13.6 Der Zweig


13.6 Der Zweig


In den Prophezeiungen von Jesaja, Jeremia, Hesekiel und Zacharias gibt es verschiedene Hinweise auf einen Mann, genannt »der Zweig«. Diese sind von den Christen oft so aufgefaßt worden, als ob sie sich auf Christus bezögen. Sie werden aber von den Bahá'í als besonders auf Bahá'u'lláh weisend angesehen. Die belangreichste Bibelprophezeiung über den Zweig befindet sich im 11.Kapitel von Jesaja (11:1-12):

»Und es wird ein Reis hervorgehen von dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf Ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn ... Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und die Treue der Gurt seiner Hüften. Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Parder bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben ... Man wird nirgends Sünde tun, noch freveln auf Meinem ganzen heiligen Berge, denn das Land wird voll Erkenntnis des Herrn sein, wie Wasser das Meer bedeckt ... Und der Herr wird zu der Zeit zum zweiten Mal seine Hand ausstrecken, daß er den Rest seines Volkes loskaufe, der übriggeblieben ist in Assur, Ägypten, Pathros, Kusch, Elam, Sinear, Hamath und auf den Inseln des Meeres. Und Er wird ein Zeichen aufrichten unter den Völkern und zusammenbringen die verjagten Israels und die Zerstreuten Judas sammeln von den vier Enden der Erde.«

'Abdu'l-Bahá bemerkt über diese und andere Prophezeiungen vom Zweig folgendes:

»Eines der großen Ereignisse, das am Tage des Erscheinens dieses unvergleichlichen Zweiges eintreten soll, ist das Wissen des Banners des Herrn unter allen Völkern. Das heißt, daß alle Völker und Stämme unter den Schutz dieses göttlichen Banners, das kein anderes als der erhabene Zweig selbst ist, kommen und zu einem einzigen Volke werden. Die Gegensätze der Glaubensbekenntnisse und Religionen, die Feindschaft zwischen Rassen und Völkern und die Verschiedenheiten nationaler Interessen werden verschwinden. Alle werden einer Religion, einem Bekenntnis, einer Rasse und einem Volk angehören und in einem Vaterland wohnen, das die ganze Erde ist. Universaler Friede und Einheit werden unter allen Völkern verwirklicht, und jener unvergleichliche Zweig wird ganz Israel versammeln. Das kündet an, daß in diesem Zyklus Israel im Heiligen Land versammelt wird, und daß die Juden, die im Osten und Westen, im Süden und Norden zerstreut sind, vereinigt werden. Nun sieh, daß sich dies im Zeitalter Christi nicht ereignet hat, denn die Völker sind nicht unter dem einen Banner, mit dem der göttliche Sproß gemeint ist, zusammengekommen. Aber in diesem Zyklus des Herrn der Heerscharen werden alle Völker und Nationen unter den Schutz dieses Banners gelangen. Auch das in alle Welt zerstreute Israel wurde im christlichen Zeitalter nicht im Heiligen Land von neuem vereint. Aber am Anfang des Zeitalters Bahá'u'lláhs begann sich dieses göttliche Versprechen, das in allen Büchern der Propheten verkündet wurde, zu erfüllen. Man kann sehen, wie von allen Teilen der Welt jüdische Geschlechter zum Heiligen Land kommen; sie leben in Dörfern und auf Boden, den sie sich erwerben, und Tag für Tag vermehrt sich ihre Zahl in einem solchen Ausmaß, daß ganz Palästina ihre Heimat werden wird.«¹

¹ Abdu'l-Bahá, Beantwortete Fragen, Kap.12 S.72f