13.8 Der Tag des Gerichts


13.8 Der Tag des Gerichts

Christus sprach in Gleichnissen viel über den Tag des Gerichts, wenn »des Menschen Sohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln; und alsdann wird Er einem jeglichen vergelten nach seinen Werken.« (Matth.16:27) Er vergleicht diesen Tag mit der Zeit der Ernte, wenn die Spreu verbrannt und der Weizen in die Scheunen gesammelt wird (Matth.13:40-43):

»Gleichwie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird es auch am Ende dieser Welt gehen: Des Menschen Sohn wird seine Engel senden; und sie werden sammeln aus seinem Reich alle, die Ärgernis geben und die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappen sein. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich.«

Der Ausdruck »Ende der Welt«, wie er in der autorisierten Übersetzung der Bibel an dieser und an ähnlichen Stellen gebraucht wird, hat manchen verleitet, zu denken, daß, wenn der Tag des Gerichts komme, die Erde plötzlich zerstört werde; aber dies ist offensichtlich ein Irrtum. Die richtige Übersetzung dieses Ausdrucks scheint zu sein »die Vollendung oder das Ende des Zeitalters«. Christus lehrt, daß das Königreich des Vaters sowohl auf Erden wie im Himmel aufzurichten sei. Er lehrt uns beten: »Dein Reich komme, Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.« In dem Gleichnis von dem Weinberg zerstört der Vater, wenn Er, der Herr des Weinbergs, kommt, die gottlosen Weingärtner umzubringen, nicht auch den Weinberg (die Welt), sondern gibt ihn an andere Weingärtner, die ihm die Früchte zu rechter Zeit geben. (vgl. Matth.21:41) Die Erde muß nicht vernichtet, sondern erneuert und wiedergeboren werden. Christus sprach von diesem Tage bei einer andern Gelegenheit als »der Wiedergeburt, da des Menschen Sohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit« (Matth.19:2 Petrus sprach von ihm als den »Zeiten der Erfrischung«, »den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, welche Gott durch den Mund aller seiner Propheten seit Weltbeginn versprochen hat«. Der Tag des Gerichts, von welchem Christus sprach, ist offensichtlich gleich mit dem Kommen des Herrn der Heerscharen, des Vaters, wie es von Jesaja und den andern Propheten des Alten Testaments prophezeit wurde, eine Zeit schrecklicher Strafe für die Gottlosen, aber eine Zeit, in welcher Gerechtigkeit geschaffen wird und Rechtschaffenheit herrschen soll, auf Erden wie im Himmel.

Nach der Bahá'í-Auslegung ist das Kommen jeder Manifestation Gottes ein Tag des Gerichtes, aber das Kommen der allerhöchsten Manifestation Bahá'u'lláh ist der große Tag des Gerichts für den Weltzyklus, in welchem wir leben. Der Posaunenruf, von dem Christus und Muhammad und viele andere Propheten sprachen, ist der Ruf der Manifestation, der erschallen wird für alle, die im Himmel und auf Erden sind, für die im Leib und für die ohne Leib. Die Begegnung mit Gott durch seine Manifestation ist für die, welche Ihm zu begegnen wünschen, die Pforte zum Paradies des Ihn Erkennens und Liebens und des Lebens in Liebe mit allen seinen Geschöpfen. Jene andererseits, die ihren eigenen Weg Gottes Weg vorziehen, wie er durch die Manifestation geoffenbart ist, überliefern sich dadurch selbst der Hölle der Selbstsucht, des Irrtums und der Feindseligkeit.