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Keuschheitsgebot in der Bahai-Religion












Liebe Minou,

Zitat:
ja, es ist traurig, zu sehen, wie langsam die Arznei Baha'u'llahs wirkt.


Wie soll Medizin auch wirken, wenn sie nicht genommen wird?

Wir nehmen sehr wohl wahr, wie das ganze Menschengeschlecht von großen, unberechenbaren Drangsalen umgeben ist. Wir sehen es auf seinem Krankenlager dahinsiechen, schwer geprüft und enttäuscht. Jene, die von Eigendünkel trunken sind, haben sich zwischen die Menschen und den göttlichen, unfehlbaren Arzt gedrängt. Sieh, wie sie alle Menschen, sich selbst eingeschlossen, in das Netzwerk ihrer List verstrickt haben. Sie können weder die Ursache der Krankheit erkennen noch haben sie die geringste Kenntnis von der Arznei. Sie halten das Gerade für krumm und wähnen, ihr Freund sei ihr Feind. (Bahá'u'lláh, Ährenlese 106:2)

Betrachtet die Welt wie einen menschlichen Körper, der bei seiner Erschaffung gesund und vollkommen war, jedoch aus verschiedenen Ursachen von schweren Störungen und Krankheiten befallen wurde. Nicht einen Tag lang wurde ihm Linderung zuteil, nein, seine Krankheit verschlimmerte sich noch, weil er in die Hände unwissender Ärzte fiel, die sich nur von ihren per­sönlichen Wünschen leiten ließen und sich schmählich irrten. Und wurde einmal ein Organ von einem fähigen Arzt geheilt, so blieb doch der Rest so krank wie zuvor. So un­terrichtet euch der Allwissende, der Allweise. (Bahá'u'lláh, Ährenlese 120:1)


Liebe Grüße, Tobias
Hast ja recht, lieber Tobias! Danke für die Zitate

Liebe Grüße!
Guten Tag Allerseits

Es ist schon ein Weilchen her, als ich das letzte Mal einen Beitrag in dieses Forum hinterlassen habe. Vielleicht können sich die einen noch an mich erinnern...
Die Diskussion hat sich gegen den Schluss sehr von der eigentlichen Thematik distanziert. Ich möchte die Fokussierung wieder in Richtung Keuschheitsproblematik richten.

Zum Thema Keuschheit schreibt Shogi-Effendi in „Ein keusches und heiliges Leben“:

„Keuschheit bedeutet ein unbeflecktes, reines Geschlechtsleben vor und nach der Heirat: vor der Heirat vollkommen keusch, nach der Heirat dem gewählten Gefährten vollkommen treu, Treue in allen sexuellen Handlungen, Treue in Wort und Tat. Abgesehen von anderen Missständen ist die Welt heute versunken in einer Überbetonung der körperlichen Liebe und in einem Mangel an geistigen Werten.“


Mich interessiert vor allem, was mit einem unbefleckten und reinen Geschlechtsleben vor der Heirat gemeint ist.
Wird hier nur der ausserehelicher Beischlaf angesprochen oder alle bewussten Aktionen, die zu einem Orgasmus führen, wie zum Beispiel unter anderem die Onanie.

Das internationale Haus der Gerechtigkeit schreibt über Masturbation:
Masturbation is clearly not a proper use of the sex instinct, as this is understood in the Faith.
(Letter of the Universal House of Justice, 1981)


Das universale Haus der Gerechtigkeit rät ganz klar von der Masturbation ab, mit der Begründung, dass sie nicht der richtige Gebrauch des Geschlechtstriebes sei.
Die einzige sexuelle Erscheinung, die das universale Haus der Gerechtigkeit betreffend dem männlichen Sexualleben vor der Ehe noch duldet, ist somit die Pollution, die auch als nächtlicher Samenerguss oder feuchter Traum bekannt ist.
Bis heute können Ursache und Zweck des unwillkürlichen Samenergusses nicht vollständig wissenschaftlich erklärt werden. Die Sexualforschung geht von zwei Theorien aus. Ich zitiere:

Samenstautheorie
Nach dieser Theorie entledigt sich der Körper über einen unwillkürlichen Orgasmus und eine Ejakulation des angestauten Spermas, welches allein durch die körpereigene Abbaufunktion nicht beseitigt werden kann.

Teratozoospermievermeidungstheorie
R. J. Levin (1975) formulierte zugleich die Hypothese, dass der Zweck von Pollutionen in der Vermeidung einer Teratozoospermie (schlechtes Spermiogramm; nur 15 % der Spermien weisen eine normale Morphologie auf) liegen könnte.

Wenn sich wissenschaftlich abgesichert eindeutige Hinweise dafür finden sollten, dass bei gesunden Jungen im Falle sexueller Enthaltsamkeit oder selbst ohne eine solche auch schon vor und zu Beginn der Pubertät unwillkürliche Orgasmen im Schlaf gelegentlich auftreten, bei denen dann - wie bei bewusst herbeigeführten Orgasmen im Wachzustand - statt eines trockenen Orgasmus auch Ejakulationen (im allgemeinen Sinne von „Erguss ohne oder mit Spermien“) allein von Seminalplasma stattfinden können, dann müssten die bisher formulierten Theorien hinsichtlich Ursache und/oder Zweck von Pollutionen mindestens neu überdacht werden. Eine Begriffsumfangserweiterung der Pollution per Definitionsänderung von „Samenerguss im Schlaf“ auf „Erguss im Schlaf“ wäre ebenfalls denkbar, wobei dann ganz allgemein ein Erguss ohne oder mit Spermien gemeint wäre.
...
Meines Erachtens würde eine regelässige und kontrollierte Masturbation der Spermienqualität zu Gute kommen. Ausserdem glaube ich auch, dass sich die meisten männlichen Baha'is, die noch ledig sind, mit dieser "Bettnässe" nicht abfinden können, geschweige denn überhaupt etwas von diesem Brief des universalen Hauses der Gerechtigkeit wissen. Dementsprechend finde ich die Aussage, die das universale Haus der Gerechtigkeit über Masturbation geäussert hat sehr unüberlegt und verfrüht, denn solange die Komplexität und Bedeutung des Orgasmus noch nicht zu hundert Prozent verstanden wurden, darf man erst recht nicht die Masturbation zu einer negativen Verhaltensform degradieren.

Auf der anderen Seite sollte ich als Baha’i wissen, dass die Beschlüsse und Äusserungen des universalen Hauses der Gerechtigkeit unfehlbar sind.
Meine naturwissenschaftliche Einstellung gegenüber dieser Thematik sagt mir, dass Masturbation eigentlich nichts schlechtes sein kann. Wie ihr seht bin ich wegen dieses Briefes in eine Art Zwickmühle geraten.

Frage an die anderen männlichen, ledigen Baha’is:
Wie setzt ihr euch mit dieser Problematik auseinander?

Ich freue mich auf alle positiven, geistreichen und auch kritischen Antworten.

Herzliche Grüsse
Edwin
Allah'u'Abha lieber Erwin (soweit ich verstanden habe bist Du Bahá'i ?)

Deine wissenschaftliche Herangehensweise ist durchaus berechtigt und die Unfehlbarkeit des Beschlusses ist es ebenso.

Das mit dem Masturbieren ist genauso wie mit dem Rauchen oder dem Küssen. Da gibt es weder in den Schriften klare Aussagen darüber noch verbietet das Universale es ausdrücklich. Es gibt somit Bahá'i die sehen das Rauchen für völlig statthaft und andere wiederum als genauso verboten wie Alkohol.

Dass das Universale Haus der Gerechtigkeit juristisch konsequent vorgehen und auf die Gefahr der Motivation zur Unzucht hinweisen musste, die durch die Phantastereien während der Masturbation entstehen, ist wohl mehr als verständlich.

Es ist klar und richtig uns voll auf das Licht des Universalen Hauses der Gerechtigkeit zu verlassen, denn Bahaullah selber ist es, der dieses Gremium führt.

Von einer zentralisierten moralischen Administration möchte das Haus hingegen ganz gegenteilig sogar Abstand halten. Das Individuum ist gefragt, auf offensichtliches Fehlverhalten wird auch nicht selten nachsichtig reagiert.

LG
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