13.10 Wiederkunft Christi


13.10 Wiederkunft Christi


In vielen seiner Gespräche spricht Christus von der zukünftigen Manifestation Gottes in der dritten Person, in anderen wieder ist die erste Person gebraucht. Er sagt (Joh.14:2-3)

»Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Und wenn Ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, so will Ich wiederkommen und euch zu Mir nehmen.«

Im ersten Kapitel der Apostelgeschichte lesen wir, daß den Jüngern bei der Himmelfahrt Christi gesagt wurde (Apg.1:11):

»Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr Ihn gesehen habt gen Himmel fahren.«

Wegen dieser und ähnlicher Aussprüche erwarten viele Christen, daß, wenn des Menschen Sohn kommt »in den Wolken des Himmels und mit großer Herrlichkeit«, sie den gleichen Jesus in körperlicher Gestalt sehen werden, wie Er zweitausend Jahre zuvor in den Straßen Jerusalems wandelte und am Kreuze blutete und litt. Sie erwarten, daß es ihnen vergönnt sei, ihre Finger in die Nägelmale seiner Hände und Füße zu legen und ihre Hand in die Speerwunde in seiner Seite. Aber sicher wird ein wenig Nachdenken über Christi eigene Worte solche Vorstellungen zerstreuen. Die Juden zu Christi Zeiten hatten ebensolche Vorstellungen von der Wiederkunft des Elias, aber Jesus legte ihren Irrtum klar, indem Er zeigte, daß die Prophezeiung, daß »Elias zuerst kommen müsse«, erfüllt war, nicht durch die Wiederkunft der Person und des Körpers des früherer Elias, sondern in der Person von Johannes dem Täufer, der kam »im Geist und in der Kraft des Elias«. »Und (so ihr's wollt annehmen) er ist Elias, der da soll zukünftig sein. Wer Ohren hat zu hören, der höre.« (Matth.11:14).

Die "Wiederkunft" des Elias bedeutete daher das Erscheinen einer andern Person, geboren von andern Eltern, aber von Gott inspiriert mit dem gleichen Geist und der gleichen Kraft. Von diesen Worten Jesu darf wahrlich angenommen werden, daß sie bedeuten, daß die Wiederkunft Christi in gleicher Weise durch das Erscheinen einer andern Person, geboren von einer anderen Mutter, vollendet werden wird, die aber den Geist und die Macht Gottes gerade so aufweisen muß, wie Christus dies tat. Bahá'u'lláh erklärt, daß das Wiederkommen Christi erfüllt wurde in dem Kommen des Báb und in seinem eigenen Kommen. Er spricht (Iqán S.24)

»Betrachtet die Sonne! Wollte sie sagen: `Ich bin die Sonne von gestern`, so würde sie die Wahrheit sprechen, und würde sie, den Zeitenlauf betonend, behaupten, sie sei eine andere als jene Sonne, so würde sie auch die Wahrheit reden. Ebenso ist es richtig und wahr, wenn gesagt wird, alle Tage seien ein und derselbe. Und wenn im Hinblick auf ihre besonderen Namen und Bezeichnungen gesagt wird, sie seien verschieden, so ist dies auch wahr. Denn wenn sie auch die gleichen sind, so läßt sich doch an jedem eine andere Bezeichnung, eine besondere Eigenschaft, ein eigener Wesenszug erkennen. Begreife nun dementsprechend die Kennzeichen des Unterschieds, der Mannigfaltigkeit und der Einheit der Manifestationen der Heiligkeit, damit du die Andeutungen verstehen mögest, die der Schöpfer aller Namen und Eigenschaften über diese Mysterien der Einheit und der Unterscheidung machte.«

'Abdu'l-Bahá sagt (TAB I p.138):

»Wisse, daß die Wiederkunft Christi zum zweiten Male nicht das bedeutet, was die Menschen glauben, sondern vielmehr den einen Verheißenen bezeichnet, der nach Ihm kommen soll. Er wird kommen mit dem Königreich Gottes und seiner Macht, welche die Welt umspannt hat. Diese Herrschaft ist in der Welt des Herzens und Geistes und nicht in der der Materie, denn die materielle Welt ist im Angesicht des Herrn nicht einmal mit einem einzigen Flügel einer Mücke zu vergleichen - würdet ihr es doch verstehen! Wahrlich, Christus kam mit seinem Königreich vom Anfang, der keinen Anfang hat, und wird kommen mit seinem Königreich zur Ewigkeit der Ewigkeiten, insoweit als in diesem Sinn `Christus` ein Ausdruck der göttlichen Wirklichkeit ist, der einfachen Wesenheit und des himmlischen Seins, welches keinen Anfang hat noch ein Ende. Es hat Erscheinen, Aufgang, Offenbarung und Untergang in jedem der Zeitalter.«