, oder ob Jesus das Gesetz nur "Erfüllen" wollte.

Die Bibel gibt beiden Parteien recht, allerdings ist es oft eine reine Farce in theologischen Streitgesprächen mit ansehen zu müssen, wie dann Verse aus den Evangelien mit Versen des Paulus ausgehebelt werden, diesen wiederum werden dann Stellen aus dem AT entgegen gestellt und diese werden dann wieder mit Jesuanischen Aussagen entkräftigt um dann wieder mit Paulus...

Womit eigentlich eindeutig erwiesen ist, und das nicht erst seit heute, das der evangelische Biblizismus auf der ganzen Linie gescheitert ist, völlig gescheitert ist.

Das ewige Dilemma der Buchreligionen.

Grüße

Mebus
Zitat:
Also ist sozusagen das Christentum die reformierte Form des Judentums.(?) Jesus empfand das Judentum nicht mehr Zeitgemäß bzw. war mit deren Ansichten nicht einverstanden.


Ja und mehr. Auf der einen Seite predigte Jesus eine reformierte Auslegung der Thora und auf der anderen Seite verkündete Er das Evangelium des Reiches Gottes. Damit brach Jesus dann aus dem jüdischen Umfeld aus.

Zitat:
Ich meine, Gott sollte nie fehler machen...und eine reformierung ist dazu da Fehler zu beseitigen...mehr oder weniger.


Was hat die Auslegung der Leute mit Gott zu tun? Derweil ändert sich ja auch der Zustand der Menschheit, also damit auch ihre Hoffnungen und Probleme.
@Jakow
Nun ja, jeder sieht die Geschehnisse aus seiner Sicht der Dinge. Abgesehen davon, dass sich der werte Paulus mit den Zeitzeugen Jesu, bspw. Petrus völlig überworfen hat und die Beiden nicht gerade gute Freunde waren, sind in den Überlieferungen noch ganz andere Probleme aufgetreten, die allerdings an den Kernaussagen Jesu im #grunde genommen nichts gerüttelt haben.

Jeder Schreiber - und damit meine ich auch Gruppen von Schreibern, die dann unter einem Namen liefen, hatten ihre Zielgruppe im Visier. Dadurch kam es zwangsweise zu Abschriften und Überschneidungen.

Grundsätzlich ist sicherlich richtig, dass es keine Urabschrift der Aussgen Jesu gibt, die Überlieferungen wurden viele Jahre nach dessen Ableben erst schriftlich fixiert. Auch ist hier ein klarer Unterschied zur Erstellung des Korans vorhanden. Während im Islam der Anspruch erhoben wird, dass eine direkte Lehrübermittlung Gottes via einem Erzengel Gabriel an Mohammed stattgefunden haben soll, wird bei der christlichen Übermittlung lediglich der Anspruch erhoben, dass die Übermittler göttlich inspiriert waren.

Die Authentizität der Überlieferungen konnte durch textkritische Analysen auch belegt werden, was beim Koran bis heute meines Wissen völlig fehlt (Kritik an der Lehre wird ja weitgehenst abgelehnt, weil angeblich von Gott direkt offenbart).

Aber alles ändert nichts daran, dass es sich bei den Schriften des NT's - übrigens nicht anders als beim AT sich um reine Überlieferungen handelt, die von Menschen festgehalten wurden!

Gruß
Wie kann denn bitte eine Religion _nicht_ aus einer anderen Religion entstehen? Dass sie vom Himmel zu fallen hat, ist doch die völlig unlogische Sicht der Dinge.
Es handelt sich auch nicht um Gottes Wort - es handelt sich um das, was der Mensch denkt, dass Gott sagt... Gottes Wort ist nämlich im Aussen nicht zu finden, sondern nur im Inneren.

LG
@Lisken
Zitat:
Es handelt sich auch nicht um Gottes Wort - es handelt sich um das, was der Mensch denkt, dass Gott sagt...

Das ist das Eine. Das wollen aber die Menschen, oder Gläubigen, die behaupten, die Bibel sei Gottes wort, oder der Koran seien Worte von Gott an Mohammed übergeben, nicht wahrhaben.

Zitat:
Gottes Wort ist nämlich im Aussen nicht zu finden, sondern nur im Inneren.

Auch da gebe ich Dir vollkommen Recht, sofern ein Mensch an einen Gott glaubt!

Gruß