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Lieber Rahyim
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| Was Du ausserdem auf der Junggesellenparty erlebt hast war wohl in einem komerziellen Stripladen. |
Wie kommst Du darauf? Eine normale Dorfkneipe in einem tiefkatholischen Dorf ist kein Striplokal. Allerdings wußte jede aus dem Dorf, dass dort diese Junggesellenabschiedsparty stattfand, also praktisch kein Publikumsverkehr. Nur wir wußten es nicht, daher waren wir an dem Abend dort ganz normal eine Pizza essen und kamen dadurch zu diesem "Vergnügen".
Das von mir angespielte Verhalten geht ins meditativ Element. Ob es unbedingt buddhistisch ist, sei dahin gestellt, ich bezweifele es. Aber das Motiv kommt aus dieser Gegend: Bewußtwerden des eigenen Willens. Damit will ich jetzt aber nicht sagen, dass dies ausschließlich dem buddhistischen Gedanken zuzuschreiben ist.
Gelernt habe ich das in meiner Studienzeit, wo ich noch tagtäglich im heißen Kampf um eine zölibatäre Lebensweise (oder nicht) gestanden habe. Also zwischen dem 20. u. 25. Lebensjahr. Und diese Willensbildung betraf nicht nur die Welt der Erotik.
Ausschlaggebend waren meine permanente Prüfungsängste vor Klausuren und Kolloquia. Alles andere waren Nebeneffekte!
Das ist soweit gegangen (bis heute noch), dass ich eben auch erotische Reize sehr geziehlt "auskosten" kann, ohne dass irgendein Gefühl vorhanden wäre, auch körperlich tätig werden zu müssen oder zu wollen!
Liebe Grüße!
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Liebe Freunde
Das Thema hat sich ja gut eingependelt.
Ich muss sagen, ich stehe da so zwischen euren beiden Positionen.
Ziel ist sicherlich bei euch beiden ohne Sünde, d.h. ohne Ehebruch oder ohne One-night-stand durchs Leben zu gehen.
Rahiym verfolgt, so wie ich zur Zeit auch noch, den Weg der Versuchung ab dem Zeitpunkt aus dem Weg zu gehen, wenn sie zu stark wird. D.h. man darf auf eine solche Studentenparty gehen, man darf etwas trinken, man darf tanzen. Aber wenn die süssen Dinger auf Angriff gehen - und das gehen sie sowieso irgendwann - sollte man Abstand nehmen. Ich sage ihnen, dass ich vergeben bin und wenn das nicht reicht, was durchaus auch der Fall ist, dass ich katholisch bin und wegen "deinem süssen Ärschchen nicht auf den Himmel verzichten" will.
Der andere, Positivs Weg, ist die Erkenntnis, dass man über die Versuchung erhaben sein soll.
Das ist sicher der edlerere und erhabenere Weg und auch das was Jesus zum Beispiel meint, wenn er sagt:
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Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: "Du sollst nicht ehebrechen." Ich aber sage euch: Wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.
Ärgert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirf's von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. (Bergpredigt) |
D.h. man soll letztendlich nicht das Auge ausreissen, sondern das Verlangen besiegen indem man die Gewohnheiten, Ansichten und Einstellungen verwirft, die einen zur Sünde bringen.
Und da hat Positiv schon recht.
Nur: Der Mensch besteht nicht nur aus Geist und Herz. Der Willen steckt nicht nur im Geist. Auch das Fleisch ist immer bei mir und hat seinen (oft sündhaften) Willen.
Diesen Willen mit dem Geist zu dominieren ist sicher das erklärte und zentrale Ziel aller Religionen. Aber es ist der Idealzustand, den man auf einer sehr hohen Erleuchtungsebene vielleicht vervollkommnet, so dass man sich blind darauf verlassen kann.
Lieber Positiv: Solange bis Rahiym und ich dort angekommen sind, erlaube uns bitte der Versuchung dann auszuweichen bevor es zu spät ist.
Lieber Rahiym: Ich fand das lustig, dass du sagst, wenn du in eine Flirtsituation mit einem Mädel kommst, die dir gefährlich werden könnte, dass du dann ein stille Andacht in dir vornimmst.
Ich mache das sehr ähnlich. Ich bekreuzige mich kurz und unauffällig an der Stirn in einer Bewegung, die jetzt nicht jeder als Bekreuzigung erkennen würde. Beim Kreuzzeichen denkt sich der Christ (bestenfalls): Herr, reinige meine Gedanken (oben), meine Gefühle (unten), mein Unbewusstes (links) und mein Bewusstes (rechts). Danach gehe ich der Versuchung aus dem Weg, schaue weg, hol mir noch ein Bier oder sowas.
Gruss,
Andreas
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Lieber Posi,
In Deinen Gedanken sich innerlich zu "reinigen" und somit erhaben über seinen Gefühlen und Reizen zu sein gehe ich mit Dir zu 100% konform !
Tatsächlich bringt es überhaupt nichts einfach wegzuschauen, ohne den Weg der inneren Erkenntnis des Selbstes zu beschreiten und sich über die Gedanken, die einen zwingen, zu erheben. Genau das ist auch die Bahá'i Lehre, es geht nicht um das Äußere sondern um die tiefe geistige Haltung.
Das habe ich auch alles nicht angefochten, sondern in meiner eigenen Methode der inneren Andacht versuche ich durchaus genau diese innere Reinheit zu erreichen.
Nur in Augenblicken, wo eben das Herunterbeten von noch so vielen Versen Bahaullahs nicht mehr weiterhilft muss ich irgendwo den Notstand ausrufen und mich dann eben mit brachialer Gewalt zurückhalten, sonst ist es manchmal zu spät und es passiert !
Verstehst Du was ich meine ? Ich widerspreche Dir also nicht sondern ergänze die Debatte mit pragmatischen Methoden, für Augenblicke, in denen es eben nicht klappt mit der Erhabenheit.
Liebste Grüße,
Rahiym
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Lieber Andreas, lieber Rahyim,
also jetzt muß ich doch mal Tacheles reden! Nehmt es im Guten auf! - Vorneweg: Ich habe nichts gegen außerehelichen Geschlechtsverkehr, das ist meiner Ansicht nach jedem seine eigene Sache, unabhängig von Religion, Kultur oder Erziehung oder sonst etwas!
Und das zweite vorneweg: In meinem Studium, gerade in Bereichen der Priesterausbildung, sagte mir mal mein damaliger Studentenpfarrer, heute Regenz in einem sehr bedeutenden Prieserseminar in der BRD. wie will ein Mann der nie Geschlechtsverkehr mit einer Frau hatte und sich zölibatär binden will, wissen, auf was er sich einläßt.... Im Grunde genommen ein Regelverstoß gegen die röm. katholische Moralordnung (und diesmal habe ich es ganz bewußt nahezu ohne Abkürzung ausgeschrieben) !.
Nun zu meiner Meinung Eurer Ausführung. Auf Grund Eurer - zugegebenerweise eingestandenen Schwächen - Ausführungen, seid Ihr Euch eigentlich bewußt, dass Ihr mit Eurer Haltung - um beim Glauben zu bleiben - göttliche Geschöpfe ignoriert? Das ist keine Aufforderung, mit jeder Schönheit gleich in die Kiste zu springen.
Als ich das erste Mal Geschlechtsverkehr hatte (mit ca 21 Jahren), habe ich mich maßlos geärgert, warum ich diesen Lernprozess so vor mich hergeschoben habe, aus Angst vor dem Unbekanntem! Das Sexualleben kommt nicht als Sechser im Lotto, es will erlernt sein. Und ich fühle mich glücklich, dass ich die Kurve gekratzt habe, vor meinem Eheleben doch noch etwas Sexualerfahrung eingesammelt zu haben. Ein nicht unerheblicher Beitrag zu einem erfüllten Sexualleben innerhalb einer Lebensgemeinschaft!
Ein Freund von mir, der mir "beichtete", nach über 10 Jahren Ehe einen Seitensprung begangen zu haben, erzählte mir dann, wie traurig er anschließend war. Nichts Vertrautes beim Beischlaf, nur einen kurzen Orgasmus, und das war es.... Seine Ehefrau war auch seine erste Sexualpartnerin. Für ihn wurde die sexuelle Vereinigung mit seiner Frau zum wahren Streßfaktor, da eben ohne Erfahrung, was Frau fühlen kann.
Das Sexualereignis ist bei Menschen, geschlechtsabhängig, ein verdammt unterschiedlicher Prozess. Jeder geht davon aus, gleiche Empfidungen zu haben, aber das hat die Natur anders eingerichtet!
Eine Frau macht die Pforte der Empfangsbereitschaft eher zu als der Mann, der schaut in der Regel erst mal blöd drein, was ist denn jetzt! Und gleich wird es auf eine angebliche Frigidität der Frau geschoben..... Dabei ist reine Sensibilität angesagt! Nur versteht es Mann?
Diese Keuschheitsgebote mögen in mancher Hinsicht eine Hilfe sein, aber sie werden zweckentfremdet, um der Verantwortung, mit den eigenen Gefühlen einerseits, und den Gefühlen des Partners zunächst möglichst konfliktlos aus dem Wege zu gehen!
Übrigens, das schreibe ich nicht aus einer Theorie heraus. Das kann Euch jeder Sexualtherapeut, der einigermaßen ausgebildet ist, bestätigen! Ich habe innerhalb einer Paartherapie sehr viele Hausaufgaben machen müssen/dürfen, um innerhalb einer sehr typischen Sexflaute - mit anderen Problemen zusammen - die gemeinsame Beziehung mit meiner Frau nahezu völlig neu aufzubauen! Und wir freuen uns jeden Tag darüber, auch wenn wir mittlerweile fast ein viertel Jahrhundert in Liebe vereinigt sind!
Denkt mal drüber nach und liebe Grüße an Euch Beide!
posi
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| Ich mache das sehr ähnlich. Ich bekreuzige mich kurz und unauffällig an der Stirn in einer Bewegung, die jetzt nicht jeder als Bekreuzigung erkennen würde. Beim Kreuzzeichen denkt sich der Christ (bestenfalls): Herr, reinige meine Gedanken (oben), meine Gefühle (unten), mein Unbewusstes (links) und mein Bewusstes (rechts). Danach gehe ich der Versuchung aus dem Weg, schaue weg, hol mir noch ein Bier oder sowas. |
Lieber Andreas,
Kýrie eléison,Halleluja, Allahu Akbaru Abha !
Das ist die genialste Auslegung der Bekreuzigung, die ich je gelesen oder gehört habe ! Wahnsinn, was eigentlich hinter der christlichen Symbolik für Weisheiten steckt. Mich hat die Bekreuzigung schon als kleines Kind immer fasziniert, ich fand sie extrem spirituell und die Gesichtsausdrücke von gläubigen Christen dabei war herrlich mitanzusehen. Endlich habe ich es mal verstanden, was dahintersteckt. Danke !
LG
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