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Naturkatastrophen












Allah´u´Abha !

Ich suche Textstellen in den Bahá'i Quellen, die zu den Gründen von Naturkatastrophen (z.B.Erbeben, Tsunamis, Erdrutsch) Stellung nehmen.

Dabei geht es mir selbstverständlich nicht um wissenschaftliche Ursachen, sondern um den theologischen Sinn und weshalb Gott uns mit so etwas konfrontiert.

Falls es keine Stellungnahme dazu gibt würde ich gerne eure persönliche Meinung erfahren

LG
Allah'u'Abha, Rahiym,
das habe ich gefunden:
[quote]Aus einer Ansprache ‘Abdu’l-Bahás, gehalten am 23. April 1912 in Washington, D.C.*)

Während der letzten Tage hat ein schreckliches Ereignis die Welt erschüttert, ein Ereignis das jedes Herz mit Trauer erfüllt und jedermann bekümmert hat. Ich meine die Katastrophe um die Titanic, bei der viele unserer Mitmenschen ertrunken sind; viele liebe Seelen sind aus diesem irdischen Leben geschieden. Obwohl ein solches Ereignis in der Tat bedauerlich ist, müssen wir uns doch vergegenwärtigen, dass alles was geschieht einer bestimmten Weisheit unterliegt und nichts grundlos geschieht. Darin liegt ein Mysterium. Was jedoch auch immer der Grund und das Mysterium seien – es war ein trauriges Geschehen, eines das viele Augen mit Tränen erfüllt und vielen Seelen Pein gebracht hat. Mich hat diese Katastrophe tief berührt. Einige der Ertrunkenen sind bis Neapel auf der Cedric mit uns gereist und dann auf einem anderen Schiff weiter gesegelt. An sie zu denken, erfüllt mich in der Tat mit Trauer. Wenn ich dieses Unglück jedoch unter einem anderen Gesichtspunkt betrachte, tröstet mich die Einsicht, dass Gottes Welten unbegrenzt sind. Jene Menschen gingen dieses Daseins verlustig, sie haben aber andere Möglichkeiten im jenseitigen Leben; wie Christus sagte: »In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen.« Aus dem Zeitlichen wurden sie abberufen und in die Ewigkeit versetzt; sie haben dieses stoffliche Dasein aufgegeben und die Tore der geistigen Welt durchschritten. Das Vergnügen und Behagen der Irdischen hinter sich lassend, sind sie jetzt einer viel dauerhafteren Freude, eines weit wirklicheren Glücks teilhaftig, denn sie sind ins Reich Gottes geeilt. Gottes Gnade ist grenzenlos, und unsere Pflicht ist es, dieser verstorbenen Seelen in unseren Gebeten und Fürsprachen zu gedenken, damit sie immer näher zum eigentlichen Quell gelangen.

Die menschlichen Zustände lassen sich dem Mutterleib vergleichen, aus dem das Kind in die weite Außenwelt hineingeboren wird. Zunächst fällt es dem Kind schwer, sich mit seinem neuen Dasein abzufinden. Es schreit, als wolle es nicht aus seiner engen Wohnung entfernt werden, als stelle es sich vor, das Leben sei auf diesen umgrenzten Raum beschränkt. Es mag seine Heimstatt nicht verlassen, aber die Natur zwingt es in die Welt hinaus. Nachdem es in seinen neuen Zustand eingetreten ist, erfährt es, dass es aus dem Dunkel in eine Sphäre des Glanzes, aus düsteren, beengten Verhältnissen in eine geräumige, angenehme Umgebung gelangt ist.
[quote]
Fortsetzung:
Zitat:
Seine Nahrung war das Blut der Mutter; nun freut es sich an köstlichen Speisen. Sein neues Leben ist von Glanz und Schönheit erfüllt; freudig und verwundert schaut das Kind auf Berge, Auen und grüne Felder, Flüsse und Quellen, die herrlichen Sterne; es atmet die erquickende Luft; und schließlich preist es Gott dafür, dass Er es aus dem Kerker seines vorherigen Zustandes erlöste und die Freiheit einer neuen Welt erlangen ließ. Dieses Gleichnis drückt das Verhältnis der zeitlichen Welt zum jenseitigen Leben aus, den Übergang der Menschenseele aus dunkler Unsicherheit in die helle Wirklichkeit des ewigen Reiches. Zuerst fällt es der Seele schwer, den Tod willkommen zu heißen; aber wenn sie ihren neuen Zustand erreicht hat, ist sie dankbar, ist sie doch der Bande des Begrenzten ledig und kann die Freiheiten des Unbegrenzten genießen. Aus einer Welt des Leides, des Schmerzes und der Heimsuchung ist sie entlassen, um in einer Welt unaufhörlicher Freude und Wonne zu leben. Das vergängliche und das Natürliche gibt sie auf, um zu den Möglichkeiten des Idealen und des Geistigen zu gelangen. So sind die Seelen derer, die von der Erde geschieden sind und die Zeitspanne ihrer irdischen Pilgerreise mit dem Untergang der Titanic vollendet haben, in eine höhere Welt enteilt. Sie haben sich aus diesem Zustand trüben Dunkels emporgeschwungen in das Reich des Lichtes. Das sind die einzigen Überlegungen, welche die Hinterbliebenen trösten und stärken können.



Fortsetzung:
Zitat:
Darüber hinaus haben diese Geschehnisse tiefere Gründe. Ihr Zweck ist, den Menschen gewisse Lehren zu erteilen. Wir leben in einer Welt des Vertrauens auf materielle Dinge. Die Menschen bilden sich ein, die ungeheure Größe und Stärke eines Schiffes, perfekte Maschinenanlagen oder die Geschicklichkeit eines Steuermanns gewährten Sicherheit; aber diese Unglücksfälle ereignen sich zuweilen, damit die Menschen erkennen, dass Gott der wahre Beschützer ist. Wenn es der Wille Gottes ist, den Menschen zu beschützen, kann ein kleines Boot der Zerstörung entgehen, während das größte und bestgebaute Schiff mit dem erfahrensten und geschicktesten Steuermann einer Gefahr, wie sie kürzlich das Meer barg, nicht zu entrinnen vermag. Die Absicht ist, dass die Menschen der Welt sich Gott, dem einzigen Beschützer, zuwenden, dass sich die Menschenseelen Seiner Vorsehung anvertrauen und in Ihm ihre wahre Sicherheit erkennen. Diese Dinge geschehen, damit der Glaube der Menschen größer und stärker werde. Deshalb müssen wir, auch wenn wir traurig und entmutigt sind, Gott anflehen, dass Er unsere Herzen dem Königreiche zuwende, und für diese abgeschiedenen Seelen im Glauben an Seine unendliche Gnade beten, damit sie sich, obgleich dieses irdischen Lebens beraubt, eines neuen Daseins in den erhabenen Wohnstätten des himmlischen Vaters erfreuen mögen. Denkt nicht, diese Worte besagten, der Mensch solle nicht gründlich und vorsichtig in seinen Unternehmungen sein. Gott hat dem Menschen den Verstand gegeben, damit er sich vorsehe und selbst beschütze. Darum muss er achtsam sein und sich mit all dem versehen, was wissenschaftliches Können hervorbringt. Er muss vorsichtig, bedachtsam und gründlich in seinen Vorhaben sein, die besten Schiffe bauen und für den erfahrensten Kapitän sorgen, doch dabei Gott vertrauen und Gott als den alleinigen Erhalter ansehen. Wenn Gott beschützt kann nichts des Menschen Sicherheit gefährden; wenn es jedoch nicht Seinem Willen entspricht zu beschützen, nützen auch die beste Vorbereitung und die größte Vorsicht nichts.


Liebe Grüße!
Vielleicht noch ganz interessant zu diesem Thema ist das 'Gebet der Zeichen':

Wir befreien euch von dem Gebet der Zeichen¹. Treten furchterregende Naturereignisse ein, so ruft euch die Macht und Majestät eures Herrn vor Augen - Er, der alles hört und sieht - und sprecht: "Die Größe ist Gottes, des Herrn des Sichtbaren und des Unsichtbaren, des Herrn der Schöpfung." (Bahá'u'lláh, Kitab-i-Aqdas 11)


FRAGE: Ist das Sprechen des Verses, der als Ersatz für das Gebet der Zeichen offenbart ist, bindend?
ANTWORT: Es ist nicht bindend.

(Bahá'u'lláh, Fragen und Antworten zum Kitáb-i-Aqdas 52)
Forum -> Baha'i-Religion


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